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Nie war Heimkommen schöner Fragmente von Wyden, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.10.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Nie war Heimkommen schöner

In jedem Kapitel nimmt uns der Autor mit auf eine Reise durch seine Jugendjahre, die facettenreiche Familiengeschichte und durch die halbe Welt. Er lässt uns seine Verbundenheit zur Natur, seine Freude an der Musik und Poesie spüren und führt uns mit sanfter Feder durch seine Gefühls- und Gedankenwelt. So entstehen die unterschiedlichsten Mosaiksteine, welche sich allmählich doch zu einem Ganzen zusammenfügen. Zu einem Bild, in dem wir einen feinfühligen Menschen erkennen und erleben, der allen Widrigkeiten zum Trotz letztlich seinen Wurzeln, seinen Ideen und sich selbst treu geblieben ist. Andreas Wyden wurde 1958 in einem kleinen Weiler im Oberwallis geboren. Seine Kindheit und seine Jugendjahre verbrachte er jeweils in den Sommermonaten auf einer Alpe. Nach dem Abschluss der Handelsmittelschule im Kollegium von Brig gründete er zusammen mit seinem Bruder eine Autoreparaturwerkstätte. Mit knapp dreißig Jahren wurde er zum Gemeindepräsidenten gewählt. Weiter bekleidete er das Amt als Kantonsratsmitglied, als Präsident der Region Goms und war Vorstand von mehreren Gemeindeinstitutionen. Nach Abschluss seiner politischen Tätigkeiten nimmt der Autor mehrere Verwaltungsratsmandate wahr und arbeitet immer noch im gemeinsamen Betrieb mit seinem Bruder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 296
    Erscheinungsdatum: 24.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741233975
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 3190 kBytes
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Nie war Heimkommen schöner

2

"Er ist jetzt sechs und schon recht gross. Er hat nichts als Flausen im Kopf und ist manchmal ziemlich frech. Es wird Zeit, dass er arbeiten geht. Ein Bauer im unteren Dorf hat schon nach ihm gefragt und ich habe ihm zugesagt. Er wird dem alten Bauern beim Viehhüten helfen müssen. Das ist einfach. Mit sechs haben wir ja auch schon zum Vieh schauen müssen."

"Ja", antwortete der Vater.

"Er wächst dir über den Kopf. Und er ist etwas seltsam. Sogar die Rute macht ihm keine Angst. Er weint nicht einmal, wenn man ihn damit bestraft! Ja, es ist höchste Zeit, dass ihn jemand beschäftigt, bis er so richtig müde wird."

Ich höre ihnen zu und bin ein bisschen traurig. Ich beneide meinen Bruder, der im Nachbarhaus als Knecht das Vieh hüten darf. Ich weiss aber, dass Einwände sinnlos sind. Aufgewühlt gehe ich in die Küche. Im Vorbeigehen trete ich meinem älteren Bruder kräftig ans Schienbein. Der schreit vor Schmerz und mein Vater greift zornig nach der Rute.

Nein, ich weine auch diesmal nicht.

Ich bin gross und stark. Ein Indianer kennt schliesslich auch keine Schmerzen. Mein Cousin hat mir das irgendwann mal erzählt. Eigentlich weiss ich auch jetzt noch nicht genau, was ein Indianer ist. Im Zimmer, das ich mit meinem Bruder teile, beginne ich aus dem Büchlein zu lesen, das ich meiner älteren Schwester geklaut habe.

Ich bin stolz, dass ich schon lesen und schreiben kann. Nächstes Jahr, wenn ich zur Schule muss, werden mich sicher alle beneiden. Ich weiss, dass meine gleichaltrige Cousine noch nicht lesen und schreiben kann.

Ich verstehe nichts von dem, was ich gerade lese.

Es ist ein langweiliger Liebesroman.

Zwei Wochen später mache ich mich auf den Weg in das untere Dorf. Es ist noch früh am Morgen und es ist kalt. Ich habe ein wenig Angst. Im unteren Dorf wohnt nämlich die Verrückte. Meine Schwester hat mir das erzählt. Ich weiss, dass sie mit einem Beil in der Küche wartet und mich durch das kleine, dunkle Fenster beobachten wird.

"Du musst einfach rennen. Ganz schnell rennen. Sie ist schon alt und wird dich nicht einholen", riet mir meine grosse Schwester.

Ich kenne das Haus, in dem die Verrückte wohnt. Ich war schon einmal mit meiner Mutter im obersten Stock dieses Gebäudes gewesen. Damals war ich noch sehr klein und mir war entsetzlich kalt. Meine Mutter setzte mich auf den Steinofen in der Stube und befahl mir, ganz still zu sein und auf sie zu warten. Irgendwann hörte ich, wie meine Mutter sagte, dass der Onkel plötzlich ganz blau im Gesicht sei.

Ich hätte ihn gerne gesehen. Mama liess mich aber nicht ins Krankenzimmer und so wartete ich auf dem Stubenofen auf sie.

Seltsamerweise fror ich auf dem warmen Ofen. Später sagte man mir dann, dass der Onkel an diesem Morgen verstorben sei.

Ich hätte ihn wirklich gerne gesehen.

Wird man immer blau im Gesicht, wenn man stirbt?

Jetzt sehe ich das Haus. Hinter den Vorhängen in der Küche bewegt sich nichts.

Ich habe furchtbare Angst. Ich schwitze und mein Herz hämmert heftig in meiner Brust. Aber ich atme tief ein und gehe ganz langsam am Hauseingang vorbei.

Eigentlich müsste ich jetzt rennen. Ich weiss aber, dass ich mich nachher dafür schämen würde. Ganz sicher hätte ein Indianer auch keine Angst gehabt.

Nein, nicht vor einer verrückten alten Frau mit einem Beil.

"Bah, ich bin jetzt schon gross und ich bin stark!"

Ich bewege mich jetzt noch langsamer. Nichts passiert und ich bin schon zwanzig Meter vom Haus entfernt. Mein Herz schlägt immer noch wie wild.

Ich lache vor Stolz.

Nein, ich habe keine Angst.

Ich bin schon gross.

Das alte Ehepaar wartet schon auf mich. Der Mann hat kurze graue Haare, die je nach Lichteinfall leicht gelblich schimmern. Eine zerbissene krumme Pfeife steckt in seinem faltigen Gesicht. An seinen Mundwinkeln kleben braun-schwarze Tabakflecken. Er trägt eine fleckige graue

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