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So viele Jahre Roman von Freieck, Carla (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2018
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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So viele Jahre

Nach außen ist alles perfekt: Thea, Anfang fünfzig, liebt ihre Familie, aber hinter der Fassade bröckelt es. Schreckliche Alpträume und Migräneattacken machen ihr das Leben zunehmend zur Hölle. Eine Affäre mit dem attraktiven Johann Seitz bringt nicht die erhoffte Erlösung. Sie wird immer dünnhäutiger. Schon der zufällige Besuch in einer alten Villa löst Panik in ihr aus. Hat das alles mit ihrer Kindheit zu tun? Was geschah damals, als sie durch einen Unfall jede Erinnerung an die frühen Jahre verlor? Die Suche nach einer erschütternden Wahrheit nimmt ihren Lauf ...

Carla Freieck ist vielseitig. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, war sie unter anderem als Sekretärin eines Bürgermeisters und im journalistischen Bereich tätig. Sie liebt Pferde, hat ein Faible für italienische Weine und interessiert sich für Architektur. In ihrer Freizeit ist sie mit Anfang fünfzig außerdem begeisterte Oma und Hobbygärtnerin. Mit ihrem Mann lebt Carla Freieck seit vielen Jahren in der Nähe von Limburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 12.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641208134
    Verlag: Diana Verlag
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So viele Jahre

14

Den großen Erdgeschossplan vor sich ausgebreitet, beugt Johann Seitz sich vor und fährt mit dem Zeigefinger dem Verlauf des Hauptfluchtwegs nach. Ich betrachte seine Hände. Es sind schöne Hände. Kräftig und mit langen schlanken Fingern. Ich beobachte ihn wie ein Voyeur. Vorsichtig und aus den Augenwinkeln. Seine Augen sind blau und klar, an den Seiten sehe ich kleine Lachfältchen. Er gefällt mir. Auch das, was er anhat, gefällt mir. Jeans, ein weißes Hemd, ein Leinen-Sakko. Das Sakko hat er vor wenigen Minuten ausgezogen und über die Lehne des Nachbarstuhls gelegt.

"Der zweite Rettungsweg ist eigentlich nur in einem der beiden oberen Geschosse problematisch, weil wir da über Fenster gehen müssen, die so nicht anleiterbar sind. Die Alternative wäre eine Nottreppe nach außen. Das müsste ich noch einmal durchkalkulieren. Aber das ist die einzige Schwierigkeit. Ansonsten ist die Planung so weit fertig", erklärt er seine Arbeit. Ich folge seinen Ausführungen und gebe mich interessiert, obwohl ich mehr damit beschäftigt bin, ihn unauffällig zu beobachten. Seine gebräunten Hände liegen jetzt ruhig auf dem auseinandergefalteten Plan. Er sieht mich an. Er lächelt. Gleich zu Beginn unseres Treffens hat er mir ein Kompliment gemacht: Diese Bluse steht Ihnen. Sie bringt Ihre sehr schönen Augen noch besser zur Geltung . Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Art von Komplimenten mag, sie erscheinen mir normalerweise etwas durchsichtig. Aber nicht bei ihm. Ich lese Bewunderung in seinen Augen. Meine Gefühle sind in Aufruhr.

Um es für mich einfacher zu machen, hat er den Plan so gedreht, dass er für ihn auf dem Kopf steht. Jetzt wechselt er seine Position und setzt sich neben mich. Ich kann ihn jetzt, da er direkt neben mir sitzt, nicht mehr so gut anschauen, aber dafür steigt mir der feinherbe Duft seines Aftershaves in die Nase. Ich höre ihn, ich rieche ihn, ich fühle ihn. Ich fühle seinen Arm. Er liegt auf der Stuhllehne. Ich lege meinen Arm daneben, auf die Lehne meines Stuhls. Unsere Arme berühren sich. Ganz zart, kaum wahrnehmbar. Arm an Arm, Haut an Haut. Kleine erregende Wellen durchlaufen meinen Körper. Versuchsweise ziehe ich den Arm weg. Der Faden reißt. Unerträglich. Ich lege ihn wieder zurück. Er zeigt keine Regung, fährt mit seinen Erklärungen fort, und unsere Arme berühren sich. Unerträglich. Schön.

Schließlich faltet er den Plan geschickt zusammen und lehnt sich zurück. Er schaut mich jetzt sehr direkt und durchdringend an. "Möchten Sie noch einen Kaffee?", fragt er.

"Ja, gern."

Er ruft die Kellnerin. "Ich möchte bezahlen."

Ich bin irritiert. Hat er mich nicht verstanden? "Ich wollte eigentlich sehr gern noch einen Kaffee", versuche ich das scheinbare Missverständnis aufzuklären.

"Sie bekommen noch einen Kaffee. Einen Cappuccino, den Sie so schnell nicht vergessen. Ich bin bekannt für meinen Cappuccino."

Was ist das? Eine Einladung zu sich nach Hause?

"Oder sind Sie in Zeitnot?"

"Nein, eigentlich nicht."

"Dann vertrauen Sie mir. In Ordnung?"

Er steht auf und sieht mich abwartend an.

"Gut", sage ich. "In Ordnung."

Sein Auto, ein schwarzer Mercedes-Kombi, steht nur ein paar Meter vor uns am Straßenrand. Er öffnet mir die Tür auf der Beifahrerseite. Ich zögere.

"Wir fahren mit meinem Wagen, ich bringe Sie später wieder hierher zurück", erklärt er. "Ich muss sowieso wieder in die Stadt."

Also wohnt er nicht hier, denke ich und steige ein. Ich sitze mit beklommenem Gefühl neben ihm, meide seinen Blick und halte die Hände wie im Gebet geschlossen. Mein Herz trommelt, ich führe einen inneren Kampf. Was tue ich hier? Wo fahren wir hin?

Nach etwa zehn Minuten Autofahrt biegt Johann Seitz in einen unscheinbaren befestigten Waldweg, und kurz darauf stehen wir vor einem kleinen Haus auf einer sonnengefluteten Lichtung. Die Kulisse ist atemberaubend. Das Haus

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