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Lisa Roman von Glavinic, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.02.2011
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Lisa

Lisa, eine Schwerkriminelle, begeht auf der ganzen Welt rätselhafte Verbrechen. Die Zeichen mehren sich, dass ein Mann ihr nächstes Opfer wird: Sie ist bereits in seine Wohnung eingebrochen. Doch sie bleibt unsichtbar, außer ihrer DNA gibt es keine einzige Spur. Verschanzt in einem verlassenen Landhaus, mit reichlich Whiskey und Koks, spricht der Mann jeden Abend per Internet-Radio zu einem virtuellen Publikum. Komisch bis zum bitteren Ende erzählt Thomas Glavinic aus Österreich vom unsichtbaren Grauen der virtuellen Welt. 'Lisa' ist ein Meisterwerk zwischen Humor und Horror, ein Psychogramm des Grauens. Denn Lisa ist überall.

Thomas Glavinic wurde 1972 in Graz geboren. 1998 erschien sein Debüt Carl Haffners Liebe zum Unentschieden. Es folgten u.a. Die Arbeit der Nacht (2006), Das bin doch ich (2007), Das Leben der Wünsche (2009) und Das größere Wunder (2013). Seine Romane Der Kameramörder (2001) und Wie man leben soll (2004) wurden fürs Kino verfilmt. Thomas Glavinic erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, zuletzt den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Seine Romane sind in 18 Sprachen übersetzt. Er lebt in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 07.02.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446236912
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Größe: 1186 kBytes
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Lisa

2 (S. 30-31)

... spätestens dann. Aber sie konnte nichts dafür. Ihre beste Freundin, na das war vielleicht eine Nummer. Immer tuschel, tuschel, immer pipi und papi und Puppilein.Habe ich das schon erzählt? Sie kommt zu uns und lässt Katha mit verbundenen Augen auf einem Bein stehen. Erst auf dem linken, dann auf dem rechten. Nach zehn Sekunden sagt sie Stop, dann muss auch ich das Akrobatenkunststück vorführen.Ich weiß nicht, ob mir jemand zuhört, der das einmal probiert hat, das ist nämlich gar nicht so leicht, wie es sich anhört. Ich stehe also da wie ein Storch, und nach ein paar Sekunden beginne ich leicht zu wackeln.

Irgendwie gerate ich aus dem Gleichgewicht und muss den zweiten Fuß abstellen. Nina sagt: Aha und oje. Ich nehme mir die Binde ab und frage: Was aha und oje. Du hast wahrscheinlich einen Gehirntumor, sagt sie. Wie bitte, sage ich, wie bitte, sagt Katha, und Nina sagt: Ja, du musst gleich zum Arzt gehen. Ich schaue sie an, ob sie nun endgültig durchgeknallt ist, nach der Geschichte mit den Scampi hätte mich das auch nicht gewundert.Scherz ist es keiner, sie wiederholt, ich muss zum Arzt gehen, bitte geh zum Arzt, bittebitte lass dich untersuchen. Na und wir: Was soll denn der Schmarren?

Und sie: Das hat ihr eine Freundin erklärt. Deren Freundin sei beim Neurologen gewesen, der sie auf diese Weise untersucht und sie dann aufgeklärt habe, Gleichgewichtsstörungen seien ein Anzeichen für eine Hirnkrankheit.Tja, mir ist eine Bemerkung über weitere Anzeichen für eine Hirnkrankheit auf der Zunge gelegen, aber Katha hat mich scharf angesehen, und ich wusste ja, was darauf sonst am Abend folgen würde, du weißt doch, Nina ist sensibel, und musstest du denn unbedingt.

Habe ich eben den Mund gehalten und mir weiter angehört, was für ein bedenkliches Anzeichen so ein Schwanken ist.Das ist übrigens dieselbe, die behauptet hat, vom Schokoladeessen platzt die Leber.Moment, ich brauche etwas zu ... wo ist denn der Flaschenöffner? Heute bleibe ich beim Wein, dieser Zirbenschnaps gestern hat mich den ganzen Tag gemartert, da half der Whisky obendrauf auch nichts mehr, Kopfschmerzen ohne Ende, liegt wohl am Gift.Ich bin ja wirklich ein Idiot. Bam – bam – bam – bam, eine Ladung nach der anderen, drei- bis vierhundert Euro an einem Abend ins Hirn schieben, schlau ist das nicht. Morgens bereut ihr es, am Nachmittag findet ihr es nicht mehr so schlimm, und wenn es Abend wird, greift ihr zu den Briefchen, ohne nachzudenken.

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