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Morgen ist ein neues Leben von Hohlfeld, Kerstin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2015
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Morgen ist ein neues Leben

"Lass uns Backe Kuchen spielen!" - dieser Satz und ein altes Foto sind die einzigen Erinnerungen, die Tanja Wellenstein an ihre Mutter hat. Vor zwanzig Jahren kam diese auf einer Reise ums Leben, Tanja wuchs bei den Großeltern auf, denen sie nie gut genug war. Doch dann erfährt sie durch einen Zufall, dass ihre Mutter Valentina auf der Insel Langkawi lebt - und einen schweren Unfall hatte. Überstürzt bricht Tanja nach Malaysia auf, wo ihre Mutter mit dem Tod ringt. Hat das Schicksal wirklich gewollt, dass sie einander niemals wiedersehen? Kerstin Hohlfeld, geboren 1965 in Magdeburg, studierte von 1985 bis 1991 Theologie in Naumburg und Berlin. Danach gründete sie eine Familie und verlegte sich aufs Schreiben. Sie hat bereits mehrere Romane veröffentlicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 11.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711029
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3133 kBytes
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Morgen ist ein neues Leben

1

"Frau Doktor, Sie wissen doch noch? Aus der Garage kommen Sie heute nicht mehr raus!"

Hermann, seines Zeichens Hausmeister und eben bei seinem Feierabendrundgang durch die Gänge der Klinik, baute sich zwischen Helena und der Fahrstuhltür auf. Gerade als sie, müde und erschöpft, in die Tiefgarage zu ihrem Auto fahren wollte.

"Wieso das denn?" Am liebsten hätte sie den bulligen Mann im blauen Overall zur Seite geschoben. Aber ihr war klar, dass er sie nicht ohne Grund aufhalten würde. Also bemühte sie sich um ein freundliches Lächeln und sah ihn fragend an.

"Na, die Dreharbeiten", erwiderte er ruhig, schüttelte allerdings verständnislos den Kopf, als Helena ihn überrascht ansah. "Ich hab's Ihnen aber mindestens drei Mal gesagt, Frau Doktor. Das Auto am Freitag nicht in die Tiefgarage bringen. Hab ich gesagt. Da müssen wir absperren wegen der Dreharbeiten."

Er sprach mit ihr wie mit einem Kleinkind. Helena mochte den Hausmeister, der in dem mehrstöckigen Wilmersdorfer Klinikgebäude für Ordnung sorgte, aber jetzt ärgerte sie sich über ihn.

Oder? War sie in Wahrheit nicht sauer auf sich selbst? Sie vergaß viel in letzter Zeit. Sogar ihr stets verständnisvoller Ehemann Martin reagierte neuerdings irritiert und behauptete, sie wäre unaufmerksam und würde ihm nicht zuhören. Dabei fühlte sie sich nur unendlich erschöpft.

"Und jetzt?", fragte sie. "Gibt es denn gar keine Möglichkeit, noch an mein Auto zu kommen?"

"Am Montag, wenn der Spuk vorbei ist, kriegen Sie Ihren kleinen Flitzer zurück, Frau Doktor", tröstete Hermann. "Jetzt müssen Sie wohl die U-Bahn nehmen."

Die Aussicht, bei der draußen herrschenden Hitze in einem nicht klimatisierten Waggon zwischen schwitzenden Menschen eingeklemmt zu sein, ließ Helenas Laune endgültig auf den Nullpunkt sinken.

Der Schwindel überkam sie plötzlich. Sie schwankte, lehnte sich kurz mit dem Rücken an die Wand.

"Alles in Ordnung?", fragte Hermann besorgt und musterte sie.

"Es geht schon", beruhigte sie ihn. "Allerdings nehme ich wohl besser ein Taxi."

Sie wünschte, der Hausmeister würde sie jetzt allein lassen, damit sie sich für einen Moment auf die Treppenstufen setzen und ausruhen könnte. Da er jedoch nicht von ihrer Seite wich, verabschiedete sie sich, unterdrückte das unangenehme Gefühl, nicht Herrin über sich selbst zu sein, und stieg vorsichtig die Stufen ins Erdgeschoss hinunter. Sie konzentrierte sich auf ihre Atmung und ignorierte beherzt das Flimmern vor ihren Augen. Es gelang. Unten angekommen, fühlte sie sich besser. Sie wollte nur noch eins: schnellstmöglich nach Hause fahren und sich eine Stunde hinlegen. Die Woche war mehr als hart gewesen.

"Sie können hier nicht durch!" Ein unsympathischer Kerl mit Dreitagebart, der am Ausgang des fünfstöckigen Klinikgebäudes die automatische Tür bewachte, herrschte Helena ärgerlich an. "Wir drehen gerade."

Normalerweise würde sie angesichts dieser groben Unhöflichkeit auf ihr Recht als Hausherrin pochen und den Mann in seine Schranken verweisen. Die Filmcrew war zu Gast in ihrer Klinik, nicht umgekehrt. Doch sie hatte soeben einen Schwindelanfall erlitten, sie fühlte sich unendlich müde, und zu allem Überfluss krochen vom Nacken her ziehende Schmerzen in ihren Kopf. Und ausgerechnet jetzt war ihr Weg mit Männern gepflastert, die nichts Besseres zu tun hatten, als sie in irgendeiner Weise zu behindern.

"Selbstverständlich kann ich hier durch", fauchte Helena. Sie gab sich keinerlei Mühe, höflich zu sein, und funkelte ihr Gegenüber wütend an.

"Wir drehen gerade."

"Sie wiederholen sich", erwiderte sie ruppig und verbrauchte ihre letzte Kraft dafür, ihre Stimme arrogant und hochnäsig klingen zu lassen. Ehe der Filmtyp sich weiter wichtig nehmen konnte, drängte sie sich an ihm vorbei und schlüpfte durch die Kliniktür.

Doch damit war es noch nicht überstanden, denn draußen knallte

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