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Steinträume - Ein Requiem von Ailisli, Akram (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2016
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Steinträume - Ein Requiem

Der Roman, der heute auf der weltweiten Liste der `banned books geführt wird, erzählt davon, wie der aserbaidschanische Schauspieler Sadai Sadygly in Baku Zeuge einer Menschenjagd wird. Bei dem Versuch, einem Armenier zu helfen, der vom aufgebrachten Mob verfolgt und schließlich zu Tode getreten wird, erleidet er selbst schwere Verletzungen. Im Krankenhaus, zwischen Leben und Tod schwebend, erinnert er sich an seine Jugend in dem paradiesischen Dorf Aylis, in dem Armenier und Aserbaidschaner einst friedlich zusammenlebten. Im März 2013 berichtete `titel thesen temperamente über die dramatischen Umstände des Erscheinens der `Steinträume , nunmehr liegt der Roman endlich in deutscher Übersetzung vor. Geschrieben in der Tradition klassischer russischer Erzählkunst. AUTORENPORTRÄT Akram Ailisli, am 6. Dezember 1937 im Dorf Juchary-Ailis (Yuxari-Aylis) in der Autonomen Republik Nachitschewan geboren, ist ein aserbaidschanischer Schriftsteller und Politiker. Er schrieb mehrere Romane und Kurzgeschichten, übersetzte Turgenjew, Márquez und Aitmatow und wurde 2002 für seine Verdienste um die Literatur seiner Heimat mit dem höchsten Orden des Landes und einer staatlichen Rente ausgezeichnet. Auf das Erscheinen seines Romans `Steinträume 2012 reagierte das Parlament mit einer scharfen Verurteilung des Textes, der Präsident mit der Aberkennung der Ehrentitel und der Rente, Politiker riefen zur persönlichen Verfolgung des Schriftstellers auf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 238
    Erscheinungsdatum: 01.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711448762
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1573kBytes
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Steinträume - Ein Requiem

Erstes kapitel

Der rätselhafte Tod einer

alten Garderobenfrau,

der lebensgefährliche Scherz

eines berühmten Schauspielers

und die Parteibuch-Pistole

Der Zustand des Patienten, den man soeben auf die Chirurgische Station eines großen Krankenhauses in Baku eingeliefert hatte, war sehr ernst.

Der bewusstlose Patient wurde auf der Trage durch den halbdunklen Gang von einem Ende des Krankenhauses zum anderen in den Operationssaal gefahren. Zwei Frauen in weißen Kitteln und zwei Männer in ebensolchen weißen Mänteln schoben sie. Neben der Trage ging auch der Chirurg einher, ein hagerer, grauhaariger, mittelgroßer Mann, der sich von seinen Kollegen durch Beherrschtheit, Strenge des Gesichts und besondere Reinheit des Kittels unterschied.

Wenn es an diesem im Klinikleben gewohnten Bild etwas gab, das nicht recht hineinpasste, dann war es die Tragikomik in Gestalt und Benehmen des Mannes, der den Kranken in die Klinik gebracht hatte. Dieses quirlige Männchen von etwa fünfzig oder sechzig Jahren mit dem kleinen Gesicht, das so gar nicht mit seinem riesigen runden Bauch harmonierte, wieselte um den Arzt herum und wiederholte ständig ein und dasselbe:

"Doktor, lieber Doktor ... er wurde getötet. Dieser Mensch wurde am hellichten Tag verprügelt und totgeschlagen. Das waren alles Jerasi 1 , Doktor, Jerasi waren das. Fünf, sechs junge Schläger ... Diese verfluchten Flüchtlinge haben überhaupt keinen Respekt vor Menschen, Doktor, lieber Doktor. Sie lassen keine Schauspieler gelten, keine Dichter und keine Schriftsteller. Bezeichne nur einen als Armenier, schon ist es aus. Sofort stoßen sie dich zu Boden und trampeln dich zu Tode, wie die wilden Tiere. Zerreißen ihr Opfer in Stücke, und niemand traut sich in ihre Nähe ... Ich sage immer wieder: Schlagt ihn nicht, dieser Mann ist kein Armenier, sage ich, er ist einer von uns, ein Sohn unseres Volkes, der Stolz und das Gewissen unserer Nation. Aber wer hört denn schon auf mich?! Sie haben mich nicht mal meinen Namen nennen lassen. Sie verpassten mir einfach einen solchen Fußtritt, dass ich beinahe gestorben wäre. Hier, auf die rechte Hüfte, Doktor. Es tut immer noch furchtbar weh ..."

Der Arzt verstand nicht recht, was der Mann redete, der den Patienten eingeliefert hatte. Vielleicht wollte er es auch nicht verstehen. Vielleicht hörte er nicht einmal zu, was dieser umtriebige, komische Mann unaufhörlich murmelte, der sich einen gelben Schlips zum braunkarierten Hemd umgebunden hatte. Ein aufmerksamer Mensch hätte jedoch bemerken können, dass der Arzt zuweilen still in seinen Schnauzbart lächelte. Und nicht etwa, weil mit jedem Wort und jeder Geste dieses Mannes eine komische Situation entstanden wäre. Nein, eher deshalb, weil der auf der Trage liegende hellhaarige Mann hager und deutlich hoch gewachsen war. Mag sein, dass der Gegensatz in Gestalt dieser beiden Männer den Doktor an die traurigsten Kapitel in der Geschichte von Don Quichote und Sancho Pansa erinnerte.

Als sie die Tür zum Operationssaal erreicht hatten, versperrte einer der Männer im weißen Mantel dem komischen Menschen mit dem gelben Schlips den Weg.

"Lassen Sie ihn hinein", befahl der Arzt. "Er hat uns offenbar etwas zu sagen. Soll er sich aussprechen."

Der Operationssaal, der deutlich kleiner war als der Gang, erwies sich dennoch als großer Raum mit hoher Decke und riesigen Fenstern. Der Operationstisch in der Mitte des Saales sah aus wie die mit einem Laken bedeckte Trage, auf der man den Patienten hereingefahren hatte. Die beiden Pfleger hoben ihn hoch, legten ihn auf diesen Tisch, baten den Doktor mit einem Blick um die Erlaubnis zu gehen und verließen schweigend den Operationssaal.

"Peroxid!", sagte der Chirurg laut zu den Krankenschwestern und rollte die Ärmel seines Kittels hoch. "Reiben Sie ihm damit das Gesicht ab." Nachdem er den blutüberströmten Patienten untersucht hatte, murmelte er einen Fluch und fra

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