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Schneekristallküsse Roman von Marienhagen, Elisabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2018
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Schneekristallküsse

Nora, die aus unerfindlichen Gründen panische Angst vor Eis und Schnee hat, und ihr Chef Paul geraten kurz vor Weihnachten in einen Schneesturm. Sie finden zwar einen Unterschlupf, müssen sich dort aber ein Zimmer teilen. Während es zwischen den beiden knistert, kommt Nora dem Ursprung ihrer Ängste auf die Spur und deckt ein streng gehütetes Familiengeheimnis auf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 290
    Erscheinungsdatum: 01.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783962152321
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 1540 kBytes
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Schneekristallküsse

Die Bitte

Nora Brandt legte Stift und Zeichenbrett beiseite und hob und senkte die Schultern, um ihre verspannten Muskeln zu lockern. Meist saß sie im Eifer des Gefechts viel zu verkrampft vor dem Computer. Sie wandte den Kopf und sah aus dem Fenster der ehemaligen Dorfschule. Sie mochte den Ausblick auf die von Bänken umrahmte alte Linde neben der Hauptstraße. Männer und Frauen aus dem Dorf schwatzten sogar mitten im Winter dort.

Gerade hielt ein Wagen bei zwei älteren Herrschaften und der Fahrer plauschte in aller Gemütsruhe, während der Motor weiterlief. Verräterische weiße Wölkchen stiegen aus dem Auspuff. Sie selbst fror lieber, als die Umwelt unnötig zu verpesten. Nora überlegte, ob sie das Fenster öffnen und ihm etwas zurufen sollte, aber er fuhr bereits davon.

Der verhangene Himmel zeigte ein bedrohliches Schiefergrau. Bisher hatte es noch keinen nennenswerten Schneefall gegeben, weder im November noch im Dezember. Jetzt sah es unheilvoll danach aus. Nora wusste nicht warum, aber sie verabscheute Schnee soweit ihre Erinnerungen zurückreichten.

Die beängstigenden weißen Flächen ...

Schon im Kindergarten, wenn die anderen Jungen und Mädchen ihrer Gruppe die Nase am Fenster platt drückten und jauchzend den ersten Schneeflöckchen zuschauten, floh Nora unglücklich in die hinterste Ecke. Ihre Freundin Emily, die am Nebentisch eifrig auf die Tastatur hämmerte, hatte von Kindesbeinen an miterlebt, wie sehr Nora die kalte Jahreszeit hasste. Damals wie heute. Das war gleich geblieben. Sie zog ihre blaue Strickjacke enger über der Brust zusammen und seufzte laut.

Emily reagierte prompt. "Nora, Schatz, um was wetten wir, dass es heute nicht schneit?"

"Wenn ich die Wahl habe: um gar nichts. Du gewinnst sowieso immer."

"Tja, Glück im Spiel ..."

Pech in der Liebe , ergänzte Nora unwillkürlich.

"Aber du brauchst dir wegen des Schnees wirklich keine Sorgen zu machen. Vertrau meinem Riecher oder wenigstens dem Wetterbericht. Außerdem, selbst wenn es schneit, kannst du auf mich zählen. Also Kopf hoch!"

"Ich werde mich bemühen, Emi." Vor dem ersten Schnee des Jahres wuchs Noras Panik weit über das normale Maß hinaus, das wusste ihre Freundin.

Ablenkung half. Nora griff nach ihrem Eingabestift und überlegte, welche Datei sie anklicken sollte. Die Baba Jaga, ihre Hexe, oder den Skorpion, an dem sie seit ein paar Tagen arbeitete. Spontan wählte sie das Spinnentier. Nur das leise Schaben des Stifts auf Noras Grafiktablet und das Klappern von Emilys Computertastatur unterbrachen die Ruhe um sie herum. Der Raum war hervorragend ausgeleuchtet.

Paul Gaspary, ihr Chef, sorgte nicht nur für Lampen mit Tageslichtspektrum, sondern auch für ein gutes Betriebsklima. Sie waren ein junges Team, alle duzten einander. Dass es in der Firma so familiär und lässig zuging, hatte Nora besonders gefreut, als sie zum Team gestoßen war. Nun ja, eine Spieleschmiede konnte man wohl nicht mit einem traditionellen Unternehmen vergleichen.

Ob es in den Zimmern der alten Dorfschule jemals so leise gewesen war? Wie viele Schüler hier wohl auf Schiefertafeln gekritzelt hatten? An Mathematikaufgaben und Deutschdiktaten verzweifelt waren? Genügend vermutlich. Das Haus hatte über hundert Jahre auf dem Buckel. Nora kniff die Lider ein wenig zusammen.

Kritisch musterte sie die Umrisse des Skorpions. Er stellte eine lebende Waffe dar, deshalb ragte der Stachel unrealistisch groß und bedrohlich spitz in die Höhe. Sie dirigierte den Stift zur Farbauswahl. Sollte sie Sandbraun für den Panzer wählen? In allen Nuancen eine optimale Tarnfarbe, aber ihr Skorpion durfte auffallen. Schließlich gehörte er in ein Spiel. Nora rollte den Schreibtischstuhl zurück und begutachtete ihr Werk aus einem etwas größeren Abstand.

"Emi, schau mal, ich glaube, so ist er perfekt."

"Als ob was Männliches perfekt sein könnte", antwortete Emily belustigt.

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