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Missouri Roman von Wunnicke, Christine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.01.2017
  • Verlag: Männerschwarm Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Missouri

'Brokeback Mountain' hat mit seiner Mischung aus hartem Männerleben und schwuler Liebesgeschichte ein Millionenpublikum zu Tränen gerührt. Dabei wissen die deutschen Leser seit Karl May, welche erotischen Stimmungen nächtliche Ritte zu zweit erzeugen können. An diesen deutschen Blick auf den Wilden Westen knüpft die Erzählung 'Missouri' an. Die Zeit: Mitte des 19. Jahrhunderts, der Ort: irgendwo im Wilden Westen. Der englische Dichter Douglas MISSOURI CHRISTINE WUNNICKE Taschenbuch, ca. 96 Seiten 12,00 ? (D) / 15,00 CHF / 12,30 ? (A) ISBN 978-3-86300-230-5 ' Ich me ine, man re i t e t , und dann ...' Fortescue und sein Bruder Jeremy sind mit der Postkutsche auf dem Weg in ein neues Leben, doch plötzlich überstürzen sich die Ereignisse: Die Kutsche wird überfallen, und Fortescue wird von einer Räuberbande verschleppt. Wie der überfeinerte Dichter und sein wortkarger Entführer Joshua Jenkins sich millimeterweise näher kommen, entfaltet Christine Wunnicke zu einer überaus romantischen Liebesgeschichte. Christine Wunnicke, geboren 1966, lebt in München. 2002 erhielt sie für ihre Biografie des Kastratensängers Filippo Balatri, 'Die Nachtigall des Zaren', den bayerischen Staatsförderpreis für Literatur. Für den Roman 'Serenity' bekam sie 2008 den Tukan-Preis. Ihr Roman 'Der Fuchs und Dr. Shimamura' kam auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Bei Männerschwarm ist außerdem ihr Roman 'Die Kunst der Bestimmung' (Originalausgabe 2003) als Ebook erhältlich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 96
    Erscheinungsdatum: 24.01.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863002312
    Verlag: Männerschwarm Verlag GmbH
    Größe: 804 kBytes
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Missouri

IV

Als Joshua Jenkyns Lesen gelernt hatte, brachte er den Pfarrer von Decatur zurück in seine Kirche und überfiel sodann die Northern Cross Railway, nicht weit von Meredosia.

Er konnte das schnaufende Metallhaus nicht leiden, das zehn Meilen weit über die Prärie rollte, hin und her, ohne ersichtlichen Grund; deshalb ritt er auf die Schienen und wartete. Zwei Männer hingen mit Vater am Galgen. Drei waren übrig und folgten dem Sohn. Josh ließ die Toten den Geiern.

Es war ein besonderer Tag für Northern Cross. Die Gebrüder Gregory hatten das Unternehmen gekauft und fuhren zur Feier des Tages die Strecke ab, begleitet von Damen, einem Journalisten aus St. Louis und dem Sheriff von Jacksonville, allesamt in der Lokomotive, denn es gab noch keine Waggons. Die Gregorys verkündeten ihre Zukunftspläne, Schienen von Quincy bis hinüber zum Eriesee und die besten Maschinen von Rogers & Ketchum. Man ließ Korken knallen und brüllte ein Prosit auf die neue Zeit, in die Biberkrägen tropfte Champagner.

Joshuas Pferd stand reglos auf den Schwellen. Der Heizer hielt sie zunächst für ein lebloses Hindernis. Dann runzelte er die Stirn. Dann ließ er die Schaufel fallen. "Gott schütze uns", schrie der Heizer, "da ist der Sohn von Cyrus Jenkyns' Squaw!"

Die Lokomotive bremste, und bevor er den Abzug fand, hatte der Sheriff von Jacksonville keine Pistole mehr, denn Josh schoss und traf und entwaffnete ihn, ohne ihm ein Haar zu krümmen.

Joshua pfiff seinen Männern. Er sah zu, wie man den Heizer hinter dem Kessel hervorholte und einen feigen Mr. Gregory hinter einer Dame, und wie man dann alle aufstellte vor dem Haus aus Metall und ihnen fortnahm, was sie bei sich hatten, ein wenig Silber und ein Perlenkettchen, nicht der Rede wert.

Joshua war abgesessen, als er die Beute bekam, nun lud er nach und saß wieder auf, das Gewehr in der Armbeuge. Er wandte sein Pferd. Und hätte der Journalist aus St. Louis geschwiegen, so hätten die Annalen diesen Überfall nicht nur verzeichnet als den ersten, sondern wohl auch als den unblutigsten Eisenbahnraub westlich der Allegenies. Doch der Journalist beugte sich zu der Dame neben ihm und flüsterte wichtig: "Sehen Sie, Madam, ein Halbblut." Und so musste sich Joshua denn doch noch einmal umdrehen, und er schoss und der Journalist fiel um. So hatte es Cyrus Jenkyns' Sohn gelernt: Man lässt sich nicht Halbblut nennen. Und man sah es ihm an auf den ersten Blick, denn Cyrus' schottisches Blut hatte nicht viel vermocht gegen die schrägen Augen und die schöne Nase des Omaha-Mädchens, das Vater einst für zwei Gallonen Schnaps gekauft hatte, weil er einen Erben wollte für sein Unternehmen. Nur die Locken hatte Josh vom Vater und vielleicht auch die Läuse, die sich so gut darin hielten, und er hatte Vaters Männer und Vaters bestes Gewehr.

Joshua ritt nach Springfield. Vater hatte Springfield gemieden, aber Vater fraßen die Geier, Josh war ein freier Mann. Er verlangte nach Byron in Smith's General Store, kein alltäglicher Wunsch. Er hatte Glück. Mr. Smith, nicht gut gelaunt, fand Hours of Idleness eingestaubt hinter den Bibeln. Joshua hörte nicht, dass draußen der Sheriff seine Leute sammelte. Man räumte die Straße, verscheuchte Frauen und Kinder. Joshua stand reglos, so verliebt in sein Buch, taub und blind für die Welt. Er musste sich den Weg dann freischießen. Es war ein schwarzer Tag in der Geschichte von Springfield.

Erst allmählich begriff Joshua: Er konnte lesen, Buchstabe um Buchstabe, Zeile um Zeile. Er schrie, als er das begriff. Er erschreckte die Männer. Er schrie diesen merkwürdigen Schrei, den er sich so recht erst zu schreien traute, seit Vater tot war, den Schrei für viele Gelegenheiten, für die Freude, für das Überfragtsein, für die Verwunderung, den Schrei für die Prärie, für die wütenden Leute aus Springfield und die geliebten Hours of Idleness . Josh erschreckte jeden mit diesem Laster. Er erschreckte sogar sich

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