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Schweres Blut von Aho, Juhani (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
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Schweres Blut

Juhani Aho, eigentlich Juhani Brofeldt, ( 11. September 1861 in Lapinlahti, 8. August 1921 in Helsinki), war ein finnischer Schriftsteller und Journalist. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 140
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956768187
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 558 kBytes
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Schweres Blut

I

Ein Mann - langrückig, in hedeleinenem Hemd und groben Rindenschuhen - fällt Bäume zum Schwenden auf dem Abhang eines hohen Hügels. Wenn die eine Birke niedersinkt, erbebt schon das Laub der anderen, und die Späne fliegen umher. Er haut Stämme um so dick wie sein Schenkel, wie wenn er Weidengestrüpp lichtete, ohne den Rücken zu strecken.

Der Hügel, dessen Abhang er rodet, liegt inmitten einer grenzenlosen Einöde, in der sich hier und da andere ähnliche Anhöhen erheben, wie Grashöcker auf einer überfluteten Schwemmwiese. All die anderen Hügel sind bis zur Spitze mit Wald bedeckt, nur dieser ist teilweise abgeschwendet; von unten nach oben ansteigend, vom südlichen Hang nach dem Scheitel hinauf strebt die Lichtung, doch ist sie noch nicht bis in die Mitte vorgedrungen. Indes ist da doch schon ein freier Fleck in der Wüstenei der Einöde, eine Kerbe im Urwald: ein grünendes Roggenfeld, weiter unten alte Rodungen, und noch weiter weg hinter einer Senkung ein Häuflein Gebäude, davor eine lange Landzunge, um die sich schmale Gewässer: kleine Seen, enge Straßen und Stromschnellen ziehen.

Soweit sieht man von da, wo der Mann den Wald fällt. Er macht eine Pause, blickt hinunter, sieht sein Feld, sein Gehöft, die Landzunge und die Stromschnelle. Er schwingt seine Axt, wie um in einen Baumstumpf zu schlagen, will aufatmen, senkt aber die Axt in einen neuen Stamm und schwankt von dem Schlag - der mit dem langen Rücken, dem hedeleinenen Hemd und den groben Rindenschuhen.

Die Axt hebt sich und senkt sich, löst sich los und schneidet ein; wenn ein Baum erkracht, bebt schon ein zweiter - und im Takt der Arbeit regen sich die Gedanken des Arbeitenden. Die einen kommen, die anderen gehen, indem sie eingreifen, wo sie haltgemacht, und haltmachen, wo sie angefangen hatten; immer ist es gleich schwer darüber hinwegzukommen und sich damit abzufinden.

- Mußte denn wieder im Unfrieden auseinandergegangen sein - mußten denn wieder die bitterbösen Worte gesagt werden! Daß sie es sagen konnte, wenn es ja auch wahr ist - aber daß sie es sagen konnte: "altes Gerippe, Krummbein, Hakenkinn!" Denn was kann ich dazu, was kann ich denn dazu, daß ich den Leibschaden habe? Das hast du ja gesehen, als du mich nahmst, du wußtest es ja, als du zu mir kamst, daß ich mit dem linken Beine hinke - aber daß du mir das sagen konntest?

Er hielt doch mit dem Fällen inne, legte die Axt auf den Boden und setzte sich.

- Ich bin ja schon alt, und ich habe ja auch nie mit meinem Aeußeren geprahlt. Aber brauchte ihr Auge denn darüber aufzublitzen wie bei einem bissigen, tückiscken Hund. Und wenn ich ihr da auch ein bißchen die Schultern streichelte, brauchte sie da aufzubrausen: "weg, pack dick, du!" - und nicht viel fehlte, so hätte sie mit dem Kochlöffel zugeschlagen. Ich wollte sie ja nur besänftigen, damit das Maulen aufhörte - damit wir uns wieder gut würden. - Ich habe sie ja immer in Ruhe gelassen .. wann habe ich mich denn an ihr vergriffen?

Wenn sie früher dann und wann ein heftiges Wort gesagt hat, bereute sie es gleich und vertrug sich wieder. - Hätte sie mir jetzt nur das Essen hergebracht, dann wäre es damit wieder gut gewesen. Wenn ich gehört hätte, daß sie kam, hätte ich ihr schon von fern gezeigt, daß ich nicht mehr daran denke. Wäre sie heute gekommen, wie sie früher kam, mit Singen, so daß der Wald vor ihr widerhallte, dann hätte ich ihr von hier entgegengebrüllt, ihr zugebrummt wie ein Bär, zum Zeichen, daß ich nicht mehr daran denke, darum solle sie es auch nicht.

Er wollte glauben, daß Maria noch komme. Das Laubholz zischelte in dem warmen Wind, die Ruhe tat dem Blute wohl. Wenn sie es aber auch gesagt hatte! Es mochte ihr nur in der Hitze entfahren sein, im Aerger über irgend etwas, nicht über mich. Dort in die Gabel zwischen den beiden Birken hebe ich sie hinauf wie einst als kleines Mädchen. Da sitzt sie dann wie der Kuckuck im Baum, ich rede hier von d

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