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Paul & Virginie von Pierre, Jacques-Henri Bernardin de Saint (eBook)

  • Verlag: e-artnow
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Paul & Virginie

'Auf diese Art brachte sie mehrere Jahre zu, bald Atheistin, bald abergläubische Frömmlerin, und fürchtete den Tod eben so sehr, wie das Leben. Was aber das Ende dieses beklagenswerten Daseyns herbeiführte, war derselbe Grund, dem sie die Gefühle der Natur geopfert hatte. Sie hatte den Verdruß, sehen zu müssen, daß ihr Vermögen nach ihrem Tode Verwandten anheim fallen sollte, welche sie haßte.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 112
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026882206
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1137 kBytes
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Paul & Virginie

K APITEL 2

Inhaltsverzeichnis

Als ihre Mahlzeit geendigt war, befanden sie sich in einer großen Verlegenheit, denn sie hatten keinen Wegweiser mehr, um sie nach Hause zurückzuführen. Paul , welcher sich durch nichts irre machen ließ, sagte zu Virginien: "Unsere Hütte liegt dahin, wo die Sonne im Mittag steht: wir müssen, wie heute Morgen, über den Berg steigen, den du dort unten mit seinen drei Spitzen siehst. Wohlan, meine Liebe, wir wollen uns auf den Weg machen!" Dieser Berg war der der drei Zitzen , von der Form seines dreigespaltenen Gipfels so genannt. Sie stiegen also den Hügel des schwarzen Flusses auf der Nordseite hinab und kamen, nachdem sie eine Stunde gegangen waren, an die Ufer eines breiten Flusses, der ihnen den Weg versperrte. Dieser große, ganz mit Wäldern bedeckte Theil der Insel ist selbst heutzutage so wenig bekannt, daß mehrere von seinen Flüssen und Bergen noch nicht einmal einen Namen haben. Der Fluß, an dessen Rand sie waren, rollt schäumend über ein felsiges Bette. Das Geräusch seiner Wasser erschreckte Virginien ; sie wagte keinen Fuß hinein, um ihn zu durchwaten. Da nahm Paul Virginien auf seinen Rücken und ging mit dieser Last auf den schlüpfrigen Felsen des Flusses, trotz dem Getöse seiner Wasser, hinüber. "Habe keine Angst," sagte er zu ihr, "ich fühle mich stark genug mit dir. Hätte der Pflanzer vom schwarzen Flusse dir die Begnadigung seiner Sklavin verweigert, so hätte ich mich mit ihm geschlagen." - "Wie!" sagte Virginie , "mit diesem so großen und so garstigen Manne? Welcher Gefahr habe ich dich ausgesetzt! Mein Gott, wie schwer ist es, Gutes zu thun! nur das Böse wird einem leicht gemacht."

Wie Paul am Ufer war, wollte er, seine Schwester auf dem Rücken, seinen Weg fortsetzen und schmeichelte sich, mit seiner Bürde den Berg der drei Zitzen, den er auf eine halbe Meile vor sich sah, besteigen zu können; aber bald versagten ihm die Kräfte, und er sah sich genöthigt, sie auf den Boden niederzusetzen und neben ihr auszuruhen. Jetzt sagte Virginie zu ihm: "Mein Bruder, der Tag neigt sich; du hast noch Kräfte, und die meinigen versagen mir ihre Dienste; laß mich hier und kehre allein zu unserer Hütte zurück, um unsere Mütter zu beruhigen." "O nein," sagte Paul ; "ich verlasse dich nicht. Wenn uns die Nacht in diesen Wäldern überfällt, so zünde ich Feuer an und fälle einen Palmbaum; du issest den Kohl davon, und ich mache dir aus seinen Blättern eine Laube, um dir Schutz zu gewähren." Nachdem indessen Virginie ein wenig ausgeruht hatte, pflückte sie an dem Stamm eines alten über den Rand des Flusses sich neigenden Baumes lange Hirschzungenblätter, welche an demselben herabhingen; daraus machte sie eine Art von Halbstiefeln, womit sie ihre von den Steinen auf dem Wege blutig geritzten Füße umgab; denn im Eifer, nützlich zu seyn, hatte sie vergessen, Schuhe anzuziehen. Als sie sich durch die Frische dieser Blätter etwas erleichtert fühlte, brach sie einen Bambusast und machte sich auf den Weg, indem sie sich mit der einen Hand auf diesen Stab, mit der andern auf ihren Bruder stützte.

Trieb sie auch ihre Unruhe noch so sehr zur Eile an, so konnten sie doch nur langsam durch den Wald weiter gehen, und bald entzog ihren Blicken die Höhe der Bäume und die Dichtigkeit ihres Laubwerks den Berg der drei Zitzen , auf welchen sie ihre Richtung nahmen, und sogar die Sonne, die bereits ihrem Untergange nahe war. Nach Verfluß einiger Zeit gerieten sie unvermerkt von dem gebahnten Fußpfade ab, auf dem sie bisher fortgegangen waren, und befanden sich in einem Labyrinth von Bäumen, Schlingpflanzen und Felsen, das keinen Ausgang mehr hatte. Paul ließ Virginien sich niedersetzen und fing an, ganz außer sich hin und her zu laufen, um einen Weg aus dem dichten Gestrüppe zu suchen; aber er mühte sich vergeblich ab. Er stieg auf einen hohen Baum, um

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