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Rebellen der Reformation Glaube, Eifer, Terror von Schoßwald, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.12.2016
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
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Rebellen der Reformation

Dr. Volker Schoßwald, Jahrgang 1955, arbeitet als Pfarrer in Nürnberg. In seinem Buch "Rebellen der Reformation" geht er den Lebensgeschichten bekannter oder auch weniger bekannter Persönlichkeiten aus der Reformationszeit nach, in denen sich rebellische Motive wiederfinden. Ein Buch mit emotionaler Sympathie für alle, die gegen Unrecht und für die Wahrheit aufbegehren. Dr. Volker Schoßwald, geboren 1955 in Schweinfurt, Abitur in Uffenheim, Zivildienst, Theologiestudium in Erlangen und Tübingen, Pfarrer in Würzburg, Nürnberg und Schwabach; derzeit Nürnberg-Gostenhof. 1989 Promotion bei Prof. Dr. R. Riess "Herrgott", 1997 satirischer Mitautor "Der Fall Christkind, 2015" "Allmacht, - ist Gott wirklich allmächtig?", "Albert Schweitzer, Antizipationen des Reiches Gottes", "Rekrut am Rande eines Völkermords".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 19.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740718411
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 6342 kBytes
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Rebellen der Reformation

2.2 Gottfried "Götz" von Berlichingen

Da Götz, eigentlich Gottfried von Berlichingen eine eigene Lebensbeschreibung 20 diktierte, sind wir nicht auf das historische Schauspiel von Goethe mit dem berühmten "Götz-Zitat" 21 angewiesen. In unseren Kontext tritt er durch seine Freundschaft zu Franz von Sickingen. Im Bauernkrieg rechneten seine Feinde den professionellen Raubritter den Bauern zu. Wenig überzeugend behauptete er später, sie hätten ihn zur Kooperation gezwungen.

Damals war er Mitte vierzig. Für einen noch dazu gehandicapten Ritter in jenen wilden Zeiten ungewöhnlich starb er mit über 80 Jahren 1562 auf Burg Hornberg - nach unglaublich vielen Fehden. Seine Rüstung wie seine eiserne Hand ist noch zu besichtigen und zeigt im Kontext von Kanonen die anachronistische Seite seines Rittertums. Er selbst schreibt von sich als "Reiter".

1504 verletzte ihn bei der Belagerung von Landshut ein Schuss aus einer Feldschlange. Die Kugel traf den Schwertknauf und dessen Splitter trennten die Hand am Handgelenkt vom Arm. Im Feldlager amputierte sie ihm der Medicus endgültig, um einen Wundbrand zu verhindern. Seinem Wissen nach hatte ein Reiter "Kochle" eine Prothese aus Eisen. 22 Einige Jahre später ließ er sich eine solche anpassen und avancierte zum "Ritter mit der eisernen Hand". Diese Prothese, eine sogenannte "Balbronner Hand" verfügte über verschiedene Bewegungsmechanismen und eine einfache Greiffunktion, die wieder aufgelöst werden konnte.

Auf der Suche nach einem Stützpunkt erwarb er 1517 Burg Hornberg von Konrad Schott von Schottenstein, seinem Freund. 23 . Berlichingen zeichnete sich als edlen Mann, aber de facto war er käuflich. So ließ er sich etwa binnen Jahresfrist für eine Fehde gegen Konrad Schott anheuern, den er weiterhin als Freund bezeichnete. Diese Fehde nahmen ihm seine Gesinnungsgenossen übel, wobei es Konrad nicht gelang, ihn gefangen zu nehmen. Immerhin war Götz so ehrlich, Konrad die letzte Rate für die Burg (2500 Gulden) zu zahlen. Die Übergabe sollte an Konrads Frau Dorothea von Schottenstein in Schweinfurt erfolgen. Da Schotts Männer nicht alle Schweinfurter Stadttore bewachten, konnte Götz auf eine Warnung hin entkommen. Er hatte sich vorher strategisch überlegt, welches Tor warum besonders bewacht wäre. Er wählte das unbedeutende Tor nach dem Schleiteich; der weitere Weg machte ihm anschließend viele Umstände, aber deswegen war es wohl auch nicht gut bewacht... 24 Das unscheinbare Tor muss man auch heute noch suchen. " Damit kann Götz nur das äußere Obertor (erbaut1502) gemeint haben. Der Schleiteich ist der Spitalsee. Der Schleichleinsgraben ist der Pfanngraben, dessen Wasser durch den Spitalsee floss ." 25

Der Weg nach Norden durchs Obertor schien den Verfolgern strategisch uninteressant; der Süden mit dem Main, der Westen nach Würzburg, der Osten nach Bamberg boten die angesagten ausgebauten Fluchtwege. So entschied sich Göttz für das kleine Tor bei der Neuen Gasse 57, wo er das Überraschungsmoment für sich verbuchen konnte. 26

Dann kam der Bauernkrieg, in dem Bauern Götz für sich gewannen - angeblich mit Drohungen, was der Solidarität nicht förderlich war. Er entzog sich bei der erstbesten Gelegenheit den Aufständischen, wie dies Friedrich Engels beschrieb: " Die vor Würzburg vereinigten Haufen hatten inzwischen den Frauenberg belagert und am 15. Mai, noch ehe die Bresche geschossen war, einen tapfern, aber vergeblichen Sturm auf die Festung versucht. 400 der besten Leute, meist von Florian Geyers Schar, blieben in den Gräben tot oder verwundet liegen. Zwei Tage später, am 17., kam Wendel Hipler an und ließ einen Kriegsrat halten. Er schlug vor, nur 4.000 Mann vor dem Frauenberg zu lassen und mit der ganzen, an 20.000 Mann starken Hauptmacht unter den Augen des Truchseß bei Krautheim an der Jagst ein Lager zu beziehen, auf das sich alle Verstärkungen konzentrieren könnten. Der

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