text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Rebecca, Roswitha und die wilden Siebziger Die Geschichte eines Betruges von Butschkow, Peter (eBook)

  • Verlag: Konkursbuch
eBook (ePUB)
10,30 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Rebecca, Roswitha und die wilden Siebziger

Ein beschwingter Roman über große Gefühle in einer durchgeknallten Zeit. Mit Witz, Ironie und tieferer Bedeutung entwirft der preisgekrönte Cartoonist Peter Butschkow in seinem ersten Roman einen kuriosen Mikrokosmos schräger Typen auf der Suche nach Freiheit, Lust und Liebe. Vor dem Hintergrund eines irrwitzigen Täuschungsmanövers entfaltet sich dabei ein so farbenfrohes wie kurzweiliges Zeitporträt. Dies ist der Debütroman des Autors, der als Cartoonist schon viele Bücher publiziert hat. 'Hier hat er ihn in Worte übertragen, diesen besonderen Butschkow-Strich.' (Tobias Schmidt, Mein Passau) '... das liest sich ja wie Butter! Ich habe angefangen und wollte nicht aufhören ...' (Til Mette) Zwei Freunde, Archie und Speck, haben sich aus West-Berlin zurückgezogen und im Bergischen Land, im Dörfchen Rehwinkel, ein Fachwerkhaus gemietet. Das Haus ist zugleich Adresse des DAMOUR-Verlages, den Archie, ehemaliger Student, aufgebaut hat. Er verlegt kitschige Liebesromane. Aus Marketinggründen veröffentlicht er seine eigenen Romane unter dem klangvollen Pseudonym 'Rebecca C. Creek', angeblich kanadische Mustangzüchterin mit indianischen Wurzeln. Otter, ein Freund aus Berlin, will ihn besuchen und nimmt unterwegs zwei Tramperinnen mit. Als er zufällig sieht, dass eine von ihnen während der Fahrt ausgerechnet ein Buch von Rebecca C. Creek liest, wittert er seine Chance: Einem kühnen Geistesblitz folgend, schlägt er vor, gemeinsam nach Rehwinkel zu fahren, um die gerade zufällig dort weilende große Autorin persönlich zu treffen. Nun beginnt ein turbulentes Schauspiel ...'In die Rahmenhandlung eingewoben sind Porträts und Anekdoten über frühere Freunde, Supermarkthändler, Familienerinnerungen. Sie entfalten eine sprachliche Dynamik, die den Lesefluss heiter vorantreibt, man merkt gar nicht, wie die Seiten dahinfliegen, weiß nie, was einen auf den nächsten Seiten erwartet und freut sich von einer Seite auf die nächste.' (Florian Rogge) Geboren 1944 in Cottbus. Aufgewachsen in Berlin (West). Studiert auf privater Kunstschule. Ein Lehrjahr als Bleisetzer. Abgeschlossenes Studium an der Akademie für Grafik, Druck und Werbung in Berlin. Drei Jahre angestellter Grafik-Designer in einer Werbeagentur. Danach acht Jahre als grafischer Freiberufler. 1979 Umzug ins Bergische Land in eine kleine Landkommune. Beginn einer Karriere als Cartoonist, Comiczeichner, Illustrator und Textautor. Veröffentlichungen in Magazinen, Zeitungen, Büchern und Kalendern. 1983 nach Hamburg. Lebt seit 1988 an der nordfriesischen Küste. Dieses Buch ist sein Romandebüt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 380
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783887695897
    Verlag: Konkursbuch
Weiterlesen weniger lesen

Rebecca, Roswitha und die wilden Siebziger

2. Kapitel: Die Mädchen mit den roten Ohren. Himmel voller Därme. Ein Wollepulli ist mit dem Fahrrad los. Am Glasrand klebt der Tod. Muttermund-TV. Peniskurse für Frauen.

