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Nena Sahib von Retcliffe, John (eBook)

  • Verlag: Ktoczyta.pl
eBook (ePUB)
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Nena Sahib

Sir John Retcliffe, eigentlich Hermann Ottomar Friedrich Goedsche (1815-1878), war ein deutscher Schriftsteller. Er benutzte auch das Pseudonym Theodor Armin. Die 'Historisch-politischen Romane aus der Gegenwart' von Sir John Retcliffe sind mit Abenteuern angereicherte Tendenzromane, die das gesamte politische Geschehen seiner Zeit zum Inhalt haben. Der indische Aufstand war ein Medienereignis, über das 1857 weltweit berichtet wurde. Indien wird einerseits als tropisches Paradies, andererseits als ein höllischer Ort blutrünstiger Menschenopfer dargestellt. Zum Rückfall Nena Sahibs kommt es, als ein britischer Major seine Frau vergewaltigt. Er wird der Agent der Vergeltung, indem er eine Mörderbande in den Kampf gegen die Kolonialherren führt. Retcliffes Roman orientalisiert die Rebellen zu unbeherrschten Gewalttätern, deren angeblich essenziell rachsüchtige und sadistische Natur in der Revolte durchbricht. Nena Sahib mutiert zum radikalen Terroristen, der antikoloniale Aufstand wird auf einen Ausbruch der wilden Natur gegen die Zivilisation reduziert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 922
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788381484541
    Verlag: Ktoczyta.pl
    Größe: 2749kBytes
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Nena Sahib

Die indische Universität.

In der Cleveland-Street zu London steht ein Haus, gegen die englische Gewohnheit ziemlich geräumig und etwas von der Straßenfront zurückgebaut, so daß hierdurch eine kurze Auffahrt gewonnen worden, die nach der Straße zu ein eisernes Gitter abschließt.

Der Ein- und Ausgang dieses Gitters stand an dem Vormittag, an dem unsere Erzählung beginnt - am 20. Juni 1851 - geöffnet und ebenso die Haustür, an deren Pfosten ein Diener von trägem, anmaßendem Aussehen lehnte, nur hin und wieder ein Wort mit einem jungen Mann von schlauem, aber bleichem Antlitz redend, das alle Spuren dürftig nährender und angestrengter Arbeit an den Aktentischen trug. Der junge Mensch, etwa 19 Jahre alt und in einer abgeschabten, aber reinlichen Kleidung steckend, hatte einen Sack mit Papieren in der Hand, der ihn für jeden mit englischen Sitten Bekannten als einen Advokatenschreiber bezeichnet hätte.

Der Bediente blickte eifrig die Straße hinauf, als erwarte er die Ankunft einer oder der anderen Person, und ließ zuweilen ein Goddam! zwischen den Zähnen hören.

"Ist es wahr," bemerkte der Schreiber schüchtern, "daß der Nabob, Ihr Herr, so gefährlich erkrankt ist, daß man keine Hoffnung für seine Genesung mehr hegt?"

"Es muß jeder einmal sterben," erwiderte sein Gesellschafter gleichgültig, indem er fortfuhr, die Straße hinaufzustarren.

"Man sagt, er sei ein Mann noch in seinen besten Jahren," fuhr der andere fort. "Es muß schlimm sein zu sterben, wenn man so reich ist, wie es von Sir David Dyce heißt!"

Ein "Hm!" war die bloße Antwort.

"Wie alt mag der Nabob doch jetzt sein!" wiederholte der junge Mann seine Frage.

"Er ist dreiundvierzig Jahre. - Warum nennen Sie Sir David den Nabob?"

"Ei, mein Gott, ist er es denn nicht? Das Bureau meines Herrn befindet sich zwar nicht in dieser Stadtgegend, und es ist das erste Mal, daß wir einen Akt für ihn vollziehen; indes wer hätte in ganz London nicht von Sir David Ochterlony Dyce Sombre sprechen hören und von seinen unglücklichen Schicksalen, wie von seinen großen indischen Reichtümern. Sind Sie schon lange in seinem Dienst, wenn ich fragen darf?" fügte der Schreiber hinzu.

"Sie scheinen sehr neugierig, Master so und so," erwiderte ärgerlich der Diener. "Wenn Sie so genau mit dem Stadtgeklatsch vertraut sind, statt sich um Ihre Schreibereien zu kümmern, so werden Sie auch wissen, daß Sir David erst seit drei Jahren sich wieder in England befindet."

"Es ist wahr, ich erinnere mich, in einem Blatte gelesen zu haben, daß er nach seiner Flucht aus Bedlam vier Jahre lang durch ganz Europa gereist ist, um sich von allen berühmten Ärzten untersuchen und sich Zeugnisse seiner geistigen Gesundheit geben zu lassen. Darf ich Sie wohl noch fragen, ob Lady Marie wieder mit ihrem Gatten ausgesöhnt und bei ihm ist? So schön Ihr Haus auch scheint, so muß ich Ihnen gestehen, hätte ich mir doch ein weit prächtigeres Bild von dem Haushalt eines indischen Nabobs gemacht."

Die Neugierde des kleinen Schreibers schien seinen Gefährten eben zu einem Ausbruch heftigen Unwillens gereizt zu haben, und dieser wandte sich ärgerlich gegen ihn, als das Hinzukommen einer dritten Person aus dem Innern des Hauses den Zorn des Bedienten von dem jungen Menschen ab und zugleich alle Neugier des letzteren auf sich wandte.

Der Hinzutretende war ein großer, fünfzig Jahre zählender Mann, dessen dunkle Bronzefarbe sofort seine indische Heimat verriet, auch wenn es die Kleidung nicht getan.

Ein grauer dichter Bart bedeckte Wangen, Kinn und Oberlippe des Indiers, wohl eine Handlänge auf die Brust herabhängend, so daß kaum die dünnen Lippen des Mundes sichtbar blieben. Er gehörte offenbar einem der kriegerischeren Völker, wahrscheinlich dem Maharattenstamm an, und sein Gesicht, an und für sich schon finster und streng, zeigte in diesem Augenblicke noch den Ausdruck des Kummers und Schmerzes.

Der Indier war mi

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