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So weit die Füße tragen Ein Leben. Eine Liebe. Ein Weg. von Bauer, Josef M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.04.2013
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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So weit die Füße tragen

'Die Ärzte haben es sich eine Weile überlegt, ehe sie dem heimgekehrten Clemens Forell behutsam erklären, daß er den Sinn für Farben verloren habe. Nach und nach haben sie ihn noch vielerlei Veränderungen mit Schonung begreiflich machen müssen, weil nun einmal ein Mensch, der jahrelang im Blei gehaust hat und drei Jahre das Leben eines Tieres und bei den Tieren führen mußte, nicht mehr als jener zurückkehren kann, der er vordem gewesen ist ...'

Der großartigste Abenteuerroman, den die neuere deutsche Literatur besitzt: der ergreifende Bericht einer Wanderschaft, einer Flucht vom Ostkap Sibiriens nach Westen.

Ein Welterfolg seit über 40 Jahren - in 15 Sprachen übersetzt, mit einer Weltauflage von mehreren Millionen Büchern, mehrfach erfolgreich verfilmt und immer wieder gesendet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 478
    Erscheinungsdatum: 19.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838746432
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2625 kBytes
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So weit die Füße tragen

Wie schön, windig, kühl, eintönig, naß oder angenehm der Sommer am Kap Deschnew ist, erfahren die meisten Gefangenen im Berg nur durch ihre Träger.

Aus der Aufregung, die sich ergibt, wenn eine größere Kolonne von Sträflingen abzustellen ist zu Transportarbeiten, erfahren auch die anderen, wann am Pier ein Schiff angelegt hat. Es hat sich im Sommer siebenundvierzig nicht als günstig erwiesen, hier aus einem Stollen zehn Mann wegzunehmen und dort zwanzig. Klüger erscheint es, zumal nach der Sache mit dem jungen Gefangenen, der als Smutje auf ein Schiff genommen wurde, einen Stollen ganz stillzulegen und die Belegschaft geschlossen an die Verladearbeiten zu führen. So bleibt für die anderen nur die Botschaft vom Rauch und die Gewißheit, daß es viele Wochen lang Erdsuppe mit Kartoffeln geben wird.

Was den einen durch Arbeit an frischer Luft gewährt wurde, soll den anderen nicht versagt werden. Viermal im Sommer achtundvierzig wird der Korken aus dem Flaschenhals genommen.

Die grauen Männer, denen man bei dieser Gelegenheit Bart und Haare scheren wird, werden jeweils für ein paar Nachmittagsstunden ins Freie gelassen, bekommen am Tageslicht tränende Augen und haben Mühe, die kühle Luft als warm zu empfinden.

Leibrecht, der Sauberkeitsfanatiker, weiß für seine Leute einen Platz zu finden, an dem das Schmelzwasser so reichlich in einer Mulde zusammengesickert ist, daß bei sparsamem Gebrauch jeder sich von oben bis unten abschrubben kann. Es geschieht ein Wunder, das Stauffers ganzer Überredungskunst bei den Russen bedurft hat: die Männer bekommen, wo schon einmal der seltene Fall eingetreten ist, daß Wasser zur Verfügung steht, durch den Wratsch ein paar braune Seifenwürfel zugestellt, und in einem ersten Seifenschaum seit Jahr und Tag fühlen die Frierenden es wärmer um sich werden. Leibrecht sieht sich deutlich bestätigt in seiner Behauptung, daß Schmutz gleich Kälte sei. Die Russen sind gar nicht so, wie der Groll es ihnen nachsagt. Sie finden es vernünftig, daß die Gefangenen sich sauberhalten. Da aber nie Wasser in ausreichender Menge da war, ist ihnen niemals der Gedanke gekommen, Seife auszugeben. Da haben die Gefangenen aber nun einen Treiber in ihren eigenen Reihen, der die Männer nicht müßig palavern läßt, sondern findig ein Wässerchen ausmacht und seine Leute zum Waschen führt.

Der Tag um Ende Juni ist wunderschön. Die Eisnebel, von denen die Sicht immer knapp begrenzt wird, gehen mit einem leichten Wind allmählich beiseite, und wenn es auch nicht gerade Sonne ist, was dem Tag beschert wird, so hat der hoch liegende Dunst lockere Strähnen, durch die zuweilen fast mit dem echten Glanz die Sonne kommt. Andere Tage, so erzählen die Träger, kommen wohl sonniger, aber an diesen Tagen ist es für die meisten Nacht, die von einer unhandlichen und müden Grubenlampe sehr dürftig ausgeleuchtet wird.

Mitten im großen Waschen, wie sie alle nackt dastehen, stößt Leibrecht seinen Nachbar Forell mit dem Ellbogen an. "Was ist das denn?"

Forell folgt mit den Augen Leibrechts erstauntem Blick und sieht an seiner rechten Brustseite herunter. "Ein Infanteriesteckschuß." Er schaut tiefer an sich hinab. "Und das sind so die üblichen Schnitte, die gemacht werden, wenn der Magen wieder zu ergänzen ist." "Schön", meint Leibrecht blinzelnd, "ich habe dich noch nie so ausgezogen gesehen. Du hast offenbar Standscheibe gespielt beim Bataillons-Übungsschießen. Nein. Nein. Ich wollte dich auf etwas anderes aufmerksam machen." Dann spricht er leiser. "Mach kein großes Getöse, dreh dich um und schau rechts an der Kommandantur vorbei! Hast du? Mußt nicht gleich blind werden." "Herrgott noch einmal!" entfährt es dem anderen. "Nichts für Kinder. Das gibt nur unnütz eine Menge Aufregung. Halt den Mund! Bei Licht betrachtet, vor allem bei so freundlichem Licht betrachtet, ist das, glatt und gemütlich und ohne Eis, die Beringstraße. Wasser ist hier so rar, daß man sich wun

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