Um sich noch ein bisschen Kohle zu verdienen, legte Speck Freitag und Samstag im DOWNTOWN Platten auf. Am Wochenende war der Laden rammelvoll. Wegen der schlechten Entlüftung dampfte der Schweiß der Tanzenden im Laufe der Nacht bis an die Decke und tropfte wie in einer Tropfsteinhöhle wieder runter. Als Bassgitarrist hatte Speck ein gutes Gefühl für Rhythmus und eine gute Nase für Tempo - außerdem verfügte er über einen großen, inneren Speicher mit Musikstücken, aus dem er intuitiv die passenden Titel abrufen konnte, sodass sie geschmeidig ineinander übergingen. Und das, obwohl er selber nicht tanzte. Musiker tanzen komischerweise seltener, paradoxerweise am wenigsten die Schlagzeuger. Wenn Speck sich aber mal vom Alkohol enthemmt auf die Tanzfläche bewegte, dann sah es aus, als hätte er eine Wespe in der Hose. Am liebsten tanzte er Blues, bei diesem brauchte man nur von einem Bein zum anderen zu schaukeln und konnte sich dabei wunderbar bei der Partnerin anlehnen.

An seinen ersten Blues konnte er sich noch gut erinnern, das war an dem Tag, als seine Eltern ihn zum ersten Mal alleine ließen, um zur Kur nach Bad Lauterberg in den Harz zu fahren und er ihnen zum Abschied ausgelassen vom Balkon hinterherwinkte. Anlass dieser inniglichen Verabschiedung, die seine Mutter zu Tränen rührte, war jedoch weniger das Mitgefühl, dass sich seine Eltern eine wohlverdiente Kur gönnten, sondern dass sie ihm verdammt noch mal endlich für drei Wochen die Bude überließen. Kaum waren die kleinen Heckflossen ihres Ford 17M um die Ecke verschwunden, rief er sofort seinen besten Freund und Klassenkameraden Jockel an. Eine halbe Stunde später stand der mit Babs und Nancy, zwei Mädchen aus ihrer Schule, vor Specks Tür. Solche Paarbildung von zwei jungen Mädchen in inzüchtiger Unzertrennlichkeit ist typisch für Mädchen in einer speziellen Altersstufe und dient als letzte Phase vor dem großen Schritt ins Leben, in dem die süßesten, aber auch bittersten Erfahrungen auf sie warten. Eine der beiden war in der Regel immer die etwas Hübschere, die sich keine Sorgen zu machen brauchte, dass ihre Freundin sie bei den Boys ausstach. Die wiederum bekam in der Strahlkraft der Hübscheren auch etwas von ihrem Glanz ab. So hatten scheinbar beide etwas voneinander und zelebrierten in der Öffentlichkeit ihre Innigkeit gerne mit Händchenhalten. In Wirklichkeit lauerte jede auf ihre Chance. Diese Symbiose zerplatzte dann auch in dem Moment, wo eine der anderen auf der Pirsch ernsthaft in die Quere kam. Dann bekamen ihre weichen Pfötchen plötzlich Krallen.

Speck stellte Cola, Salzstangen und eine goldfarbene Kugel auf den Tisch, ein Tischrequisit seiner Eltern, aus der sich die Zigaretten wie Igelborsten dem Raucher entgegenspießten. Die Zigaretten hatte er vorher heimlich gekauft und vor seinen Eltern unter seinem Bett versteckt, das Geld dafür beschaffte er sich durch die Einlösung von zwei vollen Rabattsparheften seiner Mutter, die er ihr aus ihrem Geheimfach im Küchenschrank entwendet hatte. Wohl hatte ihn der Seifenhändler, bei dem er die Hefte einlöste, danach bei seiner Mutter denunziert ("Wissen Sie eigentlich, dass letzte Woche ihr Sohn bei mir zwei Rabattsparhefte eingelöst hat? Ich frag ja nur."), aber Speck leugnete alles und stellte seiner Mutter die Vertrauensfrage: "Wem glaubst du mehr, einem schmierigen, verleumderischen Seifenhändler - oder deinem eigenen Fleisch und Blut?" Ihre Entscheidung fiel selbstverständlich zu seinen Gunsten aus.

Für die nötige Musik stand im Wohnzimmer eine wuchtige Musiktruhe mit integriertem Rundfunkgerät und einem Zehnplattenwechsler aus dekorativ gemasertem und lackiertem Holz zur Verfügung. Um an dieses mechanische Wunderwerk heranzukommen, musste man mit aller Kraft den schweren Deckel der

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen