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Mein Lächeln in deiner Hand Geschichte einer Heimkehr von Espinosa, Albert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.10.2017
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Mein Lächeln in deiner Hand

Wie ein Sohn seinen Vater verliert und das Glück wiederfindet. Als Ekaitz nach Hause zurückkehrt, zurück zum ungeliebten Vater, trennen die beiden Jahre des Schweigens: Zu schwer wog der frühe Tod der Mutter, dessen ungeklärte Umstände einen Keil zwischen Vater und Sohn trieben. Doch nun ist der Vater unheilbar an Krebs und Alzheimer erkrankt, Tag für Tag schwindet seine Erinnerung, legt sich Falte um Falte ein grauer Schleier über seine Vergangenheit. Nur weil Ekaitz es einstmals der geliebten Mutter versprach, ist er jetzt hier. Und weil er vom Vater wissen muss, wie die Mutter starb, bevor dieses Geheimnis für immer in das Dunkel des Vergessens sickert. Albert Espinosa, geboren 1973, ist Autor, Schauspieler, Film- und Theaterregisseur und lebt in Barcelona. Sein Erstling "Club der roten Bänder" erschien 2008, wurde weltweit in über 20 Sprachen übersetzt und in mehreren Ländern höchst erfolgreich als TV-Serie verfilmt. Seither hat Albert Espinosa diverse weitere Romane und Ratgeber veröffentlicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 16.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641206390
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Brújulas que buscan sonrisas perdidas
    Größe: 999 kBytes
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Mein Lächeln in deiner Hand

Sommerdüfte einatmen, um den Winter zu überstehen

So kehrte ich also an den Ort zurück, an dem ich aufgewachsen war. Für mich verhieß die Rückkehr nach Hause allerdings nichts Gutes, und bei Veränderungen kommen ja immer widersprüchliche Gefühle hoch. Mir war das zwar nicht klar, aber ich sehnte mich in diesem Moment nach einem Gefühl, brauchte unbedingt eine Emotion. Allerdings wusste ich das noch nicht.

Es war kalt an jenem Morgen des 5. November, als ich an dem riesigen Haus ankam. Es gehörte Vaters Familie bereits seit vier Generationen, was übrigens auch der Staub in allen Zimmern bewies.

Dort hatte ich meine Kindheit verbracht, meine schönsten Jahre und auch die schlimmsten. Oder so ist es mir zumindest in Erinnerung geblieben ...

Als ich das Auto parkte, stand Vater draußen auf der Veranda, als hätte er mich erwartet.

Er behielt mich im Auge, während ich die Wagentür öffnete. Bis ich dann endlich einen Fuß auf diesen Boden setzte, verstrich jedoch einiges an Zeit. Ich war mir einfach nicht sicher, ob dieser Besuch wirklich eine gute Idee gewesen war. Deshalb hatte ich auch nichts mitgebracht, kein Gepäck, keine persönlichen Gegenstände; ich hatte meine ganze Welt hinter mir zurückgelassen.

All mein Besitz befand sich in einigen Kilometern Entfernung.

Ich wollte es von dieser ersten Begegnung abhängig machen, ob ich mein Versprechen, mich um meinen Vater zu kümmern, wirklich halten würde ... Vater beobachtete mich noch immer, wobei sich in seinem Gesicht keinerlei Emotionen spiegelten. Er schaute einfach nur von der Veranda her zu mir rüber.

Einen schlimmeren Empfang hätte ich mir kaum vorstellen können. Wahrscheinlich machte ihm meine Rückkehr auch keine Freude, aber er war sich vermutlich dessen bewusst, dass er mich brauchte.

Mein Vater war sehr krank, und das wusste er auch. Vermutlich akzeptierte er meine Rückkehr deshalb, weil sich nicht einmal die Todgeweihten nach Einsamkeit sehnen.

Die Krankenschwester, die ihn während der letzten Jahre gepflegt hatte, stand ein paar Schritte hinter ihm. Als ich nun einen Fuß auf seine Erde setzte, machte er einen kleinen Schritt nach hinten, und die Krankenschwester kam näher.

Zunächst einmal entschuldigte sie sich dafür, dass sie sich nicht länger um meinen Vater kümmern konnte. Sie musste gehen, weil ihre Familie sie brauchte.

Vermutlich fällt die Entscheidung nicht schwer, wenn man zwischen seinem eigen Fleisch und Blut und einem Wildfremden wählen muss. In meinem Fall war die Sache aber nicht so klar ... Auf dem Weg vom Auto zur Veranda informierte mich die Schwester und gab mir Tipps - Namen von Medikamenten, Einnahmezeiten und ein kleines Heftchen, in dem sie alles notiert hatte.

Ich habe noch nie gut zwei Dinge gleichzeitig tun können, deswegen hörte ich kaum zu.

Und jetzt fiel es mir schon schwer genug, meinen Vater anzusehen. Er beobachtete mich weiterhin aus der Ferne, stand beinahe im Rahmen der Haustür, fast in ihrem Schatten.

Es kam mir so vor, als würde sein Gesicht immer mehr Erstaunen ausdrücken, je leiser die Stimme der Pflegerin wurde.

Als wir am Fuß der Verandatreppe ankamen, schien die Frau mir alles Wichtige gesagt zu haben. Deshalb trat sie jetzt ein paar Schritte zur Seite, um uns etwas Privatsphäre zu geben.

Ich war nur noch ein paar Meter von Vater entfernt, nicht mehr als die sechs Stufen, die zur Verandatür hinaufführten.

Und jetzt musste ich mit ihm reden ... in Erfahrung bringen, was er von mir wollte und was ich ihm zu bieten hatte.

Ich hätte mich ihm schon lange stellen sollen.

Als ich die Treppe hinaufstieg, entfernte sich die Krankenschwester noch etwas weiter. Mein Vater schaute mich an, sagte aber nichts. Dann ging er in den ersten Stock hinauf, wo sich auch mein Zimmer befand, und ich folgte ihm.

Plötzlich erschien es mir bedeutsamer als erwartet, diese Trepp

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