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Nostromo Ein politischer Roman von Conrad, Joseph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2014
  • Verlag: Null Papier Verlag
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Nostromo

vollständige Fassung, kommentiert und in Neuer Deutscher Rechtschreibung Der fiktive Südamerika-Staat Costaguana, seit Jahrzehnten geprägt von Diktaturen, Bürgerkriegen und blutigen Regimewechseln. Eine Silbermine wird zum Gegenstand machtvoller Interessen im In- und Ausland. Durch eine neuerliche Revolution wird sie von den anderen Landesteilen Costaguanas getrennt. Für die eingewanderten Italiener wird Costaguana nach dem Scheitern der europäischen Revolutionen von 1848 zum wichtigen Exil. Die Titelfigur, der Seemann Nostromo, ist ein gestrandeter Italiener. Nostromo arbeitet für Mitchell, der die örtliche Niederlassung einer englischen Schiffsgesellschaft, der O. S. N. Company, leitet. Der Eigentümer der Miene beauftragt Nostromo, die letzte Ladung Silberbarren in Sicherheit zu bringen, dabei kommt es zum Zusammenstoß mit den Putschisten. 'Nostromo' gilt als einer der wichtigsten englischsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage (vollständige Fassung, kommentiert und in Neuer Deutscher Rechtschreibung) Umfang: 721 Buchseiten bzw. 655 Normseiten Null Papier Verlag

Joseph Conrad (1857 - 1924) war ein Schriftsteller polnischer Herkunft, der in englischer Sprache schrieb. Sein Vater, Apollo Korzeniowski ist Schriftsteller und polnischer Patriot, der Shakespeare und Hugo übersetzt und seinem Sohn die Literatur nahelegt. Nach der Besetzung Polens durch Russland in der 'zweiten Teilung' wird der Vater 1861 verhaftet und später mitsamt Frau und dem erst 5-jährigen Joseph in die Verbannung ins nordrussische Wologda geschickt. Dort stirbt die Mutter, Vater und Sohn kehren nach Strafverbüßung 1865 ins polnische Krakau zurück. Als auch der Vater 1869 stirbt, erhält der Onkel Tadeusz das Sorgerecht über ihn. 1886 erlangt Conrad die britische Staatsbürgerschaft. 1888 wird er Kapitän. Seine Erlebnisse zur See bilden meist den Hintergrund der von ihm geschaffenen Erzählungen. Etwa 1890 beginnt Joseph Conrad zu schreiben. Zeit seines Lebens schafft er ein umfangreiches literarisches Werk. Lange ist er auf Gönner angewiesen, doch 1914 hat er endlich den schriftstellerischen Durchbruch mit 'Spiel des Zufalls'. Conrads bekannteste Schöpfungen sind die Romane 'Lord Jim', 'Nostromo' und 'Herz der Finsternis' (ebenfalls erschienen bei Null Papier). Letzteres ist bis heute das meistzitierte und bedeutendste Buch von ihm.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 721
    Erscheinungsdatum: 05.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954185443
    Verlag: Null Papier Verlag
    Größe: 1138 kBytes
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Nostromo

I.

Z ur Zeit der spanischen Herrschaft, und noch viele Jahre nachher, hatte die Stadt Sulaco - von ihrem Alter zeugt die üppige Pracht der Orangengärten - in geschäftlicher Hinsicht höchstens als ein Küstenhafen mit beträchtlichem Lokalverkehr in Ochsenhäuten und Indigo einige Bedeutung gehabt. Für die klobigen Hochseegalionen der Eroberer hatte sich der Hafen von Sulaco wegen der in dem weiten Golf vorherrschenden Windstillen verboten; denn die brauchten eine scharfe Brise, um überhaupt vom Fleck zu kommen, wo einer der modernen Schnellsegler beim bloßen Flattern der Leinwand noch Fahrt macht. Einige Häfen in der Welt sind schwer zu erreichen infolge heimtückischer Unterwasserklippen und der Stürme an ihren Küsten. Sulaco lag wie in einem unverletzlichen Heiligtum geborgen vor den Versuchen der Handelswelt, in der feierlichen Stille des tiefen Golfo Placido, wie in einem ungeheuren, halbkreisförmigen Tempel ohne Dach, zur See zu offen, die Wände aus hohen Bergen mit den Trauertüchern der Wolken verhangen.

Auf der einen Seite dieser breiten Einbuchtung in der geraden Küstenlinie der Republik Costaguana läuft das Land in eine unbedeutende Spitze aus, die Punta Mala heißt. Von der Mitte des Golfs aus ist diese Landspitze überhaupt nicht sichtbar; nur der Kamm eines steilen Hügels, der sich darauf erhebt, ist undeutlich auszunehmen, wie ein Schatten am Himmel.

Auf der andern Seite zeichnet sich gegen die dunstige Glut des Horizonts etwas wie ein schwebender bläulicher Nebelfleck ab. Das ist die Halbinsel Azuera, ein wildes Gewirr scharfer Felsen und steiniger Gleichstrecken, von senkrechten Schluchten zerrissen. Sie ragt weit in die See hinaus, als streckte die grüne Küste an dünnem Hals aus Sand, von Dorngebüsch umwuchert, ein raues Haupt aus Stein vor. Gänzlich wasserlos - denn die Regen laufen sofort nach allen Seiten ins Meer ab -, hat die Halbinsel, so heißt es, nicht Humus genug, um auch nur einen Grashalm sprießen zu lassen, als lastete ein Fluch auf ihr. Die Armen, die aus einem dunklen Bedürfnis nach Trost die Begriffe von Böse und Reich verquicken, erzählen, die Insel wäre so tot wegen ihrer verwunschenen Schätze. Das gemeine Volk aus der Nachbarschaft, Peons von den Estanzias, Vaqueros von den Ebenen längs der Küste, unterworfene Indianer, die meilenweit zu Markt kommen, mit einem Bündel Zuckerrohr oder einem Korb Mais im Werte von ein paar Pfennigen - sie alle glauben fest, dass Haufen glänzenden Goldes im Düster der tiefen Schluchten liegen, die die steinige Hochfläche von Azuera durchschneiden. Die Überlieferung will wissen, dass viele Abenteurer früherer Zeiten bei der Suche umgekommen sind. Es geht auch die Rede, dass noch zu Gedenkzeiten der Lebenden zwei wandernde Seeleute - Americanos vielleicht, jedenfalls aber Gringos irgendwelcher Art - einen verspielten, nichtsnutzigen Mozo überredet und zu dritt einen Esel gestohlen hatten, der ihnen ein wenig Dürrholz, einen Wasserschlauch und Proviant für ein paar Tage tragen sollte. So begleitet, mit Revolvern im Gürtel, hatten sie sich aufgemacht, um sich mit Buschmessern einen Weg durch das Dorndickicht am Halse der Halbinsel zu bahnen.

Am zweiten Abend war seit Menschengedenken zum ersten Mal eine gerade Rauchsäule zu sehen (sie konnte nur von dem Lagerfeuer der Drei herrühren), die sich von einem messerscharfen Grat auf dem felsigen Haupt schwach gegen den Abendhimmel abhob. Die Mannschaft eines Küstenschoners, der in toter Flaute drei Meilen von der Küste weg stilllag, starrte verblüfft bis zum Dunkelwerden darauf hin. Ein schwarzer Fischer, der einsam in einer kleinen Bucht nahebei lebte, hatte den Aufbruch mit angesehen und auf ein Zeichen gelauert. Er rief seine Frau hinzu, als die Sonne eben im Untergehen war. Sie hatten das seltsame Wahrzeichen mit Neid, Ungläubigkeit und Schaudern beobachtet.

Die gottlosen Abenteure

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