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Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes Roman von Taddigs, Hajar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2018
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes

Onkel Hassan ist tot. Es lebe Onkel Hassan!
Kreuzberg, 1984. Die Familie Özer macht sich bereit für die Fahrt in die türkische Heimat. Leider quartiert sich in ihrem alten Mercedes auch der allseits unbeliebte Onkel Hassan ein - der allerdings ausgerechnet in der DDR das Zeitliche segnet. Da sie aber zu fünft eingereist sind, müssen sie auch zu fünft wieder ausreisen. Die Lösung ist nah, denn sie treffen sie auf Walther, der sich sehnlichst wünscht, die DDR zu verlassen. Als Onkel Hassan verkleidet reist Walther in die Türkei und lernt die ganze Großfamilie und viele türkische Bräuche kennen. Doch in der DDR ist sein Verschwinden nicht unbemerkt geblieben ...

Hajar Taddigs wurde als Tochter marokkanischer Eltern in Bonn geboren. Tagelange Fahrten in einem überladenen Auto in den Sommerferien kennt sie daher aus leidvoller Erfahrung. Sie studierte Geografie und Soziologie, wechselte dann aber in den PR-Bereich. Seit acht Jahren schreibt sie für Fernsehformate wie "Das perfekte Dinner" und "Shopping Queen". Hajar Taddigs lebt mit ihrer Familie in Hamburg. "Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes" ist ihr erster Roman bei Blanvalet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 15.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641215521
    Verlag: Blanvalet
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Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes

16

Fünfzehn Minuten später kamen sie frisch duftend am Mercedes an. Walter hatte sich den Vollbart bis auf einen buschigen Schnauzbart abrasiert, Onkel Hassans Wollsakko angezogen und die Schiebermütze aufgesetzt und sah tatsächlich aus wie ein beliebiger Berliner Taxifahrer, wenn auch kein türkischer. Emine musterte ihn kritisch.

"Da müssen wir noch ein bisschen nachhelfen", sagte sie, kramte ihr Schminkzeug hervor und verpasste dem zum Glück dunkelhaarigen Walter eine dunklere Gesichtsfarbe, dunklere Augenbrauen sowie Augenringe. Tatsächlich sah Walter jetzt etwas türkischer und deutlich älter aus.

"Mehr kann ich nicht machen", sagte Emine. "Aber nachts sind alle Katzen grau, das wird schon klappen."

Walter und Yilmaz nickten.

Walter versteckte noch schnell sein altes Fahrrad im Gebüsch hinter einem Schuppen.

"Meinst du, dass den Schrotthaufen jemand klaut?", fragte Yilmaz.

"Nicht wirklich", antwortete Walter, auch wenn er etwas beleidigt war, dass Yilmaz so über seinen widerspenstigen, aber doch verdienten Drahtesel sprach. "Aber wenn sie das hier stehen sehen, werden sie nach mir suchen."

"Daran hatte ich nicht gedacht", gab Yilmaz zu. "Am besten setzt Walter ..., nein, Hassan, ab jetzt bist du Hassan! Hassan setzt sich nach hinten zu den Kindern, da ist es dunkler, und tut nachher so, als würde er schlafen. Alle hinten tun so."

"Darf ich auch wirklich schlafen, und nicht nur so tun?", fragte Selma. "Ich bin hundemüde!"

"Noch besser!", erwiderte Yilmaz. Er schaute auf seine Armbanduhr. Es war inzwischen halb fünf Uhr morgens. Der Zwischenstopp hatte sie viele Stunden gekostet. Zum Glück hatte Walter nicht lange überredet werden müssen, und nach Hause wollte er auch nicht nochmal. Seltsamer Mensch, hatte der keine Familie, nichts, was er vermissen würde?

Alle stiegen ein. Emine setzte sich wieder ans Steuer. Yilmaz versuchte gar nicht erst zu widersprechen. Er nahm also einfach auf dem Beifahrersitz Platz, direkt hinter ihm Walter, in der Mitte saß Cem und Selma hinter ihrer Mutter.

Als sie losfuhren, warf Walter noch einen Blick zurück auf die Hühnerfarm. Sie war für ihn eine perfekte Zusammenfassung der DDR . Willenlose Einwohner, eingesperrt in einem viel zu engen Hochsicherheitsgefängnis, das zum Himmel stank. Er war froh, zumindest diese Miniatur- DDR schon mal hinter sich zu lassen. Abschließen konnte er damit aber noch lange nicht, denn Cem begann ihn zu löchern.

"Gibt es da viele Hühner?", fragte er.

"Eine Million!", bestätigte Walter. "Plusminus. Genau weiß das keiner. Die werden nicht gezählt, nur die Eier, die sie legen."

"Eine Million?!", staunte Cem. "Und du hast die alle gefüttert?"

Cem hatte offensichtlich trotz der unglaublichen Zahl immer noch die Hühnerhaltung seiner türkischen Verwandten vor Augen, die, soweit sie Platz hatten, jeweils zwischen drei und fünf Tiere im Garten hielten.

"Nein, ich habe nur aufgepasst, dass die keiner klaut. Gefüttert werden sie von der Futtermaschine. Die schiebt die Körner auf Laufbändern in die Käfige. Wasser bekommen die Hühner über Nippeltränken, und der Mist wird per Intervallentmistung über ein Kotband unterhalb der Käfige wieder rausgefahren. Alles vollautomatisch! Geht auch nicht anders, sind ja je nach Stall bis zu zweiundvierzigtausend Tiere drin."

Walter hatte mechanisch den Vortrag runtergespult, den er schon oft hatte anhören müssen, wenn das Kombinat hohen Besuch erhalten hatte und Nollau mit den Delegationen wie ein Gockel durch die Anlage stolziert war. Die Hühnerfarm galt als eine der modernsten im ganzen Ostblock. Besonders die Mitarbeiter von Schweinezucht- und Milchbetrieben waren doch tatsächlich neidisch auf den reibungslosen Ablauf hier. Sogar Notstromaggregate gab es, damit bei einem Stromausfall weitergearbeitet werden konnte. Die Dinger sahen zwar ziemlich beeindruckend aus,

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