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Paris ist immer eine gute Idee Roman von Barreau, Nicolas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Paris ist immer eine gute Idee

Rosalie ist Besitzerin eines kleinen Postkartenladens in St. Germain. Ihre Spezialität sind selbstgestaltete 'Wunschkarten', doch mit ihren eigenen Wünschen hat die eigenwillige Grafikerin selten Glück. Das ändert sich schlagartig, als eines Tages der berühmte Kinderbuchautor Max Marchais in ihren Laden stolpert und sie bittet, sein neues (und wahrscheinlich letztes) Kinderbuch zu illustrieren. Rosalie willigt ein, und das Buch wird zum großen Erfolg. Doch kurze Zeit später taucht ein junger Literaturprofessor aus den USA im Laden auf und behauptet steif und fest, dass die Erzählung seine Geschichte sei ...

Nicolas Barreau, geboren 1980 in Paris, hat Romanistik und Geschichte an der Sorbonne studiert und lebt heute als freier Autor in Paris. Schon mit seinen Erfolgen "Die Frau meines Lebens" und "Du findest mich am Ende der Welt" hat er sich in die Herzen seiner Leserinnen geschrieben, ehe "Das Lächeln der Frauen" ein internationaler Bestseller wurde. Weitere sehr erfolgreiche Bücher folgten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492965378
    Verlag: Piper
    Größe: 3328kBytes
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Paris ist immer eine gute Idee

1

Rosalie liebte die Farbe Blau. Das war schon so, seit sie denken konnte. Und das war mittlerweile achtundzwanzig Jahre her.

Wie jeden Vormittag, wenn sie um elf ihren kleinen Postkartenladen aufschloss, hob sie auch an diesem Tag den Blick und hoffte, in dem diesigen grauen Pariser Morgenhimmel ein Fitzelchen Blau zu entdecken. Sie fand es und lächelte.

Zu Rosalie Laurents ersten und schönsten Kindheitserinnerungen gehörte ein unfassbar blauer Augusthimmel über einem türkisfarbenen Meer, das in Licht badete und bis zum Ende der Welt zu reichen schien. Da war sie vier Jahre alt, und ihre Eltern hatten das heiße Paris mit seinen steinigen Häusern und Straßen verlassen, um mit der kleinen Tochter an die Côte d'Azur zu fahren. Im selben Jahr, als sie nach diesem lichtdurchfluteten, nicht enden wollenden Sommer in Les Isambre wieder nach Hause zurückgekehrt waren, hatte Tante Paulette ihr einen Aquarellkasten geschenkt. Auch daran erinnerte Rosalie sich noch genau.

"Aquarellfarben? Ist das nicht ein bisschen übertrieben, Paulette?", hatte Cathérine gefragt, und ihre feine hohe Stimme hatte einen unüberhörbar missbilligenden Klang angenommen. "So ein teurer Farbkasten für ein so kleines Kind? Damit kann sie doch noch gar nichts anfangen. Den heben wir besser noch ein Weilchen auf, nicht wahr, Rosalie?"

Doch Rosalie war nicht bereit gewesen, das kostbare Geschenk ihrer Tante wieder herzugeben. Sie geriet völlig außer sich und umklammerte den Malkasten, als gelte es, ihr Leben zu verteidigen. Am Ende seufzte die Mutter ein wenig genervt und ließ der trotzigen Kleinen mit den langen braunen Zöpfen ihren Willen.

An diesem Nachmittag malte Rosalie stundenlang und hingebungsvoll mit Pinsel und Aquarellfarben Blatt um Blatt, und danach war der Malblock voll und die drei blauen Farbtöpfchen, die der Kasten zu bieten hatte, nahezu leer.

Ob es nun an jenem ersten Blick auf das Meer lag, der sich in die Netzhaut des kleinen Mädchens eingebrannt hatte wie eine Metapher für das Glück, oder an ihrem schon früh ausgeprägten Willen, Dinge anders zu machen als andere – die Farbe Blau entzückte Rosalie wie keine andere. Staunend entdeckte sie die ganze Palette dieser Farbe, und ihre kindliche Wissbegier war kaum aufzuhalten. "Und wie heißt das hier, Papa?", fragte sie ein ums andere Mal und zog ihren Vater, der ein sehr gütiger und nachsichtiger Mensch war, am (natürlich blauen) Ärmel seiner Jacke und zeigte mit dem Finger auf alles Blaue, das sie entdeckte. Mit nachdenklich gerunzelter Stirn stand sie stundenlang vor dem Spiegel und studierte die Farbe ihrer Augen, die auf den ersten Blick braun schienen, doch wenn man länger hinsah und ganz genau, erkannte man, dass sie von einem tiefdunklen Blau waren. Das hatte jedenfalls Émile, ihr Vater, gesagt, und Rosalie hatte erleichtert genickt.

Noch bevor sie richtig lesen und schreiben konnte, kannte sie die unterschiedlichsten Blautöne mit Namen. Vom hellsten und zartesten Seidenblau, Himmelblau, Graublau, Eisblau, Taubenblau oder dem gläsernen Aquamarin, das die Seele fliegen ließ, zu diesem satten, kräftigen, strahlenden Azurblau, das einem fast den Atem nahm. Dann gab es noch das unbezwingbare Ultramarin, das heitere Kornblumenblau oder das kühle Kobaltblau, das grünlich-blaue Petrol, das die Farben des Meeres in sich barg, oder das geheimnisvolle Indigo, das fast schon ins Violette spielte, bis hin zu einem tiefen Saphirblau, dem Mitternachtsblau oder dem nahezu schwarzen Nachtblau, in dem sich das Blau schließlich auflöste – für Rosalie gab es keine Farbe, die so reich, so wunderbar und vielfältig war wie diese. Dennoch hätte sie n

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