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Lolito von Brooks, Ben (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2015
  • Verlag: Atrium Verlag AG Zürich
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Lolito

Schreiend komisch, zutiefst berührend und (leider) absolut wahrhaftig: Die haarsträubende Geschichte des jungen Etgar ist zugleich das Porträt einer gebeutelten Generation, die von klein auf im Internet ihr blaues Wunder erlebt. Der 15-jährige Etgar ist mit seinem Hund Amundsen allein zu Haus. Als er über Facebook herausfindet, dass seine Freundin ihn betrogen hat, bricht es ihm das Herz. Im Internet begibt er sich auf eine Reise durch immer zweifelhaftere Chatrooms und Single-Börsen. Dort trifft er auf Macy, der er sich am Bildschirm als jungdynamischer Hypothekenmakler vorstellt. Hals über Kopf stürzen sich die beiden in eine Cyber-Affäre, und bald taumelt Etgar zwischen nackter Panik und der aufregenden Erkenntnis, dass im Internet einfach alles möglich ist. Aber dann will Macy Etgar nicht mehr nur im Internet treffen. Mit schlotternden Knien, schweißnassen Händen und Omas Erbe auf dem Konto checkt Etgar in einem Hotel ein. In der Lobby tritt ihm Macy entgegen, sie ist schön, sie ist sexy - und sie entpuppt sich als 46-jährige Schulleiterin.

Ben Brooks, 1992 in Gloucester geboren, ist Autor von sechs Büchern; auf Deutsch erschien bisher sein Roman Nachts werden wir erwachsen (2012). Ben Brooks stand auf der Longlist des Dylan-Thomas-Preises und war für den Pushcart Preis nominiert. 2014 wurde er für Lolito mit dem Jerwood Fiction Uncovered Prize ausgezeichnet. Er lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 20.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037920718
    Verlag: Atrium Verlag AG Zürich
    Größe: 1021 kBytes
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Lolito

2

Elliot und Hattie knien auf dem Gehweg und massieren sich gegenseitig Quinoderm in die Wangen. Aslam lehnt am Straßenschild. Es ist kalt. Er hält eine Zwei-Liter-Flasche Tesco-Cola und eine halb leere Flasche Captain Morgan's in den Händen und betrachtet irgendwas am Himmel. Das diesige orangefarbene Licht der Straßenlaterne erhellt sein Gesicht und lässt sein Spiegelbild in der Pfütze zu seinen Füßen aufscheinen. Er wedelt mit den Armen.

"Argh", rufe ich.

"Bäh", ruft Aslam.

"Etgar", sagt Hattie.

"Hi."

"Halt mal", sagt Aslam. Ich nehme die Flasche Cola entgegen, setze mich im Schneidersitz auf den Asphalt und quetsche die Flasche zwischen meine Beine. Ich schraube den Deckel ab und halte die Flasche, während er den Rum hineingießt. Er spritzt auf meine Hände. Ich spucke drauf und reibe sie an meinem Pulli ab. Hattie hockt sich hin und greift in ihre Tasche.

"Etgar", sagt sie. "Ich hab was für dich." Sie gibt mir einen Klumpen gelbes Metall.

"Danke", sage ich. "Was ist das?"

Aslam gähnt, und Rum rinnt mir durch die Finger.

"Das ist ein Schlagring. Die Löcher sind für die Finger."

"Hast du Parkinson?"

"Ich glaube nicht."

"Ich meinte Aslam."

"Ach so. Jedenfalls dachte ich, du könntest den an Aaron ausprobieren. Oder vor ihm damit rumfuchteln, bis er sich in die Hosen macht. Ich weiß noch, wie sich beim Weihnachtskonzert dieses eine Mädchen bei ihrem Solo vorne in der Kirche in die Hosen gemacht hat, und man konnte sehen, wie die Hose dunkel wurde, und dann war da Pipi auf dem Boden. Das war unglaublich."

"Danke, Hattie", sage ich. "Lieb von dir."

"Wofür hast du einen Schlagring?", fragt Aslam.

"Der glänzt. Ich mag ihn. Elliot hat ihn mir gekauft. Er meinte, ich wäre so hübsch, dass in der Oberstufe alle versuchen würden, mich zu vergewaltigen." Elliot ist der Einzige von uns, der nicht in die Oberstufe im Nachbarort gehen wird. Er wird als Klempner arbeiten, mit seinem Vater, der nach Orangenschale riecht und weint, wenn Fußballer vor dem Spiel die Nationalhymne singen. "Er meint, ich sollte bereit sein, sie zu bekämpfen oder zu töten, und er wollte nicht, dass ich mir die Fingerknöchel ruiniere, weil es die schönsten Knöchel sind, die er je gesehen hat."

"Schwul", sagt Aslam. Schwul meint nicht homosexuell. Es bedeutet etwas anderes. Es bedeutet, allen Ernstes Sachen zu sagen, die unsere Eltern sagen würden.

"Tut mir leid, dass ich schön bin."

"Schwul."

Der Rest des Rums verschwindet in der Cola, und ich schraube den Deckel drauf und schüttele ordentlich. Wir lassen die Flasche kreisen.

"Hast du schon mal jemanden geschlagen?", fragt Hattie.

"Haufenweise", sage ich. "Einmal. Nein. Nie. Nullmal. Und du?"

"Dauernd. Letzte Woche habe ich Ella geschlagen, weil sie meinte, dass ich ako Pads als Tampons benutze, was nicht stimmt. Es ist ganz einfach. Man muss sich nur vorstellen, dass sie dein Vater sind."

"Ich mag meinen Vater."

"Jemanden, den du hasst."

"Ich hasse niemanden."

"Dann wirst du es nicht schaffen, Leute zu vermöbeln."

"Muss er aber", sagt Aslam, legt mir eine Hand auf die Schulter und grinst. "Wenn er es nicht macht, fangen alle an, Alice zu befingern." Ich drehe mir eine Zigarette, zünde sie an und fühle mich unsicher und unbedeutend. Aslam macht eine schöpfende Bewegung mit einer Hand. "Seine kleine Muschi zu füttern."

Ein Mädchen, das mir sehr bekannt vorkommt, öffnet die Tür des Hauses an der Huntsdon Street. Sie hat kurzes blondes Haar, lächelt und hält eine Flasche WKD blue an ihre Brust gedrückt. Sie bittet uns reinzukommen. Wir kommen rein. Die Leute haben sich aufs ganze Haus verteilt. Sitzen und stehen und reden und küssen. Wir lassen uns auf einer einsamen Teppichinsel vor einem Elektrokamin nieder.

"Da", sagt Aslam und zeigt auf eine Gruppe

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