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Solange du bei uns bist Roman von Picoult, Jodi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Solange du bei uns bist

Edward Warren hat keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, seit er wegen eines heftigen Streits nach Thailand ausgewandert ist. Eine schreckliche Nachricht führt ihn zurück in die USA: Sein Vater liegt nach einem Unfall im Koma, die Chancen auf Genesung sind minimal. Während seine Schwester Cara auf ein Wunder hofft, will Edward den Vater sterben lassen und seine Organe spenden. Wird er von Nächstenliebe oder von Rachegedanken angetrieben? Und wie weit wird Cara gehen, um das Leben ihres Vaters zu erhalten?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 463
    Erscheinungsdatum: 16.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838752686
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Lone Wolf
    Größe: 1352 kBytes
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Solange du bei uns bist

Luke

Vielleicht hätte ich damals den Tiger nicht befreien sollen.

Bei den anderen Tieren habe ich leichtes Spiel gehabt: bei dem schwerfälligen, aber dankbaren Elefantenpaar, dem wütenden Kapuzineräffchen, das auf meine Füße spuckte, während ich das Schloss aufbrach, und bei den schneeweißen Arabern, deren Atem wie eine unbeantwortete Frage zwischen uns hing. Tieren wird zu wenig Achtung entgegengebracht, vor allem von Zirkusdompteuren. Doch mich verstanden sie, das wusste ich sofort, als sie mich beobachteten, während ich mich im Schatten vor ihren Käfigen bewegte. Deshalb schlugen selbst die lautesten – die Papageien, die gezwungen worden waren, auf einer lächerlichen Wolke von Pudelköpfen zu reiten – auf ihrer Flucht in vollkommenem Einklang mit den Flügeln.

Ich war damals neun Jahre alt, und Wladislaws Fantastisches Zelt der Wunder hatte hier Station gemacht, in New Beresford, New Hampshire. Das allein grenzte schon an ein Wunder, da – nichts und niemand sich je nach Beresford, New Hampshire, verirrte – abgesehen von ein paar einsamen Skiläufern oder Reportern, die sich in Wahlkampfzeiten einen Kaffee in Ham's General Store genehmigten oder bei Gas'n'Go auf die Toilette gingen. Jedes Kind, das ich kannte, hat versucht, sich durch die Löcher in dem eilends errichteten Zaun zu zwängen, um die Vorstellung zu sehen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Auch ich habe den Zirkus so zum ersten Mal gesehen. Ich hatte mich unter der Tribüne versteckt und schaute mit meinem besten Freund Louis zwischen den Beinen der zahlenden Gäste hindurch.

Unter das Zeltdach waren Sterne gemalt worden. Typisch Stadtmenschen. Sie waren natürlich nicht auf die Idee gekommen, dass sie einfach nur das Dach hätten öffnen müssen, um die echten Sterne zu sehen. Ich wuchs in der freien Natur auf. Denn wenn man lebte, wo ich einst gelebt habe – am Rand des White Mountain National Forest –, dann hat man einfach viel Zeit damit verbracht, im Freien zu zelten und in den Nachthimmel hinaufzuschauen. Wenn man seinen Augen Zeit ließ, sich an das Licht zu gewöhnen, dann sah der Himmel wie das Innere einer Schneekugel aus, die man umgedreht hatte, und man selbst stand mitten in ihr. Diese Zirkusleute haben mir leidgetan, dass sie dafür auf Farbe zurückgreifen mussten.

Ich musste zugeben, dass ich mich zunächst nicht von dem rot besetzten Schwalbenschwanz des Zirkusdirektors und den langen Beinen der Seiltänzerin losreißen konnte. Als sie einen Spagat in der Luft machte und sitzend auf dem Seil landete, hörte ich, wie Louis die Luft ausstieß, die er angehalten hatte. Das Seil hat wirklich Glück , hatte er gesagt.

Dann hatten sie die Tiere rausgebracht, zuerst die Pferde, die wütend mit den Augen rollten. Dann kam der Affe in einem dümmlichen Pagenkostüm. Er kletterte auf den Sattel des Führungspferdes und zeigte den Zuschauern die gefletschten Zähne, während er immer und immer wieder im Kreis ritt. Anschließend folgten die Hunde, die durch Reifen sprangen, die Elefanten, die tanzten, als wären sie in einer andren Zeitzone, und ein kunterbunter Schwarm von Vögeln.

Und dann kam der Tiger.

Natürlich wurde er großartig angekündigt. Was für eine gefährliche Bestie er sei, dass die Zuschauer so etwas bloß nicht daheim versuchen sollten. Der Dompteur, ein Mann mit aufgequollenem, sommersprossigem Gesicht, das an ein Zimtbrötchen erinnerte, stand mitten in der Manege, als die Tür zum Tigerkäfig geöffnet wurde. Der Tiger brüllte, und obwohl ich ein ganzes Stück von ihm entfernt war, konnte ich seine

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