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Lord Jim von Conrad, Joseph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.01.2017
  • Verlag: Null Papier Verlag
eBook (ePUB)
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Lord Jim

Jim ist ein junger britischer Seemann und Erster Offizier auf der Patna, einem heruntergekommenen Schiff beladen mit Pilgern auf der Fahrt gen Mekka. Bei einer Havarie verlässt die Besatzung aus Schurken das Schiff und überlässt die Pilger ihrem Schicksal. Auch Jim verweigert nach anfänglichem Zögern die Hilfe und flüchtet. Obwohl das Schiff von fremden Seeleuten gerettet wird, wird die Besatzung der Patna angeklagt. Doch nur Jim stellt sich seiner Verantwortung vor Gericht. 'Lord Jim' ist ein Roman von Joseph Conrad aus dem Jahre 1900. Inspiriert wurde der Autor von der dramatischen Geschichte des Pilgerschiffs Jeddah, das 1880 in Seenot von seinem Kapitän verlassen wurde. Ein aufwühlendes Psychogramm und gleichzeitig auch ein spannender vom Kolonialismus Asiens durchzogener Abenteuerroman. Null Papier Verlag Joseph Conrad (1857 - 1924) war ein Schriftsteller polnischer Herkunft, der in englischer Sprache schrieb. Sein Vater, Apollo Korzeniowski ist Schriftsteller und polnischer Patriot, der Shakespeare und Hugo übersetzt und seinem Sohn die Literatur nahelegt. Nach der Besetzung Polens durch Russland in der 'zweiten Teilung' wird der Vater 1861 verhaftet und später mitsamt Frau und dem erst 5-jährigen Joseph in die Verbannung ins nordrussische Wologda geschickt. Dort stirbt die Mutter, Vater und Sohn kehren nach Strafverbüßung 1865 ins polnische Krakau zurück. Als auch der Vater 1869 stirbt, erhält der Onkel Tadeusz das Sorgerecht über ihn. 1886 erlangt Conrad die britische Staatsbürgerschaft. 1888 wird er Kapitän. Seine Erlebnisse zur See bilden meist den Hintergrund der von ihm geschaffenen Erzählungen. Etwa 1890 beginnt Joseph Conrad zu schreiben. Zeit seines Lebens schafft er ein umfangreiches literarisches Werk. Lange ist er auf Gönner angewiesen, doch 1914 hat er endlich den schriftstellerischen Durchbruch mit 'Spiel des Zufalls'. Conrads bekannteste Schöpfungen sind die Romane 'Lord Jim', 'Nostromo' und 'Herz der Finsternis' (ebenfalls erschienen bei Null Papier). Letzteres ist bis heute das meistzitierte und bedeutendste Buch von ihm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 574
    Erscheinungsdatum: 29.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954188291
    Verlag: Null Papier Verlag
    Größe: 1496 kBytes
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Lord Jim

Erstes Kapitel

E s mochten ihm ein bis zwei Zoll zu sechs Fuß fehlen; er war ungewöhnlich kräftig gebaut und pflegte, den Kopf vorgestreckt, mit leicht eingezogenen Schultern und einem starren Blick von unten her schnurstracks auf einen loszukommen, was an einen Stier in Angriffsstellung gemahnte. Seine Stimme war tief, laut, und in seiner ganzen Art lag eine gewisse knurrige Selbstbehauptung, die doch nichts Feindseliges hatte. Sie schien notwendig zu seinem Wesen zu gehören und war offensichtlich ebensosehr gegen seine eigene Person wie gegen jeden anderen gerichtet. Er war makellos sauber, vom Kopf bis zum Fuß in blendendes Weiß gekleidet, und stand in allen Häfen des Orients, wo er schon als Wasserkommis eines Schiffslieferanten seinen Unterhalt gefunden hatte, in hohem Ansehn.
Ein Wasserkommis braucht in gar keinem Fach sein Examen abzulegen, doch muß er Geschicklichkeit in abstracto besitzen und sie praktisch beweisen können. Seine Arbeit besteht darin, andern Wasserkommis unter Segel, Dampf oder Ruder den Rang abzulaufen, wenn ein Schiff vor Anker gehen will, den Kapitän freudig zu begrüßen, indem er ihm eine Karte aufzwingt - die Geschäftskarte des Schiffslieferanten - und ihn bei seinem ersten Besuch an Land bestimmt, doch unauffällig, in einen umfangreichen, höhlenartigen Laden zu steuern, der alles enthält, was an Bord gegessen und getrunken wird, wo man alles bekommen kann, um das Schiff seetüchtig und schön zu machen, von einem Satz Kettenhaken für das Ankertau bis zu einem Heft Blattgold für das Schnitzwerk des Hecks, und wo der Kapitän von einem Schiffslieferanten, den er nie zuvor gesehen hat, wie ein Bruder aufgenommen wird. Da harren seiner ein behagliches Wohnzimmer, Fauteuils, Flaschen, Zigarren, Schreibzeug, die Statuten für den Hafenverkehr und eine Wärme der Begrüßung, die danach angetan ist, das Salz einer dreimonatigen Seefahrt aus dem Herzen eines Seemanns herauszuschmelzen. Die so begonnene Bekanntschaft wird, solange das Schiff im Hafen bleibt, durch die täglichen Besuche des Wasserkommis aufrechterhalten. Dieser bringt dem Kapitän die Treue eines Freundes, die Fürsorglichkeit eines Sohnes, die Geduld eines Hiob, die selbstlose Hingabe einer Frau und die fröhliche Stimmung eines Zechkumpans entgegen. Nach einiger Zeit kommt die Rechnung. Kurzum: es ist ein schöner, menschlicher Beruf. Daher sind gute Wasserkommis selten. Wenn ein Wasserkommis, der die Geschicklichkeit in abstracto besitzt, noch dazu den Vorzug hat, für die See herangebildet zu sein, dann wiegt ihn sein Dienstherr mit Gold auf und behandelt ihn mit großer Rücksicht. Jim bekam stets hohe Löhne und erfuhr so viel Rücksichtnahme, daß ein Stein sich davon hätte erweichen lassen. Trotzdem konnte er mit schwarzem Undank plötzlich alles hinwerfen und auf und davon gehn. Die Gründe, die er seinem jeweiligen Dienstherrn angab, waren keineswegs stichhaltig. Sie sagten "verflixter Narr", sobald er ihnen den Rücken kehrte. Dies war ihr Urteil über seine hochgradige Empfindlichkeit.

Für die Weißen im Küstenhandel und die Schiffskapitäne war er schlankweg Jim - weiter nichts. Er hatte selbstverständlich noch einen andern Namen, doch war er ängstlich darauf bedacht, daß man ihn nicht aussprach. Sein Inkognito, das so löcherig war wie ein Sieb, sollte keine Persönlichkeit, sondern eine Tatsache verbergen. Wenn die Tatsache durch das Inkognito hindurchschimmerte, verließ er schleunigst den Seehafen, in dem er sich gerade befand, und ging nach einem andern - gewöhnlich weiter nach Osten. Er blieb in den Seehäfen, weil er ein Seemann war, der von der See verbannt war und die Geschicklichkeit in abstracto besaß, die für keinen andern als für einen Wasserkommis taugt. Er nahm seinen geordneten Rückzug der aufgehenden Sonne entgegen, und die Tatsache folgte ihm von ungefähr, doch unvermeidlich. So sah man ihn im Lauf der Jahre hintereinander in Bombay, Kalkutta, Rangun,

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