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Mondsee Philomela von Hanisch, Jens (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Mondsee Philomela

"Johannas Leben ist eine einzige Lüge. Eine Illusion." - Eine schwerwiegende Anschuldigung. Zu welchem Mittel aber greift ein Mensch, der Welt mit Würde gegenüberzutreten? - "Soll ich lachen oder weinen?" wird Johanna ihren Freund Martin fragen. "Das große Lachen. Ist dies wirklich der Weisheit letzter Schluss?" Hamburg. Dem Gelingen seiner zwei Freunde auf der Spur richtet Michael, der Besitzer vom Café Kommunal, in Mondsee Philomela seine Aufmerksamkeit auf den inneren Konflikt des zutiefst verletzten Bedürfnisses nach Autonomie und auf das zehrende Verlangen nach Wiedergutmachung. Die Zurückweisung seitens der Mitmenschen, der Missbrauch sowie der Mangel an Anerkennung sind nur zwei mögliche Gründe, die dem Streben nach Identität den Weg versperren. Während Johanna als Malerin Zuflucht in ihrer Phantasie sucht, stieg Martin aus seinem Leben als Biologe aus. Und trotzdem die Vergangenheit ihre Schatten auf die Gegenwart wirft, trotzen die Freunde dem Vorwurf der Lebenslüge und führen ihrem natürlichen Willen gefolgt ein für sie im Einklang mit sich bejahenswertes Leben. Jens Hanisch, 1970 in Dortmund geboren, wuchs in Lüneburg auf. Er wohnte zwanzig Jahre lang in Hamburg und lebt seit 2013 in Norderstedt. Mit Mondsee Philomela veröffentlichte er seinen ersten Roman im August 2013. 2017 folgte Lena van de Velde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744828116
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 631kBytes
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Mondsee Philomela

Enttäuscht stellte Martin ihren Koffer in den Flur, ging in die Küche und setzte Kaffee auf. Er war überzeugt, dass es Johanna lieber sei, sie für einen Moment alleine zu lassen. Um dem allem eine positive Wendung zu verleihen, suchte Martin seine Beherrschung nicht zu verlieren. Er konzentrierte sich, dachte, dass nicht er vornehmlich ein Problem habe. Im Nachhinein stellte sich heraus: Jeder Versuch wäre von vornherein vergeblich gewesen. Als Martin Johannas Zimmer betrat, sah er sie mit leerem Blick aus dem Fenster starren. Mit krampfhaftem Lächeln nahm sie dankend den Kaffee entgegen und hielt den Becher mit beiden Händen fest umschlungen. Martin vermutete, dass etwas Unvorhergesehenes geschehen war, verhielt sich ruhig und gab acht, damit keiner die Fassung verlor. Martin wartete. - "Komm, setz dich zu mir", sagte Johanna und wies ihm den Platz zu ihrer Rechten. Martin setzte sich. - "Was ist passiert?" fragte er zurückhaltend nach einem letzten Moment des Schweigens. "Er ist gestorben", flüsterte Johanna zögernd. "Tot." "In Boston?" bohrte Martin vorsichtig nach. "Genau." - Johanna sah Martin mit traurigen Augen an.

Hamburg im August, vierzehn Monate zuvor: Ben ging zum Arzt. Die Nachricht des Mediziners: Furchtbar, unwiderruflich, endgültig, derart plötzlich hatte Ben mit seinem Ende nicht gerechnet. Anfangs, wenige Wochen zuvor, war es ein Zwicken in der Achselhöhle, von da an verlief alles äußerst schnell. Die Worte des Arztes flogen an ihm wie eine Windbö vorbei, sein Mund weit entfernt, der Schrecken saß tief, die Worte schwebten unfassbar im Raum, zerfielen in Silben, zerstückelt bis zur Unkenntlichkeit. Die Konturen der Tapete, die Formen und Farben der Bilder im Raum verschwammen, die Wände begannen zu schwanken und drohten, in jedem Moment laut krachend einzustürzen. Das Ende der zahlreichen, nicht enden wollenden Untersuchungsergebnisse, die beruhigenden Worte und die Ratschläge des Mediziners hörte Ben nicht, hörte einzig das Klopfen seines Herzens und dachte an das Hämmern in seinem Kopf. Ben vermochte sich nicht zu wehren, hatte kampflos das Schlachtfeld zu räumen, fühlte sich erschlagen und nahm widerspruchslos zur Kenntnis, dass sein Leben in einem Jahr vorbei sein werde. Kurzatmigkeit während der folgenden zwei oder drei Minuten, die Heilungschance liege bei zwei Prozent.

Ben wachte auf: Ein lauter unterdrückter Schrei in seinem Innern, mit einem Ruck riss er sich los, stand schweigend auf und verließ die Sprechstunde ohne Gruß die Treppe hinunter stolpernd auf den Parkplatz, wo sein Auto stand. Eine Stunde später ging er im Wald spazieren, versuchte seine Gedanken zu sortieren, immer den Waldweg entlang. Zwangsläufig war er sich der Tatsache bewusst zu leben, dass er nur noch wenige Monate zu leben hatte. Ohne langes Nachdenken entschloss er sich, das noch-am-Lebenzu-sein, so gut es ging, zu genießen. Seine Angst trieb ihn in die Einsamkeit. Gemeinsam mit seinem Hund, dem treuen Begleiter, floh er in die Natur. Der Duft der Pflanzen, die Frische der Waldluft, die Sonne im Westen, alles Signale dafür, am Leben zu sein. Was ist damit anzufangen? Eine wichtige, ja wesentliche Frage. Ben war sich sicher, dass es das letzte Mal gewesen sein würde, durch diesen Wald zu gehen. Felder und Wiesen, die er seit Jahren kannte, durch die er beinahe jeden Tag gegangen war und jeden der Spaziergänge genossen hatte, viel Zeit blieb ihm nicht. Jede Wiederholung stiehlt Zeit, stiehlt ein Stück ungelebte Möglichkeit. Zeit ist kostbar, ein äußerst knappes Gut. Jeder Vogelschrei, jedes Knacken der Äste oder das Rascheln des Laubs erfüllte seine Sinne mit Leben. Die Möglichkeit, das Leben zu erkunden, was das wirklich ist, dazu würde er keine Gelegenheit mehr haben, nach wissenschaftlichen Betrachtungsweisen stand ihm nicht der Sinn. Losgelöst der ewigen Zweifel: Was ist gut und was ist schlecht, was ist schön oder gerecht?, blieb ihm die Gewissheit, sich mit jedem Schritt u

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