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Späte Rache Gefährliche Liebe in der Adenauer Ära von Conrad, Andrea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2014
  • Verlag: Himmelstürmer Verlag
eBook (ePUB)
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Späte Rache

Herbst 1955 - Heinrich und Richard sind seit vielen Jahren ein Paar und leben in Mainz. Eine Wendeltreppe, die ihre beiden Wohnungen verbindet ermöglicht ihnen ihre Partnerschaft abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit zu führen. Es könnte perfekt sein. Doch Richard ist unzufrieden in der Beziehung. Ruth, die neue Referendarin an seiner Schule, weckt Zweifel in ihm, ob sein Leben mit Heinrich alles ist. Dann taucht Siegfried wieder auf. Ein Spätheimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft, ehemaliger SA-Kollege von Heinrich und immer noch fanatischer Anhänger der Nazis. Kaum zurück in Mainz, setzt er alles daran, seine offene Rechnung mit Heinrich zu begleichen. Von nun an geht es für Heinrich und für Richard um ihr Leben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 190
    Erscheinungsdatum: 26.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863614195
    Verlag: Himmelstürmer Verlag
    Größe: 412kBytes
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Späte Rache

Missmutig schob Richard sein Fahrrad durch das offenstehende Eingangstor der Schule. Er war immer noch sauer und enttäuscht über den Verlauf des Sonntags. Heinrich hatte es des Öfteren geschafft, die Zeit zu vergessen, wenn er mit Fotografieren beschäftigt war. Allerdings noch nie mit dieser Intensität. Dass er den kompletten Sonntag hatte verstreichen lassen, war eine Premiere gewesen. Richard bückte sich und zog die Klammer von seinem Hosenbein. Dann schloss er sein Rad ab und grüßte den Hausmeister, der den Schulhof fegte. Im Schulgebäude war es noch ruhig. Die große Treppe, die in die oberen Etagen führte, lag verlassen da. Ohne die Stimmen der Kinder und der Lehrer, die versuchten Ordnung und Disziplin zu schaffen, wirkte das Gebäude verwaist. Es roch nach Bohnerwachs. Bald würden die Ausdünstungen der Schüler und Lehrer dieses Aroma überdecken. Er betrat das Lehrerzimmer und stellte seine Aktentasche auf den Tisch. Dann ging er ans Fenster und sah hinaus. Beobachtete die gleichmäßigen Bewegungen, mit denen der Hausmeister den Besen über den Boden gleiten ließ. Die routinierte, harmonische Art, mit der die Arbeit erledigt wurde, hatte etwas Beruhigendes. Durch die geschlossene Scheibe hindurch war das eintönige Geräusch des Besens auf dem Asphalt zu hören. Richards aufgewühlte Gedanken begannen sich zu beruhigen. Er nahm sich vor, abends mit Heinrich ein klärendes Gespräch zu führen. So konnte es nicht weitergehen. Er fühlte sich alleingelassen und in die Ecke gestellt.

"Guten Morgen, Herr Rosenberg."

Er drehte sich um und begrüßte Ruth, die ihre Tasche neben seine legte. Ihre Wangen waren gerötet und ihre blauen Augen strahlten, als sie ihn ansah.

"Ich habe unsere Ideen von gestern mal auf Papier gebracht." Sie zog ein Heft aus ihrer Tasche und schlug es auf. "Was halten Sie davon?"

Richard überflog die Zeilen und nickte anerkennend. Sie hatte gute Arbeit geleistet. Damit würde es leichter fallen, den Kindern den Aufbau eines Aufsatzes, die Gliederung in Einleitung, Hauptteil und Schluss zu erklären.

"Sehr gut, Fräulein Miltenberger." Er sah, wie sehr sie sich über sein Lob freute.

"Ich habe noch eine andere Idee bekommen. Was halten Sie davon, wenn wir den Geschichtsunterricht an den Ort des Geschehens verlegen? Wir könnten doch mit den Kindern einen Ausflug an eine der vielen Burgen machen. Das würde genau in das Thema 'Mittelalter' passen. Dann wären es nicht nur trockene Zahlen und Fakten. Es wäre Geschichte zum Anfassen."

"Die Idee ist gut, aber ich befürchte, da wird unser Direktor nicht mitziehen. Ausflüge mit den Schülern, mal abgesehen von den offiziellen Wandertagen, sind so gut wie unmöglich. Und der nächste Wandertag ist meines Wissens erst im Frühjahr. Bis dahin sind wir mit dem Unterrichtsstoff durch."

"Lassen Sie es mich doch wenigstens versuchen, Herr Rosenberg. Vielleicht kann ich den Direktor umstimmen."

Die Euphorie in Ruths Augen brachte ihn zum Lächeln. Erinnerte ihn daran, wie er voller Engagement seine schulische Laufbahn begonnen hatte. "Gut, Fräulein Mildenberger. Versuchen Sie Ihr Glück. Aber ich muss Sie warnen - unser Direktor ist ein harter Brocken, wenn es um solche Dinge geht."

"Bei welchen Dingen bin ich ein harter Brocken, Herr Rosenberg?" Direktor Hausmanns Frage, der in diesem Moment die Tür zum Lehrerzimmer öffnete, veranlasste Richard, seiner Referendarin einen verschwörerischen Blick zuzuwerfen, was diese mit einem Augenzwinkern erwiderte.

Der Schultag verging quälend langsam. Stunde um Stunde schleppte er sich über den Vormittag. Je näher das Unterrichtsende kam, umso unkonzentrierter wurde Richard. Gegen seinen Willen verstrickten sich seine Gedanken in das Gespräch, das er mit Heinrich führen wollte. Immer wieder versuchte er, seine Aufmerksamkeit den Schülern und dem Stoff zu widmen. Aber wie von einer unsichtbaren Macht gezogen, schweifte er erneut ab. Vor der letzt

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