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Oblomow von Gontscharow, Iwan Alexandrowitsch (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2015
  • Verlag: Booklassic
eBook (ePUB)
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Oblomow

In Gontscharows bedeutendstem Roman wird dieser Typus durch den Titelhelden Ilja Iljitsch Oblomow verkörpert. Durch die materielle Sicherheit seines Standes in die Lage versetzt, seine Introvertiertheit und Untätigkeit zu pflegen, findet Oblomow keinen Ausweg aus der erstickenden Ruhe, Trägheit und Schläfrigkeit, welche die Darstellung seines Lebens leitmotivisch durchziehen. Er verliert sich in den Traum eines geborgenen, sicheren, von aller Verantwortung freien Lebens, in dem der Mittagsschlaf Zentrum und Schwerpunkt der täglichen Verrichtungen ist. Pläne, das väterliche Gut Oblomowka zu pflegen, werden von einem auf den nächsten Tag verschoben, weshalb es mehr und mehr in Verfall gerät.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 419
    Erscheinungsdatum: 29.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9789635264056
    Verlag: Booklassic
    Größe: 898kBytes
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Oblomow

Kapitel 2


Der Eintretende war ein junger Mann von etwa fünfundzwanzig Jahren; sein Gesicht strahlte nur so von Gesundheit; seine Backen, seine Lippen und seine Augen lachten. Man wurde neidisch, wenn man ihn ansah.

Er war tadellos frisiert und gekleidet und blendete den Beschauer durch die Frische seines Gesichtes und durch die Schönheit seiner Wäsche, seiner Handschuhe und seines Fracks. Auf der Weste hing eine geschmackvolle Uhrkette mit einer Menge kleiner Anhänger. Er holte ein sehr feines batistenes Taschentuch hervor, zog das orientalische Parfüm ein, fuhr dann damit lässig über sein Gesicht und über den glänzenden Hut und schlug sich damit den Staub von den Lackstiefeln.

"Ah, guten Tag, Wolkow!" sagte Ilja Iljitsch.

"Guten Tag, Oblomow", sagte der schmucke Herr, indem er näher an ihn herantrat.

"Kommen Sie nicht so nah heran, kommen Sie nicht so nah heran: Sie kommen aus der Kälte!" sagte dieser.

"O Sie Zärtling, Sie Sybarit!" erwiderte Wolkow und sah sich um, wo er seinen Hut hinstellen könnte; aber da er überall Staub sah, so stellte er ihn nirgends hin. Dann machte er seine beiden Frackschöße auseinander, um sich hinzusetzen; nachdem er aber den Lehnstuhl aufmerksam betrachtet hatte, blieb er stehen.

"Sie sind noch nicht aufgestanden! Und was haben Sie denn da für einen Schlafrock an? Solche trägt man ja schon längst nicht mehr", schalt er Oblomow.

"Das ist ein orientalischer Schlafrock", erwiderte Oblomow und wickelte sich liebevoll in die weiten Schöße dieses Kleidungsstückes.

"Wie steht's mit Ihrer Gesundheit?" fragte Wolkow.

"Gesundheit ist das gar nicht zu nennen!" antwortete Oblomow gähnend. "Es geht mir schlecht: meine Kongestionen haben mir arg zugesetzt. Und Sie, wie befinden Sie sich?"

"Ich? Oh, es macht sich: ich bin gesund und munter - sehr munter!" fügte der junge Mann offenbar aufrichtig hinzu.

"Von wo kommen Sie denn so früh?" fragte Oblomow.

"Vom Schneider. Sehen Sie mal, ist mein Frack nicht schön?" sagte er und drehte sich vor Oblomow hin und her.

"Vorzüglich! Er ist mit vielem Geschmack angefertigt", versetzte Ilja Iljitsch; "aber warum ist er hinten so weit?"

"Es ist ein Reitfrack: zum Ausreiten."

"Ah! Sehen Sie mal an! Reiten Sie denn?"

"Gewiß! Ich habe mir den Frack gerade für heute machen lassen. Heute ist ja der erste Mai; da reite ich mit Gorjunow nach Jekateringof [2] . Ach, Sie wissen von nichts? Mischa

Gorjunow ist befördert worden - da wollen wir heute auf dem Korso paradieren", fügte Wolkow entzückt hinzu.

"Na, so etwas!" sagte Oblomow.

"Er reitet einen Fuchs", fuhr Wolkow fort. "In seinem Regimente haben sie sämtlich Füchse; ich aber habe einen Rappen. Wie werden Sie denn hinkommen: zu Fuß oder im Wagen?"

"Gar nicht", erwiderte Oblomow.

"Wie kann jemand am ersten Mai nicht in Jekateringof sein! Was reden Sie, Ilja Iljitsch!" rief Wolkow erstaunt. "Es sind alle da!"

"Na, wie werden denn alle da sein! Nein, alle denn doch nicht!" bemerkte Oblomow träge.

"Kommen Sie mit, teuerster Ilja Iljitsch! Sofia Nikolajewna und Lidija werden im Wagen nur zu zweien sein; gegenüber ist im Wagen noch ein Bänkchen; da könnten Sie mitfahren ... "

"Nein, auf dem Bänkchen habe ich nicht Platz. Und was sollte ich da auch machen?"

"Nun, dann wird Ihnen Mischa, wenn Sie wollen, ein anderes Pferd geben."

"Gott weiß, was der für Einfälle hat!" sagte Oblomow, beinahe nur so für sich. "Warum sind Sie denn so hinter den Gorjunows her?"

"Ach!" seufzte Wolkow errötend. "Soll ich es sagen?"

"Sagen Sie es!"

"Werden Sie es auch niemandem wiedersagen - Ehrenwort?" fuhr Wolkow fort und setzte sich zu ihm auf das Bett.

"Schön, meinetwegen."

"Ich ... bin in Lidija verliebt", flüsterte er

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