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Mittelmänner Storys von Gavin, Jim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.02.2014
  • Verlag: Verlagsbuchhandlung Liebeskind
eBook (ePUB)
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Mittelmänner

Wann ist man ein Mittelmann? Jim Gavins Figuren schlagen sich eher schlecht als recht durchs Leben und haben mit den Idealvorstellungen von einem Mann denkbar wenig gemein. Brian liefert Essen-auf-Rädern aus und verliebt sich in die zehn Jahre ältere Karen, die ihm nach einer Runde 'proletarischem Sex' in seinem Lieferwagen erklärt, warum es nicht funktionieren wird mit ihnen beiden. Sean schreibt das Drehbuch zu einem Spielfilm, aber die Produktionsfirma will mit dem Projekt eigentlich nur ein Duschgel promoten. Und als Matt seinen neuen Job als Vertreter für Sanitäranlagen antritt, erfährt er gleich, was er zu erwarten hat: Jeden Tag bekommt man da draußen eins auf die Fresse, aber das ist der Pfad zur Erleuchtung ... Nie klappt etwas so wie geplant, und immer bleiben Jim Gavins unscheinbare Helden auf halber Strecke stehen. Das ist die einzige Konstante in ihrem Leben. Dabei zeigen ihre tragikomischen Abenteuer, dass das Leben eigentlich erst anfängt, wenn man seine Träume überwunden hat. Im wahren Mann steckt nämlich immer auch ein 'Mittelmann'.

Jim Gavin wird 1977 in Long Beach geboren. Nach dem College schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch und arbeitet dann einige Jahre als Handelsvertreter für Sanitäranlagen. Auf seinen Dienstreisen durch Kalifornien entstehen erste Erzählungen, für die er ein Stipendium an der Stanford University erhält. Seinen Durchbruch als Autor schafft Jim Gavin 2010, als der renommierte New Yorker eine seiner Storys abdruckt. 2012 erscheint sein von der amerikanischen Presse gefeierter Erzählungsband 'Mittelmänner'. Jim Gavin lebt in Los Angeles.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 10.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954380268
    Verlag: Verlagsbuchhandlung Liebeskind
    Originaltitel: Middle Men
    Größe: 1429kBytes
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Mittelmänner

Halte dich mannhaft

Die Römer hatten ihre liebe Mühe, Polykarp von Smyrna umzubringen. Im Stadion, umringt von blutrünstigen Heiden, hörte er eine Stimme. "Sei stark, Polykarp", sagte die Stimme, "und halte dich mannhaft." Der gute Bischof lächelte seine Verfolger seelenruhig an. Sie versuchten, ihn in Brand zu stecken, doch sein Fleisch weigerte sich zu brennen. Sie durchbohrten sein Herz mit einem Schwert, doch eine Taube kam aus seiner Brust hervor. In der Art zog sich der Nachmittag dahin, ein Wunder nach dem andern, bis sie ihm schließlich die Eier abschnitten oder an einen Sarlacc verfütterten, oder was weiß ich. Ich bin kein Theologe, also kenn ich nicht alle Fakten, doch schließlich malten christliche Kunsthandwerker jene göttlichen Worte "Halte dich mannhaft" an die Wand der Sporthalle von St. Polycarp Highschool in Long Beach.

Am ersten Tag der Summer League versammelte Coach Boyd uns im Mittelkreis. Ich kam ins dritte Highschool-Jahr und war gerade von der Trinity Prep übergewechselt, einer größeren und besseren katholischen Schule in Orange County. St. Polycarp hatte nur ein Drittel so viel Schüler und war eine reine Jungenschule. Ich kannte noch niemanden, doch dem von mir ermittelten Rassenproporz zufolge – sieben Weiße, vier Schwarze, ein Asiate – würde ich direkt in die Startaufstellung kommen. Es war 1992. Baggy Pants kamen gerade in Mode und Magic Johnson hatte AIDS.

"Das ist Pat Linehan", sagte Coach Boyd und legte eine Hand auf meine Schulter. "Wir können froh sein, dass wir ihn bei uns haben."

Trinity hatte das beste Basketball-Programm in ganz Kalifornien. Ich hatte erwartet, dass jeder von meinem Stammbaum beeindruckt wäre, aber es schien allen egal zu sein. Coach Boyd zeigte auf das verblichene Wandgemälde vom heiligen Polykarp.

"Das ist mehr oder weniger unser Motto", sagte er zu mir. "Halte dich mannhaft."

"Meinen Sie damit Manndeckung?" fragte ein hoch aufgeschossener Junge mit buschigen Augenbrauen und schlimmer Akne.

"Du weißt, was ich meine", sagte Coach Boyd.

"Weil wir Zonenverteidigung spielen."

"Ich weiß, dass wir Zonenverteidigung spielen, Tully. Nerv mich jetzt nicht."

Vorher, als ich zum ersten Mal in die Sporthalle gekommen bin, sagte einer der schwarzen Jungs, Greg Overton, dass ich genauso aussehe wie Dustin Tully. Er hatte recht, nur dass ich auch noch eine Spange trug, die schon seit einiger Zeit hätte abgenommen werden sollen, aber mein Dad hatte seinen Job verloren und damit auch unsere Krankenversicherung, und so blieb ich auf dem Ding sitzen.

Coach Boyd war barfuß. Was ich besorgniserregend fand. Autoritätspersonen tragen normalerweise Schuhe. Mit seinen schütteren blonden Haaren und dem Schnurrbart sah er aus wie ein alter Mann, dabei war er wahrscheinlich erst Anfang dreißig. "Alle mal herhören", sagte Coach Boyd. "In diesem Sommer werden wir uns zusammen auf eine Reise begeben."

"Meinen Sie das Turnier in Ventura?" fragte Tully.

"Nein", sagte Coach Boyd.

"Wir fahren also nicht nach Ventura?"

"Doch, aber das ist nicht die Art von Reise, die ich hier meine. Hört doch einfach mal zu."

"Meinen sie eine spirituelle Reise?" fragte Tully.

"Ja, aber so wie du das sagst, klingt das blöd."

"Da wir Zonenverteidigung

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