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Nelsons Gespür von Riegsinger, Bärbel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.05.2017
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
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Nelsons Gespür

Mit seinem außergewöhnlichen Gespür bemerkt Nelson vor allen anderen, dass sein Großvater Lukas und die Schulleiterin Mona sich ineinander verliebt haben. Er versteht es nicht, er verleugnet es und er ist vom Einblick in das intime Gefühlsleben seiner Mitmenschen peinlich berührt, doch die mitunter heftige Übelkeit, die ihn in Anwesenheit von verliebten Familienangehörigen und Freunden plagt und erst dann aufhört, wenn sich diese ihre Gefühle eingestehen, ist eine unausweichliche Realität in Nelsons Leben. Zu Beginn des Romans bringt Lukas Gorky seinen Enkel in ein oberbayrisches Internat, wo Nelson in den darauffolgenden Wochen und Monaten lernt, die Trauer um den Tod seines an Krebs verstorbenen Vaters und die Erinnerung an die Demütigung in einem schottischen Internat zu verarbeiten.

Bärbel Riegsinger ist Diplompädagogin und Realschullehrerin für Englisch, Französisch, Geographie und Ethik.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 653
    Erscheinungsdatum: 23.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740707118
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 1340 kBytes
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Nelsons Gespür

Nelson

1

Die kalte Dusche tat gut und erfrischte meinen verschwitzten Körper. Für Ende Mai war es heute Morgen beim Joggen schon außergewöhnlich warm und drückend gewesen, das meinte zumindest Herr Abels, der Bastian und mich bei unserer samstäglichen Runde begleitet hatte. Unser Sportmentor war zufrieden mit unseren Fortschritten, Bastian hatte sechs Kilo abgenommen und ich konnte inzwischen ohne Schwächeanfall mithalten.

Nachdem meine heftige Übelkeit plötzlich wie von Geisterhand am letzten Sonntag der Osterferien verschwand, hatte ich vorerst kein Bedürfnis mit Mona Lingen oder Lukas über die ganze Sache zu reden. Mir ging es besser und das war die Hauptsache. Warum das so war, interessierte mich nicht. Ich konzentrierte mich lieber auf den Unterricht, denn nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Entschluss, dass ich noch eine Klasse überspringen wollte, um im folgenden Schuljahr mein Abitur zu machen. Frau Lingen stimmte zwar meinem Entschluss aufgrund meiner Leistungen zu, war aber dennoch nicht ganz einverstanden, da sie meinte, ich hätte in den vergangenen Wochen genug psychischen Stress erlebt. Letzten Endes einigten wir uns, dass ich es versuchen sollte, aber sie mich genau beobachten würde, außerdem sollte ich im Elfergang in Haus Athene wohnen bleiben.

Als sie mich dann eine Woche, nachdem ich aus Schottland zurückgekehrt war, zu einem Gespräch in ihr Zimmer bat, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Wollte sie, dass ich wieder in die elfte Klasse zurückgestuft wurde oder wollte sie gar über sich und Lukas reden?

Keines von beidem traf zu, es ging statt dessen darum, dass ich in ein anderes Zimmer umziehen musste, da Ruben seine Therapie hinter sich hatte und mein Einzelzimmer bekommen sollte, damit er nicht wieder auf dumme Gedanken kommen konnte.

Frau Lingen hatte auch schon eine Idee, mit wem ich künftig das Zimmer teilen sollte. Bastian hatte sich seinerseits bereits einverstanden erklärt, mit mir in ein Zimmer zu ziehen, wobei er sich Sorgen machte, dass er mich nachts, wenn er aus seinen Alpträumen aufwachte, wecken könnte. Die Geschichte von dem Unfall im Tunnel, bei dem Bastians Familie ums Leben gekommen war, hatte mir ja Georg schon erzählt, aber dass er immer noch mit den schrecklichen Erinnerungen kämpfen musste, das hatte ich nicht gewusst.

"Mir ist nicht ganz wohl bei der Sache", meinte Frau Lingen "Einerseits harmoniert ihr beiden ganz gut miteinander und ihr habt beide ziemlich viel mitmachen müssen, aber ich habe auch Bedenken, dass ich dich damit im Moment noch zu sehr überfordere."

Die ersten drei Tage zusammen mit Bastian waren tatsächlich nicht einfach für mich. Ich versuchte mich nicht zu viel im gemeinsamen Zimmer aufzuhalten, vor allem wenn auch noch andere Jungen zu Besuch im Zimmer waren. Ich zog mich entweder bei Herrn Abels im Bad um oder wenn ich sicher sein konnte, dass niemand ins Zimmer hereinplatzen konnten. Eines Morgens ging Bastian in den Waschraum, kam aber nach kurzer Zeit zurück, da er ein neues Handtuch brauchte. Er sagte nur "Oh!", als er die Striemen auf meinem Po sah und wollte schnell wieder verschwinden.

"Warte", rief ich beschämt und verzweifelt, während ich schnell eine Unterhose anzog. "Ich wäre dir dankbar, wenn du den anderen nichts davon erzählen würdest."

"Ja, sicher", sagte er und ging hinaus.

Zwei Tage später wachte ich mitten in der Nacht auf. Bastian hatte geschrieen und hockte nun zitternd und hustend auf seinem Bett. Da ich nicht wusste, was ich sagen sollte, ihm aber trotzdem irgendwie helfen wollte, machte ich meine Nachttischlampe an und setzte mich ihm gegenüber auf mein Bett.

"Tschuldigung", murmelte Bastian und stand auf, um sein vor Schweiß triefendes T-Shirt auszuziehen. Er trocknete sich mit einem

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