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Sterne sieht man nur im Dunkeln Roman von Werkmeister, Meike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Sterne sieht man nur im Dunkeln

Eigentlich ist Anni glücklich. Mit ihrem Langzeitfreund Thies lebt sie in einem hübschen Bremer Häuschen, ihr Geld verdient sie als Game-Designerin und in ihrer Freizeit entwirft sie Poster- und Postkartenmotive. Doch dann will ihr Chef, dass sie das neue Büro in Berlin leitet. Und Thies will auf einmal heiraten. Nur Anni weiß nicht mehr, was sie will. Da meldet sich ihre Jugendfreundin Maria aus Norderney, und Anni beschließt spontan, eine Auszeit zu nehmen. 6 Wochen Sand und Wind, Sterne und Meer - einfach mal durchpusten lassen. Danach sieht sicher alles anders aus. Wie anders, das hätte Anni sich allerdings nicht träumen lassen ... Meike Werkmeister lebt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in Hamburg. Sie schreibt als freie Journalistin für verschiedene Magazine. Wann immer sie Zeit findet, fährt sie ans Meer - besonders gern nach Norderney, wo sie seit Kindertagen mit ihrer Familie Urlaub macht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 01.04.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641225681
    Verlag: Goldmann
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Sterne sieht man nur im Dunkeln

Einige Tage nach Susannes Hochzeit erwachte ich vom Klingeln des Paketboten, der die neuen Rahmen brachte. Ich hatte an diesem Samstag ausschlafen wollen, weil ich am Abend zuvor erst spät von der Arbeit gekommen war. In meinem übergroßen Flanellschlafanzug lief ich zur Tür, die Haare in alle Himmelsrichtungen abstehend.

"Mo-hor-gen!" Ich konnte nicht anders, als aus der gesungenen Freundlichkeit des Zustellers eine sadistische Freude darüber herauszuhören, dass er mich offensichtlich geweckt hatte. Er konnte ja nicht wissen, dass ich manchmal erst ins Bett ging, wenn er in der Früh seine Schicht begann.

Knurrend nahm ich die Lieferung entgegen und schob die Tür mit dem nackten Fuß hinter mir zu. Den Karton unter dem Arm, trat ich ans Fenster unserer Wohnküche und sah auf die anderen kleinen pastellfarbenen Altbau-Reihenhäuser in unserer Stichstraße. Thies' Fahrrad lehnte nicht neben meinem an unserem verrosteten Vorgartenzaun. Er war wohl bereits zum Markt gefahren.

Ich trug das Paket an unserer Küchenzeile, dem Ikea-Tisch mit alten Schulstühlen und dem übergroßen Cordsofa vorbei in meine Arbeitsecke. Wie wir uns gefreut hatten, als wir damals die Zusage des Vermieters für diese Traumwohnung erhielten! Fünfundsiebzig Quadratmeter über zwei Etagen, mit Original-Holzdielen und kleinem Garten, und das mitten im ruhigeren Teil des coolen Bremer Viertels, in dem alle wohnen wollten, die es gerne fußläufig zu Kumpir-Buden und Kneipen hatten.

Heute musste ich mich manchmal an diese Freude erinnern, wenn die Dielen bei jedem Schritt knarrten, der Putz von den Wänden bröselte, die Duschwand leckte, uns frühmorgens betrunkene Studenten auf dem Heimweg in die Hecke kotzten oder ich schlicht nicht genug Platz für meine Entwürfe hatte. Ein eigenes kleines Atelier, davon durfte man doch mit vierunddreißig träumen, oder? Thies zog mich auf, wenn ich so sprach, und frotzelte, wir könnten uns ja nach einer altersgerechten Penthouse-Wohnung in einem Neubaugebiet am Stadtrand umsehen. Spätestens wenn wir Freunde in einem solchen besuchten, die stolz ihre Deckenstrahler und Carports präsentierten, war das Thema ganz schnell erledigt.

Ich wickelte Rahmen für Rahmen aus der Luftpolsterfolie. Mit dem Zeigefinger strich ich über das Holz, das sich rau und natürlich anfühlte, wie meine Kunden es mochten. Vorsichtig balancierte ich zwischen den ausgebreiteten Waren zu meinem Schreibtisch in der Ecke, einem Fund vom Flohmarkt, den ich mintfarben lackiert hatte. Obendrauf stand mein Rechner neben zwei Emaille-Bechern voller Stifte und Pinsel, darunter mein ganzer Stolz: ein schnittiger Farblaserdrucker, aus dem in der Woche etwa zehn bis fünfzehn Prints surrten. Gar nicht so schlecht, wenn man bedachte, dass ich vor weniger als zwölf Monaten angefangen hatte, meine Entwürfe in einem Online-Shop anzubieten. Ein frischer Stapel lag neben dem Laptop, ebenso die Tabelle mit den Bestellungen. Ich nahm beides und kniete mich wieder zwischen die Rahmen. Dann ordnete ich die Illustrationen zu: "Im Herzen trag ich Bikinifigur" kam zu dem Rahmen in A3, "Team Barfuß" zu dem in A4, "Das Leben ist kein Bällebad" zu dem A5-er in der weiß gebürsteten Shabby-Chic-Variante. Gleich drei Exemplare in unterschiedlichen Formaten durfte ich von meinem derzeitigen Bestseller verschicken:

Während ich die ersten Rahmenspangen löste, hörte ich von draußen das Knarzen unseres Vorgartentörchens. Das musste Thies sein. Dabei hätte ich hier gut noch ein paar ruhige Minuten gebrauchen können. Manchmal war dieses Häuschen wirklich zu klein für zwei Menschen, von denen einer in seiner Freizeit Kunstdrucke rahmte und der andere mit Ganzkörpereinsatz kochte.

"Huhu!" Thies tauchte im Türrahmen auf, wobei ich zunächst nur den unteren Teil von ihm sah. Der obere war hinter einer großen Kiste mit Einkäufen versteckt, aus der Möhrengrün, Salatblätter und Baguette-Stangen ragten.

"Vorsicht!", rief ich gerade n

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