text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Orlando Roman von Woolf, Virginia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.05.2012
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Orlando

Orlando ist jung, gut aussehend - und seine Schönheit soll niemals vergehen. Ein Wunsch, der ihm zum Schicksal wird: Er durchlebt beinahe vier Jahrhunderte und vier verschiedene Lebensentwürfe, ohne merklich zu altern. In diesem furiosen Roman, als Biographie getarnt, geben sich die literarischen Genres ein lustvolles Stelldichein. Sprachlicher Übermut und Stilsicherheit halten sich unübertroffen die Waage. Eine moderne Neuübersetzung, die erstmals den Ton des Originals trifft. Melanie Walz gelingt es, dieses Paradestück der Kunst Virginia Woolfs zu neuem Leben zu erwecken und ein unvergessliches Leseerlebnis zu schaffen. Virginia Woolf wurde am 25. Januar 1882 in London als Tochter des Schriftstellers Sir Leslie Stephen geboren. Mit ihren frühen Romanen Mrs Dalloway und Zum Leuchtturm wurde sie zur führenden Autorin der klassischen Moderne. Neben Romanen verfaßte sie Kurzgeschichten und Essays. Sie wurde zu einer Leitfigur der Frauenbewegung. Am 28. März 1941 nahm sich Virginia Woolf in Lewes (Sussex) das Leben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 20.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458783503
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: Orlando
    Größe: 2867 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Orlando

Kapitel II

Der Biograph sieht sich nun mit einer Schwierigkeit konfrontiert, die er wohl besser eingestehen sollte, als darüber hinwegzugehen. Bis zu diesem Punkt im Erzählen der Lebensgeschichte Orlandos haben Unterlagen privater wie historischer Natur dem Biographen ermöglicht, seiner vornehmsten Pflicht nachzukommen, die darin besteht, in den unauslöschlichen Fußstapfen der Wahrheit einherzutrotten, ohne nach links oder rechts abzuschweifen, ohne sich von Blumen ablenken zu lassen, ohne auf Schatten zu achten, folgerecht weiter und immer weiter, bis wir ins Grab plumpsen und auf den Grabstein über unserem Kopf das Wort finis schreiben. Doch nun kommen wir zu einer Episode, die quer über unserem Weg liegt und folglich schwerlich zu übersehen ist. Dennoch ist sie verworren, rätselhaft, nicht belegt und somit schwer zu rechtfertigen. Ganze Bände könnten zu ihrer Interpretation verfasst werden, ganze Glaubensrichtungen auf ihrer Bedeutung begründet werden. Unsere schlichte Pflicht beschränkt sich darauf, die Tatsachen, soweit sie bekannt sind, zu verzeichnen und es dem Leser zu überlassen, seine jeweiligen Schlüsse daraus zu ziehen.

Im Sommer nach jenem unheilvollen Winter, der den Frost, das Tauwetter, das Hochwasser, den Tod vieler Tausender und den gänzlichen Ruin von Orlandos Hoffnungen mit sich gebracht hatte – denn Orlando wurde vom Hofe verbannt, in tiefster Ungnade bei den mächtigsten Edelleuten jener Zeit; der irische Zweig des Hauses Desmond war zu Recht erzürnt, und der König hatte schon genug Scherereien mit den Iren, als dass er diese zusätzliche Weiterung hätte vergnüglich finden können –, in jenem Sommer zog Orlando sich in sein großes Haus auf dem Land zurück und lebte dort in völliger Einsamkeit. Eines Morgens im Juni – es war Samstag, der achtzehnte – stand er nicht zu seiner gewohnten Zeit auf, und als sein Kammerdiener ihn wecken wollte, fand er ihn in tiefem Schlaf vor. Er lag da wie in Trance, atmete kaum merklich; und obwohl man unter seinem Fenster Hunde bellen ließ, Becken, Trommeln, Kastagnetten ununterbrochen in seinem Zimmer betätigt wurden, ein Zweig Stechginster unter sein Kissen gelegt wurde und Senfpflaster an seinen Füßen angebracht wurden, wachte er trotz alledem ganze sieben Tage lang nicht auf, nahm keine Nahrung zu sich und gab kein Lebenszeichen von sich. Am siebten Tag erwachte er zur gewohnten Zeit (um Punkt Viertel vor acht Uhr) und warf die ganze Schar kreischender Weiber und dörflicher Wahrsager aus dem Zimmer, was nur zu verständlich war; doch befremdlich blieb, dass er keinerlei Bewusstsein einer Trance zeigte, sondern sich ankleidete und nach seinem Pferd verlangte, als wäre er vom Schlummer einer einzigen Nacht erwacht. Wie jedoch geargwöhnt wurde, musste eine Veränderung in den Kammern seines Gehirns vor sich gegangen sein, denn obwohl er völlig bei Verstand war und gesetzter und ernster wirkte als früher, schien er sich nur in Bruchstücken seines früheren Lebens zu entsinnen. Er hörte zu, wenn andere von dem großen Frost erzählten, vom Schlittschuhlaufen und von den Festlichkeiten, doch abgesehen davon, dass er sich mit der Hand über die Stirn fuhr, als wollte er eine Wolke wegwischen, gab er nie zu erkennen, dass er all das miterlebt hatte. Als die Ereignisse der vergangenen sechs Monate beredet wurden, wirkte er nicht bekümmert, sondern vielmehr ratlos, als verstörten ihn undeutliche Erinnerungen an lange vergangene Zeiten oder als wollte er sich an Geschichten erinnern, die ihm ein anderer erzählt hatte. Es fiel auf, dass er bei der Erwähnung von Russland oder von Fürstinnen oder von Sc

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen