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Politische Novelle Neu bearbeitete Ausgabe von Bruno, Frank (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.05.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Politische Novelle

Bruno Franks Novelle, die das Scheitern und den Untergang der bürgerlichen Welt angesichts des aufstrebenden Faschismus und Nationalsozialismus thematisiert, ist heute nicht nur als spannendes Zeitdokument lesenswert. Sein konservatives Plädoyer für Humanität und gegen totalitäre Bestrebungen bleibt aktuell - vor allem in Zeiten, in denen zentrale Werte der abendländischen Kultur, wie etwa die selbstbestimmte Individualität, die Menschenrechte, die Meinungs- und Religionsfreiheit sowie die Würde jedes Einzelnen, von unterschiedlichsten Seiten zur Disposition gestellt werden. Wie bei allen Werken der ofd edition wurde die ursprüngliche Fassung nicht automatisiert kopiert, sondern sorgfältig neu editiert und der aktuellen Rechtschreibung angepasst - die bessere Lesbarkeit und Gestaltung verhilft so zu einem ungetrübten Lesegenuss. Eine Einführung erläutert den historischen Hintergrund und Interpretationsansätze. "Eine ebenso moralisch tapfere und klarsichtige wie poetisch freie, rührend symbolische Dichtung" Thomas Mann

Der in Stuttgart geborene Schriftsteller Bruno Frank (1887 - 1945) verfasste zahlreiche Gedichte, Erzählungen und Bühnenstücke, die das kulturelle Leben in der Weimarer Republik beeinflussten, mittlerweile jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Zu Franks bekanntesten Werken gehören der historische Roman "Cervantes" sowie das Bühnenstück "Sturm im Wasserglas", das auch mehrmals verfilmt wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 101
    Erscheinungsdatum: 26.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783837013306
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 603kBytes
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Politische Novelle

Politische Novelle

I

Der Reisende aus Deutschland, der in der Pension Palumbo die Zimmer 14 und 15 bewohnte, erwachte wie alle Tage pünktlich um halb sieben. Er stand augenblicklich auf, wusch sich, und kaum bekleidet, mit nacktem Oberleib, trat er in den kleinen Wohnraum, der an sein Schlafzimmer stieß. Auch hier standen beide Fenster weit offen, mit voller Flut strömte ihm süditalischer Frühling entgegen. Das Gärtchen unten brannte von Farben, weiterhin in der Tiefe strahlte und rauschte der Golf; aber der Gast vergönnte sich noch keinen Blick, sondern begann unverweilt seine Körperübungen.

Es waren zuerst die herkömmlichen Drehungen des Rumpfes und Beugungen der Knie, durchgeführt nach offenbar vorgezeichneter Ordnung. Dann aber wandte er sich einem Lederball zu, der zwischen senkrecht gespannten elastischen Schnüren in einer Ecke des Gemachs kopfgroß in Kopfhöhe schwebte, und begann diesem Phantom mit kunstgerechten und gewaltigen Fauststößen zu Leibe zu gehen.

Er sah nicht aus wie ein Boxer. Sein Gesicht, schmal und fest, von blasser, wenn auch keineswegs kranker Farbe, wirkte verfeinert, wirkte geistig, und vollends sein Körper schien von der Natur nicht auf brutale Leistung angelegt. Sonderbar fremd, nicht recht zugehörig, wie ertrotzt und erzwungen traten an diesen fast gebrechlich geformten Schultern und Armen Muskelschwellung und starke Sehne hervor.

Er arbeitete still, methodisch; in unermüdlicher Abwechslung schnellten seine Fäuste gegen den Ball. Endlich aber, als der Schläger abließ von ihm, zitterte er nur ganz wenig noch nach und schwebte sogleich unverwandt, Abbild einer stumpfen und toten Masse, der kein Wille, kein Vorstoß der Welt etwas anhaben kann.

Der Reisende nahm nun ein paar Hanteln hervor, Federhanteln, im Innern mit starker Stahlspirale versehen. Abwechselnd presste er sie zusammen in seinen Fäusten und ließ wieder locker. Er endete nach zehn Minuten, kleidete sich an und begab sich über die dunkle Steinstiege des alten Bischofshauses in das Gärtchen.

Er wurde erwartet. Doktor Erlanger stand an die Balustrade gelehnt und blickte über die obst- und weinbepflanzten Terrassen hinunter aufs Meer. Sie nahmen ihre Plätze ein. Vor dem des Gastes von Zimmer 14 lag ein Brief, ein Riesenexemplar von einem Brief, ein wahres Paket in starkem, rotbraunem Umschlag. Solch eine Sendung traf an jedem Morgen hier ein.

Sie frühstückten. Der Aufwärter, bejahrt, in Hemdärmeln und grüner Schürze, ging ab und zu, die Inhaberin des Hauses Palumbo, eine stille Schweizer Dame, kam durch das Gärtchen, grüßte aus kleiner Entfernung und sah mit einem erfahrenen Blick nach dem Rechten. Gäste waren noch nicht zu sehen. Morgenstille. Kein Laut. Kein Vogel sang in dem Garten.

Doktor Erlanger, jung, groß, sehr brünett, mit auffallend engstehenden Augen, frühstückte mit Appetit. Aber der Gast von Zimmer 14 nahm sehr wenig, eine Tasse Tee, eine Scheibe trockenes geröstetes Brot und ein Ei schienen ihm zu genügen.

"Sie essen wieder gar nichts", sagte sein Gefährte in einem achtungsvollen, dabei fast zärtlichen Ton, "ein Fremder müsste glauben, Sie wollten schlank bleiben."

"Schlank nicht, Erlanger, aber nüchtern." Und mit einem kleinen spöttischen Lächeln hob er das Gestell mit dreierlei süßem Gelee in die Höhe, um es dem Hungrigen hinzureichen. Er setzte es unvermittelt nieder und besah seine Hand.

"Das ist doch erstaunlich", sagte er. "Diese Übungen mit der Hantel strengen die Muskeln so an, dass sie zuerst nicht das Leichteste bewältigen. Ein Kind könnte einen umbringen."

"Nun machen Sie auch noch Hantelübungen, Herr Carmer? Warum tun Sie das alles; es verwundert mich immer. Ich weiß doch zu genau, wie Sie über Sport und Sportleidenschaft denken

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