text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Sturmherz Roman von Bomann, Corina (eBook)

  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Sturmherz

Alexa Petri hat schon seit vielen Jahren ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Cornelia. Doch nun liegt Cornelia im Koma, und Alexa muss ihre Vormundschaft übernehmen. Sie findet einen Brief, der Cornelia in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt: als leidenschaftliche junge Frau im Hamburg der frühen sechziger Jahre. Und als Opfer der schweren Sturmflutkatastrophe. Alexa beginnt zu ahnen, wer ihre Mutter wirklich ist. Als ein alter Freund von Cornelia auftaucht, ergreift Alexa die Chance, sich von der Frau erzählen zu lassen, die sie schließlich auch verstehen und lieben lernt. Corina Bomann ist in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und lebt mittlerweile in Potsdam. Sie hat bereits erfolgreich Jugendbücher und historische Romane geschrieben, bevor ihr mit Die Schmetterlingsinsel der absolute Durchbruch gelang. Seither gehört sie zur ersten Garde der deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843713955
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2540 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Sturmherz

Prolog

1962

Ein heftiger Windstoß traf das Fenster und übertönte die Musik aus dem Küchenradio.

Die junge Frau sah erschrocken von ihrem Koffer auf. Das Knarren klang warnend.

Vom Unwetter war in der Dunkelheit sonst nichts zu erkennen. Die Fensterscheibe zeigte lediglich ihr Spiegelbild: eine Achtzehnjährige mit rotblondem Haar und grünen Augen.

Angst lag auf ihren Zügen und wühlte in ihrem Innern. Wenn ihr Vorhaben misslang, würde sie niemals aus diesem von Schicksalsschlägen und Ungerechtigkeiten geprägten Leben herauskommen.

Noch vor Monaten hätte sie nicht erwartet, dass sich jemals etwas ändern würde. Dann war ein Hoffnungsschimmer erschienen, ein Mann, der das Tor zu einer anderen Welt geöffnet hatte. Einer Welt, in die sie heute Abend fliehen wollte.

Allerdings hätte sie sich besseres Wetter für ihren Ausbruch aus der elterlichen Wohnung gewünscht.

Schon seit Wochen war der graue Wolkenteppich über Hamburg nicht mehr aufgerissen. Heftige Regenschauer prasselten auf die Häuser, Windböen zerrten an den Passanten. Noch vor wenigen Tagen hatten die Meteorologen von einem leichten Tief gesprochen, doch mittlerweile glaubte ihnen niemand mehr.

Ein Schauer lief über ihren Nacken, als der Sturm das Fenster weiter attackierte. Dann rang sie ihre Angst nieder.

Es ist nur noch ein Gang durch die Straßen, sagte sie sich. Zur S-Bahn-Station und dann weiter nach St. Georg. Wenn ich erst mal bei ihm bin, brauche ich mich nicht mehr zu fürchten.

Sie wandte sich wieder ihrem Koffer zu. Viel hatte sie nicht eingepackt. Lediglich ein paar Kleidungsstücke, ein wenig Kosmetik und ihre beiden liebsten Bücher: Onkel Toms Hütte und Sturmhöhe .

In ihrem Elternhaus waren Bücher nicht gern gesehen. Ihr Vater hielt es für Geldverschwendung, welche anzuschaffen. Die beiden, die sie besaß, hatte sie sorgfältig vor ihm versteckt, denn er hatte sie ihr geschenkt.

Ein liebevolles Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie sich sein Bild vor Augen rief: blondes Haar, leuchtend blaue Augen, athletisch trotz seiner Liebe zu Büchern und zum Studieren. Rick. Der Name brachte ihre Sinne zum Klingen.

Noch einmal strich sie über die beiden Buchdeckel, dann breitete sie ein Tuch über sie und schloss den Koffer. Sie hob ihn vom Bett und lauschte. Die Musik dudelte. Von ihrem Vater war nichts zu hören. Wahrscheinlich schlief er noch immer auf dem Sofa. Es war Zeit zu gehen.

Sie zog ihren Wollmantel über, das beste Stück, das sie besaß. Um ihren Kopf band sie ein dunkles Tuch, das auch einen Teil ihres Gesichts verhüllte. So würden die Nachbarn hoffentlich nicht merken, wer da mit einem Koffer in der Hand die Straße hinunterging.

Auf Zehenspitzen verließ sie ihr Zimmer. Auf dem Weg zur Haustür musste sie an ihrem Vater vorbei. Wenn sie ihn dabei weckte, war ihr Fluchtplan passé.

Glücklicherweise dämpfte der alte Teppich ihre Schritte. Sie hatte das Muster immer gehasst, doch er war billig gewesen, und nachdem ihre Mutter gestorben war, hatte auch der Sinn für Schönes die Wohnung verlassen.

Die junge Frau warf einen Blick auf ihren Vater, der etwas verdreht auf dem Sofa lag und schnarchte. Die Schnapsflasche neben ihm war umgefallen, doch sie war ohnehin leer gewesen und hatte keinen Schaden angerichtet.

Unter der Woche hielt er sich zurück, aber am Freitag kam er immer schon betrunken nach Hause - und trank weiter, nachdem er sich lautstark über seine Kollegen und manchmal auch über die Fehler seiner Tochter beschwert hatte. Mittlerweile hatte er noch viel mehr an ihr auszusetzen als früher. Manchmal verprügelte er sie.

Doch damit war nun Schluss.

Sie hatte überlegt, ob sie ihm eine Nachricht hinterlassen sollte, sich dann aber dagegen entschieden. Ihr Vater brauchte nicht zu wissen, wo sie steckte. Sie wurde zwar erst in drei Jahren volljährig und damit offiziell una

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen