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Niemandsland Roman von Brook, Rhidian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.03.2014
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Niemandsland

Hamburg 1946 - wenn aus Feinden Freunde werden

Hamburg 1946: Ein englischer Offizier soll für die Entnazifizierung und den Wiederaufbau Deutschlands sorgen. Colonel Lewis Morgan wird mit seiner Familie in ein herrschaftliches Haus an der Elbe einquartiert. Seine Frau kann aber nicht verstehen, dass der Hausbesitzer Stefan Lubert nicht ausziehen muss. Sie findet die Idee, mit dem Feind unter einem Dach zu wohnen, unerträglich. Doch als sie den Alltag teilen, erkennt sie, wie grob und falsch ihr Bild von den Deutschen war. Nach und nach entwickelt sich eine unerhörte Nähe zwischen ihr und Stefan Lubert ...

Ein selten beschriebenes Kapitel deutscher Geschichte - Rhidian Brook zeichnet ein enorm differenziertes Bild von einem Land, das am Boden liegt, von einer verstörten Bevölkerung, aber auch von dem Hoffnungsschimmer nach Tod und Vernichtung. Ein Roman von größter Intensität.

Rhidian Brook, geboren 1964, schreibt Drehbücher für Film und Fernsehen, Kurzgeschichten und Romane. Sein Debut 'The Testimony of Taliesin Jones' wurde vielfach ausgezeichnet, u .a. mit dem Somerset Maugham Award. Er lebt mit seiner Familie in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 31.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641122683
    Verlag: C. Bertelsmann
    Originaltitel: The Aftermath
    Größe: 654kBytes
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Niemandsland

1

"Hier muss er sein, der Panther. Ich hab ihn gesehen. Berti hat ihn gesehen. Dietmar hat ihn auch gesehen. Schwarzes Fell wie 'n piekfeiner Pelzmantel. Und Zähne wie Klaviertasten. Den machen wir kalt. Müssen wir ja – wer sonst? Der Tommy vielleicht? Der Ami? Der Iwan? Der Franzose? Die kannst du vergessen. Alle zu beschäftigt. Die schauen doch bloß, was sie sich krallen können. Wie Hunde, die um einen Knochen raufen, an dem kein Fleisch mehr dran ist. Nee, da müssen wir selber ran. Wir machen das Biest kalt, bevor es uns kaltmacht. Dann sind wir aus dem Gröbsten raus."

Der Junge, der Osi genannt wurde, rückte seinen Kopfschutz zurecht und führte die anderen durch die pulverisierte Landschaft dieser von den Briten zerbombten Stadt. Osi hatte den Tommy-Helm auf, den er in der Nähe der Alster aus einem Laster geklaut hatte. Der sah zwar nicht so schmissig aus wie die amerikanischen Helme aus seiner Sammlung, nicht einmal so schmissig wie die russischen, aber er passte am besten. Und er half Osi, auf Englisch zu fluchen, zu fluchen wie der Sergeant, der am Bahnhof Hamburg-Dammtor die Häftlinge zusammengeschissen hatte: "Oi! Put your fucking hands up. Fucking up, I said! Where I can see them! Dumb bloody fucking Huns." Diese Männer hatten einen Augenblick gezögert, die Hände zu heben, nicht weil sie schwer von Begriff waren, sondern unterernährt und zu schwach. Dumb-Bloody-Fucking-Huns! Vom Hals abwärts war Osi in einem fantastischen, aus der Not geborenen Hybridstil gekleidet, ein Mischmasch aus Fetzen und Feinem: Unter dem Morgenmantel, der einmal einem Lebemann gehört hatte, trug er die Strickjacke einer alten Jungfer, ein kragenloses Opahemd und eine SA -Hose mit hochgekrempelten Beinen und einer Krawatte als Gürtel; seine an den Kappen durchlöcherten Schuhe stammten von einem Bahnhofsvorsteher, der schon lange nicht mehr lebte.

Die kleinen Wilden folgten ihrem Anführer über die Schutthalde, die Augen angstvoll aufgerissen, das Weiß darin in den schmutzigen Gesichtern noch weißer. Sie schlichen durch Moränen aus Ziegelgestein, bis sie zu einer Lichtung kamen, auf der in voller Länge eine Kirchturmspitze lag. Osi stoppte die anderen mit einem Handzeichen und griff im Morgenmantel nach seiner Luger. Er witterte.

"Da drinnen ist er. Ich kann ihn riechen. Riecht ihr ihn auch ? "

Die Wilden schnüffelten wie nervöse Kaninchen. Osi presste sich gegen die gefällte Turmspitze und schob sich Stück für Stück an das offene Ende heran, die Pistole wie eine Wünschelrute vorgestreckt. Er blieb stehen und klopfte damit gegen den Stein, als wollte er sagen, da drinnen steckt's, das Biest. Und dann ein schwarzer Blitz – etwas schoss ins Freie. Die Wilden duckten sich, doch Osi machte einen Ausfallschritt, stellte sich breit in Positur, kniff ein Auge zu, zielte und feuerte.

"Stirb, Bestie!"

Die drückende, feuchte Luft dämpfte den Schuss, und das metallische Zing eines Querschlägers meldete: Ziel verfehlt.

"Hast du ihn getroffen ? "

Osi ließ die Pistole sinken und stieß sie in den Gürtel.

"Wir kriegen ihn ein anderes Mal", sagte er. "Suchen wir uns was zu essen."

"Wir haben ein Haus für Sie gefunden, Sir."

Captain Wilkins drückte seine Zigarette aus und legte den nikotingelben Zeigefinger auf den Hamburgplan, der hinter seinem Schreibtisch an der Wand hing. Er fuhr von dem Stecknadelkopf, der ihr provisorisches Hauptquartier markierte, nach Westen, weg von den ausgebombten Stadtteilen Hammerbrook und St. Georg, über St. Pauli und Al

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