text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Snakie - Diana Roman von Bergander, Harald V. (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
7,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Snakie - Diana

Entwicklungsstory eines vaterlos aufwachsenden spanischen Jungen in den fünfziger Jahren. Manuel, an sich zweifelnd wie die durch den Bürgerkrieg durcheinandergewirbelte Gesellschaft, entdeckt zeitig die Sexualität. Sein spiritueller Charakter, kuriose Wesenszüge und geringe körperliche Kräfte drängen ihn in eine Außenseiterrolle. Trotzdem gelingt es ihm, sich auf seiner Wanderschaft durch Frankreich, Deutschland und die USA in mutiger Selbstdarstellung zu behaupten. Für die mühevollen Ansätze, sich von den diktatorischen Zwängen seines Heimatlandes zu befreien und zu distanzieren, wird er mit einer sicheren Erkenntnis seiner selbst belohnt. Die Story spielt in einer Zeit, da Spielgefährten aus Fleisch und Blut und Mobiltelefone unbekannt waren. Harald V. Bergander, 1944 Breslau, erlebte eine für die abenteuerliche Nachkriegszeit typische Kindheit und Jugend in Niedersachsen und Baden-Württemberg. Lehre im Buchhandel. Lebte und arbeitete in Hannover, München, Wien, Lausanne, Madrid, ab 1973 als Übersetzer (Spanisch, Französisch) in Las Palmas de G. C. und Ibiza. Seit 1990 in Salzburg und Katalonien ansässig. Gerüstet mit intimer Kenntnis der Weltliteratur und klassischen Moderne, schreibt der Autor Romane mit dem roten Faden der Identitätssuche junger Menschen in der europäischen Nachkriegsordnung. Liebt seine Frau, trinkt Rotwein, raucht Pfeife, spielt Schach und spricht vorzugsweise mit herrlichen Geschöpfen wie Pferden und Katzen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 488
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744807234
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1293kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Snakie - Diana

II

Manuels Vater fiel in der División Azul, irgendwo in Rußland. Es erwischte ihn relativ früh, Herbst zweiundvierzig. Die diskrete Benachrichtigung erfolgte in bemerkenswerter Eile durch einen von Franco für diese Hiobsbotschaften bestimmten Offizier. ,Auf dem Felde der Ehre, im Kampf gegen... In soldatischer Pflichterfüllung...'

Magdalena Díaz Rodríguez, gebürtig aus Trujillo, deren väterliche wie mütterliche Linien auf Konquistadorengeschlechter zurückgingen, war darauf geeicht, das Leben als unablässigen Kampf zu begreifen. Tapfer nahm sie den Verlust hin. Ein halbes Jahr später war der Gatte wieder da. Eine Verwechslung oder ein falscher Übertrag in den Gefallenenlisten hatte zur irrtümlichen Totmeldung geführt.

Octavio Manuel Yáñez Díaz war ein stürmischer Liebhaber. Gemäß Diktat und Rhythmus kriegerischer Zeiten erglühte die Verbindung in rasch aufeinanderfolgenden atemlosen Vereinigungen und in gegenseitiger bedingungsloser Bereitschaft zu spenden und zu empfangen. Eine rein biologische Harmonie zwischen beiden, die wenige Monate währte.

Manuel junior kam im März vierundvierzig auf die Welt. Bei diesem Paukenschlag in Magdalenas Leben war der Vater bereits wieder verschollen. Derselbe Offizier, der sich als Beauftragter der División Azul ausgegeben hatte, teilte mit, Yáñez sei bei einem Luftangriff auf Lüneburg getötet worden. Seine Frau glaubte der Lüneburg-Variante nicht einmal den geographischen Ort und beruhigte sich und das Kind im Bauch, das bei der leichten, schnellen Geburt die Hände abwehrend über das Geschlecht legte, als schäme es sich, eines zu haben. Oder galt die abwehrende Geste den wenig rosigen Aussichten, in die es hineingeboren wurde? Magdalena war mittellos und ohne männlichen Schutz. Ein entfernter Verwandter, der die hübsche, intelligente Frau seiner eigenen vorzog, half in mancherlei Hinsicht. So erhielt sie den Posten einer Wirtschafterin auf einer großen granja in der Nähe von Cáceres. Man baute dort Kohl an, später zartere Gemüse und schließlich Stiere. Sie hatte eine Vertrauensstellung und in dieser keinerlei Mühe, das Kind wie nebenbei großzuziehen, das seltsam sanft war für einen Jungen, gelehrig und klassenbestes ab der ersten Schulstufe.

Im Jahr einundfünfzig kamen Neuigkeiten von Yáñez. Er schrieb aus den USA, er sei an Krebs erkrankt und habe nur noch kurze Zeit zu leben. Magdalena fuhr per Eisenbahn und Schiff hinüber, in eine Stadt inmitten der Rocky Mountains, und kam in Trauerkleidung zurück. Nun war sie unwiderruflich Witwe, zog mit dem Sohn nach Salamanca und gab ihn nach der Grundschule in ein Internat der katholischen Kirche, dessen Padres genügend Vaterersatz versprachen. Die Bildung war dort, wie Magdalena gehört hatte, umfassender als an einer staatlichen Anstalt.

Manuels Vater hatte in seinen letzten Lebensjahren das getan, was er am besten konnte, Kartenspielen, damit allerhand angehäuft und alles, den Tod vor Augen, in eine Versicherung gesteckt, die seinen Sohn mit ein paar Trümpfen in der Hand ins Leben schieben würde. An diese Erbschaft waren Bedingungen geknüpft, die Manuel später aus einem Roman der deutschen Romantik entlehnt schienen. Erst dann sollte der junge Mann erkennen, daß die materielle Grundlage für seine umfassende Bildung auf den vagen Rahmen abzielte, einen Europäer neuen Stils zu formen, einen, der im großen vergangenen Krieg den Schlußstrich unter unheilvolle historische Entwicklungen erkennen würde, einen Freigeist, offen für alles, Altes wie Neues, einen Herkules des Geistes wie des Körpers.

Mit dem Geist konnte es klappen. Aber der Körper war nicht der robuste seines Vaters, sondern der feingliedrige der Mutter, deren Vorfahren in der Neuen Welt weniger durch Körperkraft als mit scharf geschliffenen Waffen erfolgreich gewesen waren, weniger im Auftrag gespaltener kirchlicher Moral als in Anwendung ciceronischer Maximen, die den Besiegten das Fürchten lehrten ode

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen