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Out of Adel Roman von Brühl, Christine Gräfin von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.03.2015
  • Verlag: makrobooks
eBook (ePUB)
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Out of Adel

Liebe kennt keine Schranken. Oder? In diesem Buch erzählt Christine Gräfin von Brühl von einer eigentlich unmöglichen Liebe zwischen einer westdeutschen Adeligen und einem ostdeutschen Künstler, deren familiäre und kulturelle Hintergründe unterschiedlicher nicht sein könnten, von zugigen Schlössern und besetzten Häusern, von rauschenden Bällen und wilden Künstlerpartys, von eleganten Diners und Rotwein am Lagerfeuer und von verzweifelten Schwiegereltern. Eine hinreißende Farce über Standesschranken im 21. Jahrhundert und wie man sie überwindet - brillant, ironisch und garantiert nicht bürgerlich.

Christine von Brühl wurde 1962 in Accra geboren. Von dort ging es - ihr Vater war Diplomat - weiter nach London, Bonn, Brüssel, Singapur und Polen. Nach dem Studium der Slawistik, Geschichte und Philosophie und ihrer Promotion über Anton Tschechovs Dramenwerk zog sie 1991 nach Dresden. Sie schrieb unter anderem für die Sächsische Zeitung, Die Zeit, und Das Magazin und veröffentlichte Reiseführer und Bildbände. 1995 zog sie nach Berlin, wurde 2000 Fellow im Reuters Foundation Programme Oxford ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 214
    Erscheinungsdatum: 26.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945944004
    Verlag: makrobooks
    Größe: 230kBytes
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Out of Adel

Heirat ausgeschlossen

E igentlich wollte ich überhaupt nicht heiraten. Nicht, dass ich mich dagegen von Geburt an gesträubt hätte, keineswegs, aber wer aus einer adligen, katholischen Familie stammt wie ich, sollte tunlichst einen katholischen Adligen heiraten, sonst gibt es, so wird prophezeit, nur Probleme. Ich fand aber keinen. Dabei hatte ich durchaus viel Auswahl: In großer Stückzahl wurden mir die vermeintlich passenden Herren der Gesellschaft zugeführt. Ich lernte sie ordnungsgemäß bei den adelsinternen Tanzkursen kennen, ging mit ihnen aus, wir besuchten dieselben Bälle, und ich begab mich auch auf die bei Adligen beliebten Gruppen-Bildungsreisen, natürlich nur gemeinsam mit anderen Standesgenossen, studierte mit einigen von ihnen in Heidelberg und Göttingen am selben traditionsbeladenen Ort und aß mit ihnen mittags in derselben Mensa - alles Maßnahmen, die der Adel trifft, damit seine Nachkommen sich möglichst früh kennenlernen und später dauerhafte Verbindungen eingehen, heiraten und glücklich werden. Wie sonst könnte er in einer demokratischen Gesellschaft, in der Adel und Monarchie qua Gesetz seit 1918 abgeschafft sind, dafür sorgen, dass Stände, Namen und Traditionen trotzdem insgeheim erhalten bleiben? Mir aber halfen diese Maßnahmen nicht. Kein Funke sprang über, keine bleibende Verbindung stellte sich ein, keine artgerechte Verlobung, keine Hochzeit, nirgends.

Nun könnte man meinen, dass es sich bei mir um ein besonders störrisches Exemplar einer Aristokratin handelt, das partout nichts mit seiner Vergangenheit oder entsprechenden Standesgenossen zu tun haben möchte. Weit gefehlt! Es gibt durchaus weibliche Mitglieder adliger Familien, die wochenends lieber gummistiefelbewehrt durch den dunklen Tann stapfen, als frohlockend auf Bälle zu eilen, die lieber reiten als tanzen und die selbst beim Hausfest der eigenen Eltern unterm Ballkleid Breeches tragen, damit sie nach dem Essen und dem Pflichttanz mit dem Tischherren umgehend wieder in den Stall verschwinden können. Schließlich gilt es dort, das Lieblingspony zu füttern und anhaltend zu striegeln, gar nicht zu reden von den zahlreichen anderen Haustieren, die versorgt werden müssen. Das ist wesentlich aufregender, als artig Konversation zu machen und im Dreivierteltakt über das Parkett zu schweben.

All das traf jedoch auf mich nicht zu. Ich wollte schon als Kind unbedingt richtig gut tanzen können. Ich erinnere mich genau, wie ich meine Erzieherin, das geliebte "Fräulein ", schon mit dreizehn oder vierzehn Jahren, lange bevor ich auf den ersten Ball eingeladen wurde, inständig bat, mir Walzer beizubringen. Es war kurz vor dem Schlafengehen, ich hatte schon mein Nachthemd an, war barfuß. Der Raum, in dem wir übten, lag in abendlichem Dämmerlicht. Schnell waren meine Füße eiskalt, und sowieso klappte es ohne Ledersohlen nicht mit den Drehungen, aber ich glühte vor Begeisterung und schlief mit dem brennenden Wunsch im Herzen ein, dass ich später auf den Festen häufiger als alle anderen aufgefordert werde, weil man mit mir am besten von allen Anwesenden tanzen könne.

Ich ging also oft auf Bälle und trug, obwohl auch ich leidenschaftlich gern reite, unter meinem Kleid niemals eine Hose. Ich besuchte Ballettstunden, lernte Klavier spielen, ja, ich ging sogar mit Onkel, Vetter, Freunden oder meinem Vater auf die Jagd, hielt mich wacker stundenlang auf dem Hochstand und sah trotz großer Liebe zum Tier tapfer zu, wie das erlegte Wild blutig ausgeweidet wurde. Im Abitur wählte ich als Leistungskurs Geschichte statt Erdkunde, interessierte mich also durchaus für Tradition und Vergangenheit und stand unbeirrt zu meinem außergewöhnlichen Namen. Ich benahm mich, gemäß der konsequenten und strengen Erziehung meiner Eltern, folgsam und anständig.

Auch hierarchisch verhielt ich mich immer korrekt und zollte den Älteren und insbesondere den männlichen Vertretern meiner Familie Respekt, was im Adel von großer Be

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