text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Solange die Hoffnung uns gehört Roman von Winterberg, Linda (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.06.2017
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Solange die Hoffnung uns gehört

Bis wir einander wiederfinden! Frankfurt, 1938: Als Sängerin darf die Jüdin Anni nicht mehr auftreten. Nur mit Mühe kann sie für sich und ihre kleine Tochter Ruth sorgen. Die Angst vor dem NS-Regime wird immer größer, aber all ihre Bemühungen, gemeinsam auszureisen, scheitern. Schließlich ringt sich Anni zu der wohl schwersten Entscheidung für eine Mutter durch: Um wenigstens ihre Tochter in Sicherheit zu wissen, schickt sie Ruth mit einem der Kindertransporte nach England. So bald wie möglich will Anni ihr folgen. Doch dann bricht der Krieg aus, und sie kann das Land nicht mehr verlassen... Die berührende Geschichte einer jungen Mutter, die ihr Kind zu retten versucht, indem sie es auf eine Reise ins Ungewisse schickt... Hinter Linda Winterberg verbirgt sich Nicole Steyer, eine erfolgreiche Autorin historischer Romane. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Taunus und begann im Kindesalter erste Geschichten zu schreiben, ganz besonders zu Weihnachten, was sie schon immer liebte. In der Aufbau Verlagsgruppe liegen von ihr die Romane "Das Haus der verlorenen Kinder", "Solange die Hoffnung uns gehört", 'Unsere Tage am Ende des Sees', "Die verlorene Schwester", "Für immer Weihnachten" sowie der erste Teil der Hebammen-Saga "Aufbruch in ein neues Leben" vor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 14.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841213150
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 4100 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Solange die Hoffnung uns gehört

Kapitel Eins

SEPTEMBER 1933, FRANKFURT

Anni blickte aus dem Fenster der kleinen Laubhütte in den idyllischen Garten, der gleich hinter der Synagoge begann und den Lärm der umliegenden Großstadt vollkommen fernzuhalten schien. Durch das laubbedeckte Dach der Hütte drangen einzelne Sonnenstrahlen zu ihr hinein. Kastanienketten, von fleißigen Kinderhänden gefertigt, hingen von der Decke, Nüsse und Äpfel lagen auf den Tischen neben Herbstblumen in kleinen Vasen. Eine Handvoll Frauen aus der Nachbarschaft hatte sich heute in der Laubhütte zusammengefunden. Es gab Kaffee, dazu selbstgebackenen Kuchen und Kekse. Anni war mit Marlene, ihrer Nachbarin, gekommen, kannte aber auch einige der anderen Frauen. Susanne Hofmann, die in einer großen Wäscherei im Westend arbeitete. Michaela Geigers Sohn war mit ihrer Tochter Ruth in den Kindergarten gegangen, und Simone Gärtner arbeitete im Lebensmittelgeschäft an der Ecke. Letztere war, wie sie selbst, Protestantin, einige der anderen Frauen waren Jüdinnen. Wer welchen Glauben hatte, war hier jedoch unwichtig, wenngleich der Anlass ihres Zusammentreffens, das Laubhüttenfest, ein jüdischer war.

Die Tradition, der Hütten als Zufluchtsort des jüdischen Volkes zu gedenken, erinnerte Anni an lang vergangene Erlebnisse ihrer Kindheit. Sie war zwei Jahre alt gewesen, als ihre Eltern zum evangelischen Glauben konvertierten. Ihr Vater war damals Klavierlehrer am berühmten Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt. Vor allem seine Beschäftigung mit der christlichen Kirchenmusik hatte ihn irgendwann dazu bewogen, zum Protestantismus wechseln zu wollen. Annis Mutter war es nicht leichtgefallen, ihre jüdischen Wurzeln aufzugeben. Sie stammte aus Krakau, wo sie eine klassische Gesangsausbildung genossen hatte. Dennoch hatte sie in Frankfurt an keinem Theater Fuß fassen können, weshalb sie Gesangsstunden gab und sich um die musikalische Ausbildung ihrer Tochter kümmerte, wofür Anni ihr heute dankbar war. Ohne die Unterstützung ihrer Mutter wäre sie niemals zu der Sopranistin geworden, die sie heute war. Im Frühjahr jährte sich der Todestag ihrer Eltern zum achten Mal. Auf dem Weg zu einem Auftritt in Berlin waren sie beide bei einem Zugunglück ums Leben gekommen.

"Anni, hörst du überhaupt zu?"

Anni schaute hoch. Sämtliche Blicke der Frauen waren auf sie gerichtet. "Entschuldigt bitte, ich war in Gedanken. Was habt ihr gesagt?"

"Es geht um ein Geburtstagsfest in der jüdischen Gemeinde", wiederholte Michaela Geiger. "Unser Rabbi, David Silberstein, wird sechzig Jahre alt. Wir haben gerade darüber gesprochen, für die Feier eine musikalische Darbietung zu organisieren, denn er liebt klassische Musik, ganz besonders die Oper. Marlene meinte, du würdest uns bestimmt den Gefallen tun und etwas für ihn singen." Abwartend sahen die Frauen sie an.

"Warum nicht?", meinte Anni. "Allerdings geht das nur, wenn sich das Fest nicht mit einem meiner Auftritte überschneidet. Welche Oper bevorzugt er denn?"

Die Frauen sahen sich fragend an.

"Das wissen wir gar nicht", erwiderte Susanne. "Aber das lässt sich ohne Probleme in Erfahrung bringen. Ich werde gleich nachher seine Frau anrufen. Er wird sich bestimmt freuen." Sie klatschte vor Begeisterung in die Hände.

Ein Geburtstagsständchen für einen Rabbi, dachte Anni. Wäre nicht jiddische Musik passender? Ihre Mutter wäre davon ausgegangen. Zuerst ein schnelles Lied zum Mitklatschen, dann ein trauriges für die Wehmut und am Ende etwas Fröhliches, um den Jubilar hochleben zu lassen. Jiddische Musik hat Seele, hatte ihre Mutter immer gesagt. Ach, wie sehr Anni sie doch vermisste. Besonders in den letzten Jahren hätte sie sich die geliebte Mutter an ihre Seite gewünscht, denn der frühe Tod ihres Mannes Johann war ein schwerer Schlag gewesen, von dem sie sich nur langsam erholte. Ihre Mutter hätte ihr in dieser schweren Zeit Kraft gegeben und Mut gemacht. Oftmals führte Anni auch jetzt noch stumme Zwies

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen