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Mit uns der Wind von Belitz, Bettina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2015
  • Verlag: script 5
eBook (ePUB)
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Mit uns der Wind

Wie findet man unter den 80.000 Besuchern von Rock am Ring den einen, den man liebt? Bestsellerautorin Bettina Belitz, bekannt durch ihre Splitterherz-Trilogie erzählt eine Liebesgeschichte über Hingabe und Kontrolle und die Lust am Fliegen. Mona kennt ihn nur von den Videos auf YouTube. Es berührt sie tief, wenn er sich mit seinem Power-Kite der Willkür des Windes überlässt. Als sie herausfindet, dass ihr 'Drachenreiter' ein populäres Rockmusikfestival besuchen will, überredet Mona ihren Bruder Manuel, sie dorthin mitzunehmen. Keine Selbstverständlichkeit für Mona, denn sie leidet unter einer seltenen Form von Narkolepsie: Sie schläft bei aufregenden Gefühlen regelmäßig ein. Eigentlich fährt Adrian nur zu dem Festival, weil er endlich bei der schönen Helen landen will. Doch dann läuft ihm dieses zierliche Mädchen mit dem Drachentatoo über den Weg. Ziemlich hübsch die Kleine, aber als sie endlich in seinen Armen liegt, schläft sie plötzlich ein. Wie merkwürdig ist das denn? Mehr Infos rund um Buch und Autorin unter: bettina-belitz.de Bettina Belitz, geboren 1973 in Heidelberg, verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen allein genügte ihr bald nicht mehr - nein, es mussten eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium arbeitete Bettina Belitz als Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt sie umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald und lässt sich von der Natur und dem Wetter zu ihren Romanen inspirieren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 09.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732002979
    Verlag: script 5
    Größe: 1428 kBytes
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Mit uns der Wind

Morgenrot

Mona

"Pass auf dich auf. Bitte."

Sie benehmen sich, als würde ich für ein Jahr in den Dschungel gehen und versuchen, dort ohne Führer, Proviant und medizinische Hilfe zu überleben.

"Keine Sorge, werde ich. Ich hatte ja jahrelang Zeit, es zu üben."

"Willst du nicht doch noch mal darüber nachdenken, ob ..."

"Nein, möchte ich nicht", entgegne ich und richte mich auf, so gut es in Mamas Klammergriff möglich ist.

"Vergiss nicht, dass du ..."

"Ja, ich weiß. Ich bin etwas Besonderes", unterbreche ich sie ein zweites Mal. "Deshalb ist es Zeit, etwas Besonderes zu erleben."

Keiner lacht über meinen Versuch, die Situation mit einem Scherz zu entkrampfen. Stattdessen seufzt Mama ein weiteres Mal tief durch und Papa wendet sich kurz ab, als müsse er sich sammeln. Ohne Mama anzusehen, weiß ich, dass die Tränen ihre Augen längst verlassen haben. Ich will sie nicht direkt anschauen, ebenso wenig wie Papa, der ununterbrochen mein Handgelenk hält - mit zwei Fingern nur, doch in der Hoffnung, ich könne es mir anders überlegen und beschließen hierzubleiben, in unserem Haus, wo mir nichts passieren kann und ich sicher bin. Genau deshalb kann ich kaum erwarten, es hinter mir zu lassen. Seit Wochen fiebere ich diesem Moment entgegen und nun ist er endlich da. Niemand wird mir ihn jetzt noch nehmen; das lasse ich nicht zu.

"Hast du deine Tabletten dabei? Und sie heute früh genommen? Hat sie die Tabletten genommen, Manuel?"

"Das kann ich prima allein, Mama, und ja, ich habe sie genommen. Alles gut." Die Lüge klebt in meinem Hals, süß und bitter zugleich. Weder habe ich meine Tabletten nach dem Frühstück geschluckt, noch weiß ich, ob alles gut wird - aber ich glaube daran. Ich habe sie im Waschbecken hinuntergespült, wie schon seit Wochen, was mir weniger kriminell vorkommt, als wenn ich sie im Klo entsorgen würde. Bis auf ein paar kleinere Zwischenfälle ist mir die Abstinenz gut bekommen, sehr gut sogar. Denn ich empfange wieder mehr Bilder und Töne - vor allem über ihn. Wenn nur ein Bruchteil von ihnen die Wahrheit sagt, fahre ich nicht meinem Unglück entgegen, wie Mama und Papa wochenlang unkten, sondern meinem Glück. Ich weiß, dass mein Vorhaben waghalsig ist - aber noch verrückter fühlte es sich an, nichts zu riskieren, sondern weiterhin zu Hause rumzuhocken und auf etwas zu warten, das niemals geschehen wird. Das kann keiner von mir verlangen.

"Es gibt keine Zufälle", höre ich Wills tiefe, sanfte Stimme in meinem Kopf und ich muss augenblicklich lächeln. Hat er mit diesen Worten recht - und ich vertraue darauf, dass er recht hat -, dann schreit das Schicksal mich geradezu an, den vielen Zeichen der vergangenen Wochen zu folgen.

Widerwillig gibt Mama mich frei und ich wende mich sofort ab, um zum Wohnmobil zu laufen. Erst, als mein Arm gestreckt in der Luft hängt, lässt auch Vater mit einem Seufzen los. "Es ist nur ein Musikfestival", brummt Manuel, als Mama ihn zum Abschied fest in ihre Arme schließt. Doch auch ihm höre ich seine Sorge an, während Sina nur ein weiteres Mal auf ihre grasgrüne Uhr schaut. Schon vor einer Stunde hatten wir starten wollen, doch Mama und Papa sind unentwegt neue Möglichkeiten eingefallen, Zeit zu schinden. Erst, als sie Anstalten machten, mein Gepäck zu kontrollieren, und Papa mir wieder einmal eintrichterte, dass man anderen Menschen nie hinter die Stirn sehen kann und gerade in meinem Fall Vorsicht überlebenswichtig sei, griff Manuel durch und machte ihnen klar, dass wir niemals einen guten Platz für den Caravan bekommen, wenn wir jetzt nicht losfahren - und je besser der Platz, desto besser für mich. Dagegen konnten sie nichts einwenden. Manchmal ist es durchaus praktisch, eine Schwester mit "Dachschaden" zu haben.

"Mona, ich kann dich besser verstehen, als du denkst, und ich möchte, dass du glücklich bist, aber wenn

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