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Soziotopia oder eine andere Wende 1989 von Gausepohl, Ludger (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.04.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Soziotopia

Der junge Journalist Lukas erlebt als Korrespondent einer westdeutschen Zeitung die ersten Zeichen des Zerfalls des DDR-Regimes. Er verliebt sich in einen Leutnant der NVA und wird Zeuge, dass dieser Teil einer Verschwörung ist: Offiziere der NVA putschen unter Androhung des Gebrauchs einer Atombombe, die sie aus den Lagern der Roten Armee gekapert haben. Sie zwingen die SED zur Übergabe der Macht und beginnen mit Reformen, die zu einem echten, demokratischeren Sozialismus führen sollen. Der Journalist erlebt private und gesellschaftliche Höhen und Tiefen und verfolgt die Ereignisse im Land bis zu ihrem dramatischen Höhepunkt und verspürt auch Veränderungen in seinem eigenen Leben.

Ludger Gausepohl (geb.1954) stammt aus Münster und lebt seit 1987 in Berlin. Er war Chemiker, Heilpraktiker und vieles andere. Seine Erstveröffentlichung waren: Die Ungewöhnlichen Untersuchungen des Doktor Yao. Es folgte der Roman: Die heimliche Liebe der Friedensboten zu Münster. Beides erschienen als E-Buch bei Amazon Kindl und als Taschenbuch bei CreateSpace. Aus dem Niederländischen übersetzte er: von Capelle, van de Bovenkamp, Berlin unter Hitler und teilweise von denselben, Der Berghof, beide Tosa, 2007 von Bernardus Gewin (Vlerk): Die Reiseabenteuer des Joachim Polsbroekerwould und seiner Freunde (auch bei Create Space erschienen)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 196
    Erscheinungsdatum: 19.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744824415
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 273kBytes
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Soziotopia

Ostberlin

Wie ungeduldig hatte ich die Abfahrt des Zuges nach Berlin erwartet. Als er verspätet losfuhr, kam auf einmal der Gedanke auf: Wohin bringt mich das hier? Mein gewohntes, etwas langweiliges Leben, blieb in Bremen zurück. Ich hatte wohl davon geträumt, in Washington, Paris oder London arbeiten zu dürfen. Auch Moskau und selbst Bonn wären eine Herausforderung für mich gewesen. Nun sollte es aber Ostberlin werden. Ich erwartete nichts Aufregendes dort zu erleben, aber immerhin lag Westberlin direkt daneben. Da war schon mehr los, vor allem was die lebhafte Schwulenszene anging. Vielleicht lernte ich endlich einen netten Mann kennen, mit dem mehr möglich war als schneller Sex.

Nach endlosem Warten hatte ich Mitte August 89 alle Formalitäten erledigt und bekam endlich mein Visum und meine Akkreditierung als Korrespondent der Bremer Zeitung in der DDR. Nach meinem Studium der Publizistik hatte ich mich mehrere Jahre als freier Reporter für verschiedene Zeitungen mit Lokalereignissen herumgeschlagen, etwa den berühmten Kaninchenzüchtervereinen und Ähnlichem. Darauf folgte ein Jahr bei der Bremer Zeitung, wo ich mir mit Berichten aus dem Kulturleben die Meriten für eine größere Aufgabe verdiente. Ich hoffte jetzt, dass das Ostberliner Regime wenigstens ab und zu ein wenig ins Wanken geriet. Hätte ich damals geahnt, wie sehr dies geschehen würde, wäre ich wohl aufgeregter gewesen, als mir die Stelle des Korrespondenten dort angeboten wurde.

Ab Hamburg fuhr ich mit einem Zug der Deutschen Reichsbahn, der Bahngesellschaft der DDR. Die Abteile wirkten altertümlich und die hellbraunen Kunstlederbezüge der Sitze rochen penetrant nach Desinfektionsmittel. Als die Bahn bei Lauenburg die Grenze zur DDR überfahren hatte, stiegen Grenz- und Zollbeamte zu. Die grau uniformierten Herren gingen von Abteil zu Abteil und begutachteten mit penibler Genauigkeit die Papiere. Der Beamte, der mich kontrollierte, schien sich besonders viel Mühe geben zu wollen. Er schaute mich gefühlt minutenlang ins Gesicht und händigte mir erst dann meinen Pass wieder aus:

"Eine gute Reise noch, Herr Holtkamp."

Bei einer früheren Fahrt durch die DDR nach Westberlin hatten sich die Herren Grenzbeamten nicht so höflich gezeigt. Offensichtlich waren sie angewiesen, Medienvertretern gegenüber besonders korrekt zu sein.

Der Zug fuhr gemächlich weiter und die flache Landschaft zog an mir vorbei. Hier und da sah ich heruntergekommene Bauernhäuser oder kleinere Industriegebäude, ansonsten Felder, Wiesen und hie und da Gebüsch.

Dann erreichten wir Berlin-Spandau und sofort veränderte sich das Bild:

Fabriken, Wohnsiedlungen mit Einfamilienhäusern am Rande, dann Häuserblocks und schließlich der kleine Bahnhof und an der Seite der graue, hohe Turm des Rathauses. Nach kurzem Halt ging es weiter gen Osten. Immer mehr erfasste ich die Größe dieser Stadt, die nicht enden wollte. Wir ließen die Straßenzüge Charlottenburgs hinter uns und kamen als Nächstes am Bahnhof Zoologischer-Garten an. Ich nahm eine S-Bahn zur Friedrichstraße. Dort gelangte ich vom Bahnsteig der S-Bahn eine Treppe tiefer in eine große Halle. Von dort konnte man die U-Bahn ohne Grenzkontrolle erreichen, auch wenn hier schon Ostberliner Hoheitsgebiet war. Ich aber stieg noch eine Treppe tiefer hinab und kam in einen Komplex mit zig dunkelbraunen Kontrollhäuschen, wo ich die Grenzformalitäten über mich ergehen lassen musste. Bei dem einen oder anderen Besucher oder Einreisenden wurde auch das Gepäck durchsucht. Ich gehörte zu den Unglücklichen, musste alle Hosentaschen ausleeren und meine zwei Koffer öffnen. Dabei interessierten sich die beiden Beamten besonders für das Bedruckte, das ich mitführte. Alles wurde gründlich gelesen. Anschließend wurde ich zusätzlich aufgefordert, in eine abgetrennte Kabine zu gehen, wo ich auch körperlich abgetastet wurde. Am Ende musste ich auch noch eine Befragung über mich ergehen lassen. M

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