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Prager Tagblatt Roman einer Redaktion von Brod, Max (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2014
  • Verlag: Wallstein Verlag
eBook (PDF)
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Prager Tagblatt

Der Roman einer großen Epoche der Prager Kulturgeschichte, erzählt von einem, der zu ihrer Größe beitrug. Das "Prager Tagblatt' war die bedeutendste deutschsprachige Zeitung der Tschechoslowakei in der Zwischenkriegszeit - liberal, offen und immer bestrebt, der tschechisch-deutschen Verständigung zu dienen. Max Brod schildert in seinem Roman das Innenleben der Redaktion, der er selbst als Literatur-, Musik- und Theaterkritiker angehörte. Er erzählt vom Prager Nachtleben und wie politische Ereignisse einer unruhigen Zeit Einfluss auf Leben und Arbeit nahmen. Die anschauliche Schilderung des Redaktionsalltags wird ergänzt durch eine Liebesgeschichte des Erzählers zu einer schönen und rätselhaften Frau, aber auch durch eine Nebenhandlung: Der Redakteur Fliegel hat auf der Prager Kleinseite eine Sonntagsschule für behinderte Kinder gegründet und lebt das, wofür die "Skribenten' schreiben: er ist vorbildlich.

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Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 456
    Erscheinungsdatum: 01.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783835326330
    Verlag: Wallstein Verlag
    Größe: 4888 kBytes
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Prager Tagblatt

Vorwort

Das Buch, das nun Prager Tagblatt heißt, trug ursprünglich einen anderen Namen. Bei seinem ersten Erscheinen im Jahr 1957 stand Rebellische Herzen in roter Flammenschrift auf dem Umschlag, auf dem außerdem, schematisch dahingetuscht, die Köpfe eines jungen Paars vor der Silhouette Prags zu sehen waren. Als der Roman 1968, in dem Jahr, in dem Max Brod starb, als Taschenbuch veröffentlicht wurde, hatte der Verlag auf Wunsch des Autors den Titel verändert, und anstelle einer Liebesgeschichte wurde nun ein eher dokumentarisches Werk versprochen: Denn das Prager Tagblatt war bis 1939 nicht nur die bekannteste deutschsprachige Prager Zeitung, sondern eines der wichtigsten deutschsprachigen Blätter überhaupt gewesen, und zwar vor allem wegen seines Feuilletons. Die Veränderung des Titels entspricht dabei gleichsam einer Verkehrung der Leserichtung: Denn das Buch beginnt als "Roman einer Redaktion", um dann, mit immer schmaler werdender Perspektive, in die Geschichte einer fatalen Liebe zu führen. Diese muß Max Brod zuletzt als das minder Wichtige erschienen sein.

Zwischen den Ereignissen, die der Roman schildert, und der Niederschrift des Buches liegen gut zwanzig Jahre: Dazwischen liegen nicht nur der Zweite Weltkrieg, die Vernichtung der europäischen Juden, die Teilung Europas in zwei politische Blöcke und die Wiedererstehung der Tschechoslowakei als Vasallenstaat des sowjetischen Imperiums. Dazwischen liegt auch ein radikaler Schnitt im Leben Max Brods, der im März 1939, mit dem letzten Zug, der die polnische Grenze überquerte, das nun ganz von der Wehrmacht besetzte Land verließ, nach Palästina ging und dort erst mühsam wieder zu seinem Beruf, zum Schreiben zurückfand. Erst Ende der vierziger Jahre veröffentlichte er wieder Romane, und dann arbeitete er auch wieder als Journalist, als Musikkritiker vor allem, für die deutschsprachige Tageszeitung Neueste Nachrichten in Tel Aviv. Man muß diese doppelte Distanz, die räumliche und die zeitliche, im Sinn behalten, um diesem Roman gerecht zu werden, der eigenartig changiert: zwischen allegorischem Genrestück ("der Heilige und die Hure") und historischer Dokumentation, zwischen Zeitungsroman und politischem Panorama.

Es gibt ein Motto in diesem Roman vom Prager Tagblatt , einen Satz, der von einem verqueren Heiligen ausgesprochen wird und der immer wieder erscheint: "Ja, ja, die Menschen haben es nicht leicht", lautet er. Vielleicht ist er nach einem Satz in August Strindbergs Traumspiel aus dem Jahr 1901 modelliert, in dem die Göttertochter Agnes voller Mitleid durch die Welt zieht und mit der Formel "Es ist schade um die Menschen" leidvoll zur Kenntnis nimmt, daß alle Lebensentwürfe zum Scheitern verurteilt seien und am Ende nichts zurückbleibe als eine Wand trauriger, verzweifelter Gesichter. "Man würde übrigens irren", schreibt Max Brod am Ende dieses Romans, an dem er zu einer philosophischen Weltbetrachtung ausholt, "wenn man meinte, daß es Heimweh nach Prag ist, was mich veranlaßt hat, all diese Begebenheiten niederzuschreiben." Seitdem er Prag verlassen habe, habe er "nie auch nur einen Augenblick lang Heimweh gehabt. Heimweh? Dieses alte Prag ist versunken." Hier, auf den letzten Seiten des Buches, ist es, als schaue auch dieser Autor auf eine Wand aus traurigen Gesichtern. Es sind vor allem die Gesichter der ehemaligen Kollegen aus der Zeitung, von denen nur wenige Krieg und Holocaust überlebten.

Das Prager Tagblatt , gegründet im Jahr 1876, war schon vor der Ausrufung der Ersten Tschechoslowakischen Republik die führende liberale Zeitung Böhmens, und sie blieb es bis zu deren Auflösung, allerdings unter veränderten Voraussetzungen. Denn von der Selbstverständlichkeit, mit der die deutschsprachige Bevölkerung des Landes kulturell beherrschend war, war nach diesem Datum ebensowenig geblieben wie von d

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