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Schnee kommt Roman von Aichner, Bernhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.07.2013
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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Schnee kommt

Tag für Tag sitzt Ruben in seinem Sessel und starrt aus dem Fenster. Tag für Tag sieht er den Geldtransporter, der vor der Bank gegenüber hält. Eines Tages steht er auf, geht über die Straße, nimmt einen der unbewachten Geldkoffer und macht sich davon - auf in ein neues Leben. Auf seiner Flucht durch die Nacht gerät er in einen Unfall mitten in einem Tunnel. Während draußen der Schnee fällt und die Straßen gesperrt werden, sind im Tunnel fünf Menschen von der Außenwelt abgeschlossen. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, jeder sein dunkles Geheimnis - ein tödliches Drama nimmt seinen Lauf. In seinem Roman Schnee kommt inszeniert Bernhard Aichner ein packendes Kammerspiel menschlicher Abgründe - virtuos komponiert, temporeich und bis zur letzten Seite fesselnd.

Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Mehrere Literaturpreise und -stipendien, zuletzt der Burgdorfer Krimipreis (2014). Zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele sowie Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Bei HAYMONtb erschienen die Max-Broll-Krimis 'Die Schöne und der Tod' (2010), 'Für immer tot' (2011) und 'Leichenspiele' (2012) sowie der Roman 'Nur Blau' (2012).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 15.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709974360
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 1096 kBytes
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Schnee kommt

DIETER

Immer dasselbe Spiel.

Wenn es gelb wäre, würde er gehen, er würde einfach gehen, seine Sachen packen, sie nicht wieder sehen, es würde ihm egal sein, ob sie leidet, ob sie ihn verflucht, er würde sie verlassen, wenn es gelb wäre.

Er glaubte daran. An seine Entscheidung.

Dieter saß in seiner Kabine und umschlang mit vier Fingern seinen Daumen. Er hoffte, er wollte, dass sich etwas veränderte, er schaute ins Dunkel. Ein Auto, das aus dem Schwarz kam, nur zwei Lichtkegel zuerst durch die Schneeflocken hindurch, dann kam es näher, noch näher, dann sah man seine Farbe, es war grün.

Er würde nicht weggehen, er würde bei ihr bleiben. Sie war der einzige Mensch, den er hatte, der mit ihm leben wollte, da war sonst niemand. Er musste sich zufriedengeben mit ihr, egal, wie sehr er es hasste, sie wegwünschte von sich, er hasste sie, er liebte sie, er brauchte sie, egal, ob ihm schlecht wurde, wenn sie ihn berührte, wenn sie mit ihrer Hand über seinen Kopf strich, ihm Kosenamen zuwarf, ihn tätschelte wie ein Pferd. Er würde sie weiterhin ertragen, er brauchte sie. Kein gelbes Auto. Er würde bei ihr bleiben. Das Auto hatte entschieden. So waren die Regeln.

Nachts eine Straße über die Berge, ein Tunnel, neun Kilometer lang, eine Mautstation, eine kleine Kabine, sein Zuhause. Alles hier war altmodisch, heruntergekommen, die Strecke wurde nicht mehr viel befahren, Renovierung lohnte sich nicht, irgendwann würde man alles stilllegen, keine Autos mehr durch diesen Berg schicken. Die Arbeit warf gerade genug ab, dass er davon leben konnte, er und der Mann auf der anderen Seite des Tunnels, beide in kleinen Kabinen aus Plexiglas.

Dieter arbeitete hier. Er war Mautner, er war einunddreißig Jahre alt, und er wünschte sich etwas anderes. Nacht für Nacht spielte er. Auto für Auto.

Aber nichts geschah, alles blieb, wie es war. Es schneite. Er schaute hinaus und wartete auf das nächste Auto.

Pink. Und er würde kündigen. Wenn das nächste Auto pink wäre.

Aber es gab keine pinken Autos auf dieser Straße. In zwei Jahren kein einziges. Trotzdem pink. Er wollte es wissen, er würde in die Stadt ziehen, diesen Job kündigen und endlich Musik machen, seine Musik. Egal, wie unmöglich es war. Pink. Mit seinen Gitarren in den Norden. Pink. Egal wohin, egal, wie schwierig es sein würde, was auf ihn zukommen würde, egal was. Nur weg von ihr. Von seiner Kabine. Diesem Tunnel.

Pink. Dieter presste seine Finger aneinander.

Die zwei Lichtkegel kamen auf ihn zu, alles könnte sich verändern, alle Farben waren möglich, es kam unter den Scheinwerfer vor der Mautstelle, er war sich sicher, es gab pinke Autos zwischen diesen Bergen, alles war möglich in dieser Nacht. Es kam näher. Dieter presste seine Lippen zusammen. Er sah es. Ein Audi. Nicht pink. Nur blau. Tief atmete er ein und aus.

Ein Schwarzer am Steuer, daneben eine Frau.

Dieter presste Luft zwischen seinen Lippen nach außen, der Schwarze streckte seine Kreditkarte aus dem Auto, sprach nicht, schaute feindselig, er schien wütend. Dieter gab ihm die Quittung.

Falsche Farbe, dachte er, falsches Auto, falsche Welt, alles falsch. Wie immer.

Er war enttäuscht, er war erleichtert, beides, er überlegte, er war sich nicht mehr sicher, er wollte nichts riskieren, er spürte, dass etwas Besonderes war in dieser Nacht, er entschied sich für Orange. Wenn es orange wäre, würde er gehen. Orange ist häufiger als pink, flüsterte er v

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