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Samir, genannt Sam von Bouzamour, Mano (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2016
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Samir, genannt Sam

Temporeich, authentisch und unverschämt erzählt Mano Bouzamour von einer Jugend im Einwandererviertel von Amsterdam. Auf einem gestohlenen Flügel spielt Samir, genannt Sam, morgens klassische Musik, beim Freitagsgebet in der Moschee kämpft er mit Fantasien von blonden, nackten Teufelinnen, im Geschichtsunterricht träumt er von Rache für die mutige Anne Frank, am glücklichsten ist er jedoch, wenn er nachts mit seinem geliebten Bruder auf der Vespa durch Amsterdam brausen darf. So wächst Sam als Sohn marokkanischer Einwanderer im bunten De-Pijp-Viertel heran, bis sein großer Bruder, der von Betrug und Diebstahl lebt, verhaftet wird und für sechs Jahre in den Knast muss. Doch Sam verspricht ihm, allen Widerständen zum Trotz den Schulabschluss im bürgerlichen Elitegymnasium zu schaffen, und meistert ein Leben voller Kontraste mit viel Witz und Frechheit. Mano Bouzamour, geboren 1991 in Amsterdam. Er studiert Geschichte und lebt als Klaviervirtuose und Autor in Amsterdam. 'Samir, genannt Sam' ist sein autobiografischer Debütroman. Das Buch wurde in den Niederlanden als Roman einer neuen, urbanen Generation gefeiert, der Stoff wurde für Film, Theater und Hörspiel bearbeitet. Bouzamour schreibt jede Woche eine vieldiskutierte Kolumne in der Tageszeitung Het Parool.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 296
    Erscheinungsdatum: 01.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701745319
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 999 kBytes
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Samir, genannt Sam

Prolog

Mann, Maria voller Gnade, ich darf aufs Gymnasium, verdammt noch mal. Mein Bruder und ich liefen gut gelaunt zwischen rauchenden Jugendlichen die Eingangstreppe der Schule hinunter, wo ich gerade mein Kennenlerngespräch geführt hatte. Weil meine bescheuerte Grundschullehrerin mir nur eine Hauptschulempfehlung gegeben hat, obwohl ich laut Abschlusstest fürs Gymnasium geeignet bin, sollte ich mit einem Elternteil zum Gespräch kommen. Dann wollten sie entscheiden, ob ich aufs Gymnasium durfte oder nicht. Wie immer bei Schulgesprächen war mein Bruder dabei.

Eine Niederländischlehrerin nahm mich ins Kreuzverhör. Hätte nur noch gefehlt, dass sie mich an den Stuhl fesselt. Eine Dreiviertelstunde später schloss sie mit der Frage: "Versprichst du mir, dir wirklich Mühe zu geben, wenn du hier bei uns einen Platz bekommst?"

"Aber selbstverständlich."

Sie hatte zu meinem Bruder geschaut, der neben mir saß.

"Sie haben das auch gehört? Sehr schön. Dann habe ich ja einen Zeugen. Sorgen Sie dafür, dass er Wort hält?"

"Wie ein Gefängniswärter, da können Sie ganz beruhigt sein. Die nächsten sechs Jahre gehört er mir."

Mein Bruder legte mir seine warme Hand in den Nacken. Wir überquerten die Straße und gingen zu Soussi, dem engsten Freund meines Bruders, der auf dem Bürgersteig auf uns wartete. Er saß auf seiner eigenen Vespa, die Füße aber hatte er auf den Roller meines Bruders gestellt. Mein Bruder flüsterte: "Tu so, als wärst du ganz geknickt", und dann rief er Soussi zu: "Nimm die Flossen von meinem Roller!"

Soussi sprang auf, als er uns sah. Er sprach platteren Amsterdamer Dialekt als der Schlagersänger André Hazes. "Hier an der Schule laufen echt klasse Weiber rum, Alter. Und? Was hat se gesagt? Wie lief's? Haste nen Platz gekriegt?"

Ich spielte mit dem Schirm meiner verkehrt herum aufgesetzten roten Lacoste-Kappe, aus der meine Tolle wie eine hohe Welle aufragte, seufzte tief und sagte: "Nee, Mann."

"Nee? Echt jetz?" Er sah meinen Bruder an: "Soll ich denen mal Bescheid stoßen? Willste das? Ich geh da gleich mal rein, mir doch egal, das macht mich noch ganz meschugge!"

Soussi klappte die Sitzbank seines Rollers hoch, steckte den Kopf halb ins Staufach und wühlte darin herum.

Mein Bruder fragte: "Was hast du vor? Dem Direktor ins Bein schießen?"

"Wenns sein muss."

"Ach, hör doch auf."

"Es sind doch alles nur miese Faschos. Wäre ich bloß mitgekommen, aber nee: 'Wart mal kurz', war die Ansage. Ihr schämt euch wohl für mich!"

"Sam hat einen Platz bekommen."

Soussi schaute auf.

"Echt?"

Ich nickte eifrig.

"Wusst ichs doch! Ich hab euch gleich durchschaut. Komm mal her, Kleiner." Er umarmte mich und sagte: "Das muss gefeiert werden, gehn wir Eis essen?" Soussi schielte schelmisch auf eine Gruppe fröhlich hüpfender Sommerkleider, wahrscheinlich Abiturientinnen, angesichts der Tatsache, dass sie über alle weiblichen Attribute verfügten. "Kannste gleich mal mit dem Eis üben, hier an der Schule wirste die nächsten Jahre garantiert ne Menge lecken, das sag ich dir."

"Bäh", sagte ich.

"Der muss die nächsten Jahre einen Keuschheitsgürtel tragen. Dann kann er sich auf die Schule konzentrieren, stimmt's, Sam?"

Soussi ignorierte meinen Bruder und schaute mich an: "Bäh? Magst du kein Eis?" Jetzt erst wandte er sich an meinen Bruder: "Dir sollte man sonen Keuschheitsgürtel oder was umschnallen. Möchte ja gern wissen, wann dein Schwanz mal schlappmacht."

"Dafür sollte man dich lebenslang in eine Zwangsjacke stecken, Soussi. In die Geschlossene gehörst du, aber echt. Du wolltest dich gerade an einer unschuldigen Lehrerin vergreifen."

"Keiner ist unschuldig. Lehrer schon gar nicht. Wozu wären sie sonst Lehrer? Für Sam ist son Keuschheitsgürtel trotzdem ne geile Idee."

"Mann, du bist so versaut", sagte mein Bruder.

"Selber."

"Kein Wunder, dass du

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