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Professor Zamorra - Folge 1060 Die Geburt der Erinnerung von Borner, Simon (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.01.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Professor Zamorra - Folge 1060

Läuft es wirklich endlich auf den großen Showdown in New York hinaus? Es sieht ganz so aus, als hätte Rathuul - derzeit Finn Cranston - endlich seinen Schöpfer gefunden. Doch wie der Kampf ausgeht, ist völlig offen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 13.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732508136
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 540kBytes
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Professor Zamorra - Folge 1060

"Im Abschied ist die Geburt der Erinnerung."

Salvador Dalí

"Zu New York gehört man augenblicklich, nach fünf Minuten schon so sehr wie nach fünf Jahren."

Tom Wolfe

Kapitel 1
Letzte Bestellung

Das Diner lag in Poughkeepsie, in einer ruhigen und angenehmen Nachbarschaft fernab von allem Trubel. Shelley Michaels arbeitete erst seit wenigen Wochen dort, hatte den Laden und seine beinahe schon ländliche Umgebung in Upstate New York aber bereits ins Herz geschlossen. Nach zwanzig Jahren im Zentrum der Metropole namens Big Apple und Seite an Seite mit einem äußerst launischen Ehemann war sie froh um die Abwechslung, froh um die Ruhe. Manhattan fraß einen auf, wenn man nicht achtgab - in den Straßenschluchten, den U-Bahn-Schächten, im Gedränge der Passanten. Und schlechte Ehen taten ihr Übriges, einen fertigzumachen. Nun aber, frisch geschieden und bereit für ein neues Leben, genoss Shelley jeden Tag.

Bis der Typ in der Biker-Jacke das Diner betrat. Shelley hatte gerade den bis dahin letzten Gast des Abends abgefertigt und bereits anfangen wollen, die Stühle hochzustellen und den Boden zu wischen - Routine vor jedem Ladenschluss; sie war heute die Letzte, also blieb das Reinemachen an ihr hängen -, doch offiziell hatte das Diner noch eine halbe Stunde geöffnet und der Biker jedes Recht der Welt, sich hier aufzuhalten. Sofern er sich benahm, hieß das.

"Was darf's sein?", fragte sie ihn, als sie auf ihn zutrat. Ihr war ein wenig mulmig dabei, und das fand sie selbst albern.

Er hatte sich im hintersten Winkel des Lokals niedergelassen, in einer der bequemen Nischen, die aus mit rotem Plastik bezogenen Polsterbänken und einem Tisch bestanden. Merklich desinteressiert studierte er die in durchsichtiges Plastik eingeschweißte Karte mit den Speisen und Getränken. Vor dem Fenster wehte der Nachtwind das herbstliche Laub über den leeren, dunklen Parkplatz.

"Sir?", hakte Shelley nach, da ihr unheimlicher Gast nicht antwortete. Sie stellte die Karaffe Wasser vor ihm ab, die sie stets mitbrachte, wenn neue Gäste kamen. Wasser ging aufs Haus. "Einen Kaffee vielleicht?"

Dann hob er den Blick, sah sie an. Und Shelley Michaels zog ein eiskalter Schauer über den Rücken. Dieser Blick ... Sie kannte ihn. Oh, sogar sehr gut. Das war der Blick eines Mannes, der sich nichts sagen ließ. Der nicht zuhörte, sondern zu schlug , wenn ihm danach war. Der keinen Widerspruch duldete. Zwanzig Jahre lang hatte sie sich vor diesem Blick gefürchtet - und ausgerechnet hier, in ihrem neuen, besseren Leben und im Gesicht eines ihr völlig Fremden - sah sie ihn wieder.

Shelley wich zurück, nur einen winzig kleinen Schritt. Sie schluckte. Das mulmige Gefühl wurde zu echter, substanzieller Angst. Auch die kannte sie gut.

Bleib cool, Mädchen , hörte sie die Stimme der Überlebenskünstlerin wieder in ihrem Innern. Die imaginäre Stimme hatte ihr zwei Jahrzehnte lang geholfen, die Hölle ihrer Ehe zu überstehen. Shelley hatte gehofft, sie hinter sich gelassen zu haben, als sie ihren Mann hinter sich ließ, doch alte Gewohnheiten vergingen ganz offensichtlich nie. Scheiße. Ganz ruhig. Vielleicht hat er nicht gemerkt, dass du Schiss vor ihm hast. Vielleicht reagiert er gar nicht darauf, wenn er es nicht merkt. Spiel ihm was vor. Du kannst das, das weißt du. Du hast es immer gekonnt.

Doch der Biker war echt groß. Mindestens zwei Meter. Er hatte militärisch kurzes blondes Haar. Ein verschlagenes Gesicht; kaltblaue Augen, markante Züge, Stoppelbart. Ein Kinn, an dem man Flaschen öffnen konnte. Seine Schultern, Arme und sein Oberkörper waren breit wie die eines Preisboxers. Sie steckten in der schwarzen Nietenjacke. Ein schwarz-weißes Emblem zierte den Rücken dieses Kleidungsstücks, und Shelley vermutete, es kennzeichne seinen Club. Der Mann trug dunkle Jeans und schwere Stiefel. Narben zierten

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