text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Oma, hast du Strapse? 18 Kurzgeschichten für Frauen im besten Alter von Costa, Friederike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2016
  • Verlag: by arp
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Oma, hast du Strapse?

Die Heldinnen dieser Geschichten sind 'Best Ager' - Frauen, im 'besten Alter'. Sie sind Oma und Geliebte, haben sich im Leben eingerichtet oder wollen noch einmal einen Neustart wagen. Sie haben Wünsche, Hoffnungen, Träume und gehören noch lange nicht zum 'alten Eisen'! Und mit den jungen Dingern von nebenan nehmen sie es allemal noch auf ...!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 02.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783946280378
    Verlag: by arp
    Größe: 207kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Oma, hast du Strapse?

Ein neues Glück

Seltsam, gerade hatte sie gedacht: "Wenn doch endlich etwas geschehen würde! Wenn jemand anrufen würde und mich aus diesem ewigen Gleichtrott reißen!" Und im selben Moment hatte das Telefon geklingelt.

Jetzt beugte sich Ilona über den Stapel Bücher, die sie noch kennzeichnen musste, und griff zum Hörer.

"Hallo und wunderschönen guten Tag!" gurrte eine männliche Stimme in den Apparat. Dann folgte ein Schweigen und Ilona spürte, dass der Mann hoffte sie würde erraten, zu wem die Stimmte gehörte. Tatsächlich kam sie ihr bekannt vor. Etwas regte sich in ihr. All ihre Sinne gingen auf Habachtstellung, doch sie kam nicht drauf ... Mensch, wer war das nur?

"Sie sind mit Ilona Lenz verbunden, was kann ich für Sie tun?", sagte sie betont förmlich, um dem Schweigen ein Ende zu bereiten.

"Was kann ich für Sie tun! Jetzt bin ich aber enttäuscht! Ich dachte, bestimmt weiß sie sofort ..."

"Mein Gott, Viktor!"

Er lachte. "Na, endlich!"

"Viktor, Himmel, was treibt dich denn dazu, mich anzurufen?"

"Ich bin in der Stadt. Und da dachte ich, vielleicht könnten wir uns ja sehen. Ein bisschen nachquatschen."

"Nachquatschen!" Sie lachte. "Einfach so, nach mehr als zwanzig Jahren?"

"Warum nicht? Wir sind schließlich nicht nur zwanzig Jahre älter sondern auch so viele Jahre reifer geworden. Da sieht man manches anders. Es wäre doch schön, wenn wir ..." er suchte nach Worten. "Wenn wir Frieden schließen könnten."

Sie lachte. Es klang hell wie das Klingen einer Glocke. Und etwas zu glücklich dafür, dass er sie einmal so enttäuscht hatte. "Mein Gott - Frieden schließen! Wie sich das anhört. Wir hatten doch keinen Krieg."

"Nein, sicher nicht, da hast du recht."

Eine Weile schwiegen sie. Dann fragte Ilona: "Was heißt, du bist in der Stadt. Wo in der Stadt und warum?"

"Abgestiegen im Hotel Bärmütz. Ich war unterwegs von Hamburg nach Bozen und dachte, ich schau mir mal die alte Heimat an."

"So, so, die alte Heimat." Ilona grinste. Na hoffentlich meinte er nicht sie damit ...

"Und weißt du, hier im Hotel gibt es heute einen brasilianischen Abend. Büffet mit Fisch und Meeresfrüchten, bunte Drinks, Rumbamusik ... könntest du kommen?"

"Um mit dir einen brasilianischen Abend zu erleben?"

"Ich kann mir schlechtere Möglichkeiten vorstellen, ein Wiedersehen zu feiern."

"Da hast du allerdings Recht!" Sie horchte in sich hinein, dann entschied sie: "Na gut, ich komme."

"So gegen acht? Hast du ein Auto, oder soll ich dich abholen?"

"Unsinn, ich nehme mir ein Taxi."

Brasilianischer Abend! Was sollte sie nur anziehen? Sie hielt sich das Blaue vor, aber nein, das wirkte zu streng. Das mit dem Spitzenoberteil? Zu romantisch! "Aber das hier, das würde gehen!" Sie griff nach einem Kleid aus roter Seide. Es war elegant und schlicht, auf Figur geschnitten, hatte schmale Träger und drei Biesen am Saum.

"Genau richtig", sagte sie laut, als sie sich später im Spiegel betrachtete. Ihr braunes Haar fiel ihr locker auf die Schultern, die rote Seide ließ ihre helle Haut glänzen, die Fingernägel hatte sie passend zum Kleid lackiert - ja, das war die Ilona, die Viktor einmal so geliebt hatte!

Im Aufzug ertappte sie sich dabei zu pfeifen. Das alte Lied von damals. Mein Gott, wann hatte sie zum letzten Mal gepfiffen? Was war nur los mit ihr? Da rief einer an, nach zwanzig Jahren, und sie tat, als hätte sie das große Los gezogen.

Das Taxi wartete bereits. Sie stieg hinten ein, wollte alleine sein mit ihren Gedanken, nicht mit einem Fremden reden müssen.

Bevor sie das Haus verlassen hatte, hatte sie noch das Fotoalbum herausgesucht, um im Gedanken die alten Zeiten aufzufrischen. Viktor und sie auf dem Uni-Ball. Viktor und sie beim Skifahren, in Italien, auf dem Rummelplatz. Und dann Viktor in Badehose auf der Segeljacht seines Schwagers. Seine braungebrannte Haut,

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen