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Schieles Handschrift Historischer Roman von Schönner, Johannes (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.11.2016
  • Verlag: myMorawa
eBook (ePUB)
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Schieles Handschrift

Der junge Maler Egon Schiele und Wien im Jahre 1909. Die Kräfte des bedingungslosen Fortschritts und der Moderne prallen auf mächtige Stützen des Bewahrens. Die Modernisten scharen sich um Schriftsteller und Maler, um Musiker und junge Schriftsteller. Die bekannte, etablierte Welt hat sich überlebt - doch maßgebliche Kreise der alten, sterbenden Monarchie wollen es noch nicht wahrhaben. Obsessionen greifen um sich, die Besessenheit kennt keine Grenzen mehr - erst recht solche, die das Innerste des Menschen berühren. Sexualität wird zum Schlachtfeld zwischen den absoluten Moralvorstellungen der Väter und dem Freiheitswunsch der Söhne. Die Modernisten wollen alle schwächlichen Kompromisse hinter sich lassen und damit auch jegliche Moral der Vergangenheit. Aber an der Oberfläche der Gesellschaft zeigt sich davon nur ein unruhiger Schein. Erst ein Mord an einem jungen Modell lässt diese Konfrontation aufbrechen. Zwischen alt und neu. Ausgedrückt in der Sprache der Kunst: zwischen Dekoration und Pornographie, zwischen Konvention und Lust. Und zwischen der Rivalität junger Künstler. Die jährliche Kunstausstellung in der Hauptstadt der Monarchie wird zu einem leidenschaftlichen Überlebenskampf. Die Kunst spielt mit Extremen. Wie weit würden Künstler dabei gehen? Einer der jungen Maler ist Egon Schiele. Der Rest ist Geschichte. Ein emotionaler historischer Kriminalroman, wunderbar fesselnd und glaubwürdig, mit lebensecht gezeichneten sympathischen und weniger sympathischen Protagonisten vor der unaufdringlich geflochtenen Kulisse der Stadt Wien im Jahre 1909. ohannes Schönner, Mag. Dr. phil, Historiker und Wissenschaftler. Seit Jahren als Schriftsteller und Autor tätig. Mit "Schieles Handschrift" präsentiert er nach "Im Schatten des Schafotts" und "Traite des Blanches" seinen dritten historischen Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 11.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990571682
    Verlag: myMorawa
    Größe: 1069kBytes
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Schieles Handschrift

Samstag, 22. Mai 1909

Tags darauf stand der Fall, kaum dass der Leichnam im Kohlenkeller gefunden worden war, vor seiner Aufklärung. Teilweise zumindest, so hatte es den Anschein. Die Tote konnte noch nicht lange tot gewesen sein. Eine Woche vielleicht. Wenn überhaupt. Die Leichenöffnung brachte ans Licht, was für Albrecht auch mit freiem Auge sichtbar war. Die Tote lag wohl zwei, drei Tage im Keller, bestimmt aber nicht länger. Erschlagen mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf. Metall, kein Holz. Die Gerichtsmedizin bestätigte Albrechts grobe Prüfung. Zwei massive Schläge gegen die Schläfe und die Stirn. Der Kohlenstaub hatte sich in den Poren der Haut abgelegt und gleich einem Kalender des Todes seine Spuren hinterlassen. Der Bericht der Gerichtsmedizin war deutlich wie selten in solchen Fällen. Der Tod der jungen Frau musste Mittwoch oder Donnerstag vergangener Woche eingetreten sein. Der Bericht gab aber eine weitere Antwort. Die Frau war nicht im Keller getötet, aber wenig später nach ihrer Ermordung hierher gelegt worden. Ihre Haut, vor allem die Schleimhaut war noch feucht genug gewesen, um Kohlenstaub aufzunehmen. So stand es im Bericht. Sowohl in der Nase, als auch in der Scheide war gerade so viel Kohlenstaub, dass der Tag ihrer Ermordung einigermaßen klar eingegrenzt werden konnte. Auch zum Bild in ihrem Geschlecht wusste der Bericht für Albrecht Neues. Es war eindeutig, dass man das Bild erst im Keller ihr ins Geschlecht gestoßen hatte. Jedoch sie war nicht vergewaltigt worden. Zumindest hier hatte sich Albrecht geirrt. Alle Umstände hätten für eine Vergewaltigung vor ihrer Ermordung gesprochen.

Albrecht las den Bericht ein paar Mal. Die Vorstellung der Ermordung der jungen Frau und ihre anschließende Ablegung ekelten ihn an. Doch weshalb dieser Ort? Dreckig, scheußlich, stinkend, modrig. War es denn wirklich Zufall, dass die Tote so rasch gefunden wurde? Ein Kohlenkeller kann ein Ort sein, wo ein Leichnam jahrelang nicht gefunden werden kann. In einem Keller wird etwas verräumt, verstaut, vergessen. Oder reichte es dem Mörder gar, die tote Frau für ein paar Tage abzulegen, um sie dann wieder ans Tageslicht bringen zu lassen? Doch welcher Mörder war schon mit Fragen der Logik zu überführen? Die wenigsten Mörder wohl.

Doch wenn jemand, der mit Kalkül eine Leiche in einem Keller ablegt, sie sexuell demütigt, ein solcher Täter überlässt doch nichts dem Zufall? Irrte der Kommissär hier neuerlich? So wie bei der vermuteten Vergewaltigung? Doch Albrecht hielt etwas anderes für möglich, nämlich dass sich der Mörder schlicht geirrt hatte. In den Kellerabteilen daneben hätte man eine Leiche unter den Kohlenbergen vielleicht jahrelang nicht gefunden. Ein Wohnungskeller stand leer, der andere gehörte einem Kaufmann, der während der Winterzeit in Italien geschäftlich zu tun hatte. So viel hatten die Nachforschungen von Sindelar ergeben. Warum also genau in diesem Keller? Doch nur ein folgenschwerer Fehler des Mörders? Aber machen nicht alle Mörder irgendwann einen Fehler? Dennoch war es für Kommissär Albrecht überraschend allemal. Aber es blieb nicht die einzige Überraschung an diesem Tag.

Im Sicherheitsbüro auf der Elisabethpromenade wartete aber noch eine andere Überraschung auf Albrecht. Eine Überraschung deshalb, weil unerwartet, ohne Ankündigung. Jedoch nicht unwillkommen.

"Ein junger Herr, a' vornehmer, wartet auf sie, Herr Oberkommissär, ... " Agent Josef Weintögl hatte Journaldienst. Doch mehr wusste Weintögl nicht.

Einen solchen Herrn fragt man nicht weiter, noch dazu, wenn sich der 'junge, vornehme Herr nach dem Oberkommissär erkundigt. Albrecht war in seinem Büro, hatte seinen Paletot an einem Garderobenhaken gehängt - die Morgenstunden zeigten kalte Temperaturen gegen 50 Grad Fahrenheit - als zwei Männer in sein Büro eintraten. Weintögl begleitete einen Herrn, wohl nicht älter als dreiundzwanzig, vierundzwanzig Jahre in das Chefz

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