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Mein Sommer mit Mémé Roman von Briag, Élaine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.11.2016
  • Verlag: HarperCollins
eBook (ePUB)

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Mein Sommer mit Mémé

Großmutters Château im Burgund zu renovieren, passt überhaupt nicht in die Pläne der jungen Antiquitätenhändlerin Paula. Denn sie wollte sich in Paris mit ihrem Verlobten Jakob treffen. Aber ihre Großmutter, Mémé genannt, setzt die liebevollen Daumenzwingen an und versammelt nach langer Zeit wieder die ganze Familie an einem Tisch. Zwischen köstlichem Essen, Familienzwist und einigen Gläsern Wein findet Paula heraus, welches Geheimnis Mémé verbirgt - und was das für Paulas Zukunft bedeutet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 07.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959676069
    Verlag: HarperCollins
    Größe: 665 kBytes
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Mein Sommer mit Mémé

KAPITEL 2

Innen roch es nach altem Gemäuer. Von einem rechteckigen, großzügigen Flur führte eine breite Treppe ins erste Stockwerk. Im Erdgeschoss lag hinter einer Flügeltür der Salon, über eine andere Tür erreichte man die Küche. Mama öffnete sie und trat ein. Das zwischen den Sprossen der Läden eintretende Abendlicht verlieh dem Raum eine südländische Atmosphäre. Ich erkannte den alten Steinboden im Schachbrettmuster, aber in meiner Erinnerung hatte die Küche einem Saal geglichen; jetzt schätzte ich sie auf knappe zwanzig Quadratmeter. Eine einfache Holztischtafel mit mehreren verschiedenen Stühlen bildete den Blickfang. Darauf stand mittig in einer bauchigen lavendelblauen Vase ein Wiesenstrauß mit Butterblumen, Margeriten und Gräsern. Ein Buffet stach mir ins Auge, unter dessen Lackschicht ich eine Holzstruktur vermutete. Darauf ein altmodisches Radio aus den Sechzigerjahren, ein großer Kasten, an den ich mich genau erinnerte. In der Ecke war ein Herd neben einem gelbstichigen Kühlschrank, der aufdringlich surrte, unter dem Fenster noch immer die Spüle aus Speckstein. An der Wand hing eine Tafel in der Form eines überdimensional großen Schweinekopfs. Die Uhr daneben zeigte kurz vor halb acht. Ich stellte meine Reisetasche ab und öffnete das Fenster, das zum Garten zeigte.

"Ich muss mich in der Tat ein bisschen hinlegen", sagte Mama, nachdem sie ein Glas Leitungswasser getrunken hatte. "Sagst du Mémé bitte, dass wir bereits gegessen haben?", bat sie an mich gewandt. Sie wirkte auf einmal sehr erschöpft. "Weckt mich bitte, sobald sie hier ist. Ganz egal, wann das sein wird."

Marcel machte sich auf, das Gepäck zu holen, und folgte dann Mama mit zwei Koffern in die erste Etage. Ich nahm Gläser aus der Vitrine, fand zwei Flaschen Weißburgunder im Kühlschrank, öffnete eine davon und setzte mich an die Tafel. Nach all den Turbulenzen rund um die Anreise genoss ich die Stille im Haus und legte meine Beine auf einen Stuhl. Der Wein war eiskalt, leicht und schmeckte vorzüglich. Während ich mich allmählich entspannte, kamen mir Bilder in den Sinn. Gerüche und Stimmungen, die mit diesem Haus verbunden waren: Obwohl unsere Großmutter unsere ganze Kindheit lang nur jeweils einige Wochen im Sommer und die Weihnachtsfeste hier verbracht hatte, war sie präsent wie der Geist einer Schlossbesitzerin. Vor meinem inneren Auge sah ich Mémé, wie sie heiße Madeleines aus dem Ofen zog, die nach Orangenöl und warmer Butter dufteten; Mémé im Dezember bei sibirischer Kälte mit einem Buch nebenan im Salon am Kaminfeuer. Mémé mit Schlapphut und Korb auf einer Leiter beim Kirschenpflücken. Und an warmen Sommerabenden zusammen mit ihrer Mutter Sophie im Garten an einem improvisierten Esstisch, der mit weißen Leintüchern unter dem Kastanienbaum zur Festtafel wurde. Es soll Zeiten gegeben haben, da beherbergte das Schlösschen drei Generationen. Mémés Vater Antoine hatte ich nie kennengelernt, er war 1943 im Krieg gefallen. Mémés Großmutter Albertine soll eine stille Frau gewesen sein, die selten ihre Stimme erhob und wenn, dann muss sie Sätze gesagt haben wie: "Mon Antoine, Gott hab ihn selig, hätte seine wahre Freude an dieser Kirschernte." Oder: "Antoine schaut vom Himmel herab auf die Gaben des Herrn."

Und so kam es, dass das Château immer eine Residenz der Frauen war, obwohl die Männer, selbst nachdem sie längst gestorben waren, sonderbarerweise das Sagen hatten. Ein Bild vom Burgund aber hatte sich besonders in mein Gedächtnis eingebrannt: das gemeinsame Essen in dieser Küche an jener einfachen Tafel mit Mémé im Mittelpunkt, die lachend die Tischgesellschaft mit Geschichten verwöhnte. Am Kopf der Küchentafel, mit dem Blick hinaus zur Veranda, war ihr Lieblingsplatz. Hier hatten Marcel und ich als Kinder an ihren Lippen gehangen und gelernt, dass diese Küche ein ganz besonderer Ort war, einer, an dem die Familie zusammenrückte und selbst das Brot viel besser als zu Hause

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