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Rosa Roman in zwei Erzählungen von Arenas, Reinaldo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.03.2013
  • Verlag: Edition día
eBook (ePUB)
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Rosa

'Rosa' beschreibt in zwei Erzählungen den Weg einer kubanischen Familie zur Zeit der Revolution. In der ersten schildert Reinaldo Arenas die turbulente Entwicklung der einzelnen Familienmitglieder, ihre persönliche Geschichte, die eng mit der Kubas verwoben ist. Am Anfang steht die Katastrophe: Ein alles verschlingendes Feuer vernichtet eine Finca, inmitten dieser apokalyptischen Szenerie eine alte Frau - 'La vieja Rosa', die kurz vor ihrem selbst gewählten Flammentod ihr Leben an sich vorbeiziehen zieht. Es ist die Geschichte eines schleichenden Verlustes. Nach und nach verliert Rosa alles: ihren Mann durch Selbstmord; Armando, ihren ältesten Sohn, an die kubanische Revolution; ihre Tochter Rosa, die gegen ihren Willen einen Schwarzen heiratet; ihre Farm an die Kooperative; und zu guter Letzt ihren Lieblingssohn Arturo an einen anderen Mann, mit dem sie ihn nackt im Bett findet. Rosas traditioneller Lebensraum bricht zusammen, es gibt kein Zurück mehr in die 'heile' Welt. Der Kreis schließt sich: Am Ende steht der Feuertod. Obsession und Angst, Erfüllung und Verlust bestimmen dieses scheinbar unausweichliche Schicksal in einer Mischung aus Entwicklungsroman und spannungsreicher Abenteuerstory. Die zweite Erzählung 'Arturo, der hellste Stern' knüpft an dieses Schicksal an. Nach der Beerdigung seiner Mutter treibt sich Arturo an den einschlägigen Plätzen Havannas herum. Er wird festgenommen und in ein Gefangenenlager verbracht. Um zu überleben, um sich 'ein Fenster zur Freiheit zu öffnen', schreibt er seine poetisch-mythologischen Fantasien nieder, die sein eigenes Leben spiegeln wie auch die Realität des Lagerlebens im kommunistischen Kuba. Von Reinaldo Arenas außerdem in der Edition diá: Engelsberg. Roman ISBN 9783860345283 Der Palast der blütenweißen Stinktiere. Roman ISBN 9783860345290 Reise nach Havanna.Roman in drei Reisen ISBN 9783860345191 Wahnwitzige Welt. Ein Abenteuerroman ISBN 9783860345306 Reinaldo Arenas, 'einer der ergreifendsten kubanischen Romanschriftsteller des 20. Jahrhunderts' (Jesús Díaz), 1943 im Osten Kubas geboren. Kind der Revolution, von ihr verfemt und verstoßen. 1980 Flucht in die USA, 1990 in New York gestorben. Seine furiosen Memoiren 'Bevor es Nacht wird' - Schelmenroman, éducation sexuelle und politisches Manifest zugleich - wurden zu einem weltweiten Bestseller, der von Julian Schnabel mit Javier Bardem in der Hauptrolle 2000 verfilmt wurde. Sie gehören zu den großen Konfessionen unserer Zeit: eine hymnische Schamlosigkeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 140
    Erscheinungsdatum: 28.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783860345207
    Verlag: Edition día
    Größe: 856 kBytes
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Rosa

Ganz zuletzt ging sie, von den Flammen fast völlig umhüllt, auf den Hof hinaus, lehnte sich an den Tamarindenbaum, der nicht mehr blühte, und begann zu weinen, so als ob die Klage nie einen Anfang gehabt hätte, sondern immer schon da gewesen wäre und ihre Augen in Tränen getaucht und dieses Ächzen erzeugt hätte wie das des Hauses in dem Augenblick, da die Flammen die stärksten Stämme wanken ließen und, begleitet von einem riesigen, wie ein Feuerwerk die Nacht erhellenden Funkenregen, dieses flimmernde Gerüst zum Einsturz brachten. Sie hörte nicht auf zu weinen, und ihr von rötlichem Licht umkränztes Gesicht schien für Momente das eines Mädchens zu sein, das sich inmitten eines jener Unwetter verirrt hatte, wie man sie nur von den berückenden Illustrationen der Geschichten von Hexen und anderen Phantasmen her kennt, Geschichten, die sie nie gelesen hatte. Manchmal aber, wenn ihr die Flammen fast bis an die Augen loderten und die Wimpern versengten, schien ihr Gesicht auf mit all den Spuren, die die Zeit darin eingegraben hatte. Dann sah man deutlich, dass es eine alte Frau war, die da stand. Und wäre jemand aus der Nachbarschaft vorbeigekommen, so hätte er bestätigen können, dass es niemand anders sein konnte als die alte Rosa. Die Holzscheite flogen, noch brennend, durch die Luft und fielen ins hohe Gras, das auf dem Hof wucherte. Das Feuer wurde stärker, lohte plötzlich überall und drohte, die Frau, die immer mühevoller nach Luft rang, zu verschlingen. Sie war von den Flammen umschlossen, und hätte sie geschrien, so hätte vielleicht niemand ihren Ruf gehört, er wäre untergegangen im Prasseln des Grases und Bersten der Bäume, die im Augenblick als kurze Aschewirbel in der Luft zerstoben. Sie war vom Feuer eingeschlossen, und zu anderen Zeiten hätte sie erschrocken gesagt oder zumindest gedacht: O mein Gott, das ist die Hölle. Und auch wenn sie sich verloren gefühlt hätte, so hätte sie doch zu beten angefangen. Jetzt aber betete sie nicht, rief auch nicht, sah nicht einmal das Feuer, das ruhelos schon an ihrem Rocksaum emporzüngelte. Was sie aber sah, waren Wirklichkeiten, die für sie um vieles wichtiger waren.

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