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Schlag weiter, Herz Roman von Pfeifer, David (eBook)

  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Schlag weiter, Herz

Ein Roman, der voll ins Herz trifft Nichts schlägt härter zu als die Liebe. Das lernt Mert, als er Nadja bei einem Boxturnier begegnet. Mert kämpft verbissener um Nadja als um alles andere in seinem Leben. Kaum hat er sie für sich gewonnen, verliert er sie wieder - und sich selbst damit auch. Jahrelang versuchen die beiden, sich gegenseitig glücklich zu machen. Sie werden älter und erfahrener, aber sie müssen einsehen, dass man in der Liebe immer Anfänger bleibt. Mert erlebt Siege und Niederlagen, Leidenschaft und Verrat. Wenn er nicht Zuflucht beim Boxen sucht, richtet er sich an Nadja aus. Bis er den letzten Kampf verloren hat und nur noch sie bleibt. David Pfeifer, Jahrgang 1970, Österreicher, wuchs in München auf, bevor es ihn 1993 nach Hamburg zog, um für das legendäre Magazin Tempo zu arbeiten. Weitere Stationen waren der Stern und Vanity Fair. Seit 2014 ist er leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Die Rote Wand ist sein dritter Roman. Er lebt heute wieder in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641112158
    Verlag: Heyne
    Größe: 728 kBytes
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Schlag weiter, Herz

2

Merts Leben begann in dem Moment, als er Nadja begegnete. Mert sagte und tat nichts mehr, ohne es an ihr auszurichten. Er verhielt sich trotz oder wegen ihr. Alles, was er alleine erlebte, war erst von Bedeutung, nachdem er es ihr erzählte. Was Nadja nicht von ihm wusste, würde mit ihm verschwinden.

Nadjas Schönheit wollte entschlüsselt werden. Ihre Augen standen nah beieinander, meistens blickte sie skeptisch. Sie trug ihre schwarzen Haare kurz geschnitten. Ihre Gesichtszüge sahen aus wie geschnitzt, was sie älter wirken ließ, obwohl sie noch jünger war als Mert. Bei dieser ersten Begegnung fühlte er sich, als habe er einen Schatz entdeckt, der anderen verborgen blieb. Doch das Auffälligste war nicht Nadjas Aussehen, sondern ihre Anwesenheit.

Sie saß im Bus der Hamburger Boxauswahl, auf dem Weg zu einem Vergleichskampf gegen die Ukraine in Schwerin. Ein Dutzend junger Männer verschiedener Gewichtsklassen verteilte sich im Bus, alle so voller Kraft, dass sie kaum gerade sitzen konnten. Beine hingen über Armlehnen, Köpfe ragten in den Gang.

Mert hatte verschlafen, nachdem er die halbe Nacht mit seinem Vater gestritten hatte, wegen Geld, das in der Haushaltskasse fehlte. Im Nieselregen war er dem Bus hinterhergesprintet, an der zweiten Ampel hatte er ihn eingeholt. Wasser und Schweiß tropften an ihm herunter, seine Sporttasche schnitt in seine rechte Schulter und verzog seinen Trainingsanzug zu einer betonfarbenen Stoffmasse. Mert war in einem denkbar schlechten Zustand, um seinem Schicksal gegenüberzutreten.

Ein paar Sekunden stand er im Gang, um wieder zu Atem zu kommen. Einige der Jungs schliefen im Sitzen, die Hauben ihrer Kapuzenpullis tief ins Gesicht gezogen. Andere grüßten mit einem Kopfnicken. Mert schob sich durch den Mittelgang, seine Tasche blieb an Armlehnen und schlafenden Kollegen hängen. Nadja saß entgegen der Fahrtrichtung an einem der kleinen Tische neben Felix Borau, dem Star der Hamburger Boxauswahl. Sie wirkte wie eine Porzellantasse in einem Maschinenraum.

Als Mert an ihrer Reihe vorbeiging und sich umdrehte, sah sie ihn mehrere Sekunden an, und ihre Ausdruckslosigkeit schien etwas zu verschleiern. Sie lächelte kurz, bevor sie sich in das Buch flüchtete, das aufgeschlagen auf dem Tisch vor ihr lag. Mert fing Felix' Blick auf, der wortlos sein Revier sicherte. Zwei Bankreihen weiter fand Mert einen freien Platz und ließ sich hineinfallen. Keine Stelle an seinem Körper war trocken geblieben.

Während der Bus durch den Regen fuhr, packte Mert seine Kampfkleidung aus der Sporttasche. In der Reihe neben ihm döste ein Fliegengewichtler, auf dessen grauem Sweatshirt in großen Lettern "Boxen" gedruckt stand. Der Junge hatte sich in seinen Pulli gewickelt wie in eine Decke. Mert streifte sich die nassen Sachen ab und kramte in seiner Tasche. Zwischen Duschgel, Boxhandschuhen und Kopfschutz fand er einen ausgeblichenen Guns-N'-Roses-Pullover. Er wischte sich mit einem Handtuch trocken und suchte nach seinem Deo. Der Junge auf der anderen Seite des Gangs drehte sich im Halbschlaf zur Seite und motzte. "Whoa Alter, du stinkst."

Mert sprühte Unmengen von Deo unter seine Achseln, was seinen Nachbarn endgültig aufweckte.

"Das ist ja abartig, willst du uns vergasen?" Der Junge schob seine Kapuze zurück und sah Mert nackt in der Bankreihe neben sich sitzen. "Alter, wenn du nicht doppelt so groß wärst wie ich, würde ich alle wach machen, damit sie das sehen können."

Mert schlüpfte in seine Kampfhose. Danach streckte er seine Faust zum Gruß über den Gang.

"Mert."

"Ali", erwiderte der Junge, als er mit seiner Faust einmal oben und einmal unten auf Merts Faust klopfte.

Mert kannte Ali Örgen, den einzigen Hamburger Verbandsboxer, der einen ähnlic

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