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Mein Herz ist eine Insel Roman von Sanders, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.03.2017
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Mein Herz ist eine Insel

Eine kleine Insel an der Westküste Schottlands und ein Geheimnis, das alles verändert ... Isla Grant ging es schon mal besser. Ohne Wohnung und ohne Job bleibt ihr keine andere Wahl, als nach Hause zurückzukehren, nach Bailevar, eine winzige Insel an der rauen Westküste Schottlands. Und das, obwohl sie kaum Kontakt zu ihrer Familie hat. Als sie auch noch ausgerechnet ihre Jugendliebe Finn wiedertrifft, sind alle unliebsamen Erinnerungen zurück. Ihr einziger Lichtblick ist die alte Dame Shona, die wie keine andere Geschichten erzählt, besonders gern die Legende von der verschwundenen Insel. Doch schon bald erkennt Isla, welch tragisches Geheimnis Shona zu verbergen versucht. Und auch ihre eigene Vergangenheit holt Isla unaufhaltsam ein ... Anne Sanders lebt in München und arbeitet als Autorin und Journalistin. Zu schreiben begann sie bei der "Süddeutschen Zeitung". Als Schriftstellerin veröffentlichte sie unter anderem Namen bereits erfolgreich Romane für jugendliche Leser. Die Küste Cornwalls begeisterte Anne Sanders auf einer Reise so sehr, dass sie spontan beschloss, ihren Roman "Sommer in St. Ives" dort spielen zu lassen. Dieser eroberte die Herzen der Leserinnen und wurde zum Bestseller. Auch "Mein Herz ist eine Insel" und "Sommerhaus zum Glück" waren große Erfolge.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 27.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641195076
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 746 kBytes
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Mein Herz ist eine Insel

1

Isla

W enn ich an Bailevar denke, denke ich an Krabben. Tonnen davon. Eimerweise hässliche rotbraune Schalentiere, mit starren Augen und klackernden Scheren, und dann an das Knirschen, das diese Schalen erzeugten, wenn meine Mutter sich ihrer annahm. Ich sitze mit einem Malbuch am Küchentisch, und krrrrrk. Ich spiele mit den Filzpuppen, und knackknackknackknackknack. Meine Mutter, die dünnen Arme in viel zu großen Gummihandschuhen, bis zu den Ellbogen in Krustentierleichen vergraben. Der Gedanke bereitet mir Gänsehaut, auch jetzt noch. Der Gedanke an diese Insel, an mein Elternhaus, an dieses Bild und all die anderen beschwört einen Widerstand in mir herauf, so stark, dass er eigentlich den Bus zum Stillstand zwingen müsste, in dem ich gerade sitze. Nur tut er es nicht.

Die Räder holpern über Viehgatter, die schmale Straße entlang, vorbei an grünen Weiden, dunklen Waldstücken, farnbedeckten Hügeln. Wie oft ich diese Strecke gefahren bin. Von Oban nach Craignure nach Fionnphort nach Bailevar. Mein halbes Leben habe ich auf Fähren und in diesem Bus verbracht, so kommt es mir jedenfalls vor. Und dass ich heute noch einmal hier sitze, auf dem Weg in mein sogenanntes Zuhause, ohne Plan und ohne Rückfahrkarte, das hätte ich niemals für möglich gehalten. Nicht vor einem Jahr, nicht vor einer Woche. Nicht bis gestern, als mir Eric eröffnete ... als er mir sagte ... Ich kneife die Augen zusammen und drücke den Hinterkopf in die Lehne meines Sitzes. Ich kann jetzt nicht an Eric denken. Wenn ich an Eric denke, verliere ich das letzte bisschen Verstand.

Der Bus hält am Fährpunkt von Fionnphort, und es beginnt zu regnen, was absolut nicht überrascht. Das Klima an der Westküste ist rau, auf den Inseln rauer, und nun, Anfang September, ist es rau und nicht selten nass. Gott, ich klinge wie ein Reiseführer. Das ist es, was Bailevar mit mir macht. Es gibt so vieles, woran ich hier nicht zurückdenken möchte, dass ich mich freiwillig mit dem Wetter beschäftige.

Und wenn ich schon dabei bin - der Wind ist stark. Meine Haare wirbeln aus der Kapuze meiner Regenjacke, mir ins Gesicht, während ich den Koffer zur Fähranlegestelle zerre und meine Leinentasche, die ich in der anderen Hand halte, so nervtötend oft gegen mein Schienbein schlackert, als wolle sie mich piesacken. Soll ich das als Zeichen verstehen? Was, wenn ich gar nicht heimkehren, sondern mein blödes Gepäck zurück in den Bus hieven und mich schleunigst in die andere Richtung davonmachen sollte? Ich seufze. Als könnte ich irgendwohin. Hätte ich in Edinburgh bleiben sollen? Wohl kaum. Nach dem Streit mit Eric wollte ich nur eines: weg. Dass ich in Bailevar enden würde, wurde mir erst klar, als ich am Bahnhof stand und das Ticket nach Oban in der Hand hielt. Und was sagt das jetzt über mich aus? Dass ich in der Krise meines Lebens genau dorthin flüchte, von wo ich seinerzeit nicht schnell genug fortkommen konnte? Von wo ich annahm, schon die schlimmsten Miseren meines Lebens hinter mir gelassen zu haben? Nun, gut gemacht, Isla. Mit deinen zweiunddreißig Jahren bist du genauso planlos, wie du es mit zweiundzwanzig warst.

Wobei, das ist nicht ganz richtig. Mit zweiundzwanzig, da hatte ich Pläne, Myriaden davon. Ich weiß noch genau, wie ich damals auf diesem Schiff stand, draußen an Deck, Kyles alten Rucksack umgeschnallt, die Nase in den Wind gereckt, den Kopf voller Ideen. Studieren stand ganz oben auf der Liste, und ja - aus Sicht der schottischen Fischerfamilie schien diese Idee geradezu aufständisch. Die eigenen vier Wände. Weg vom Vater. Von den Brüdern. Der Insel. Den Erinnerungen. Ein ganz neues Leben.

Die Sohlen meiner Stiefel klackern über das Metall der Laderampe, und dann wuchte ich Koffer und Tasche ins Innere der muffigen Kabine, an schäbigen Sitzbänken vorbei in den hinteren Teil, wo ich vor einem Fenster stehen bleibe, mit dem Rücken zum Raum. Dieses Schiff war schon alt, als

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