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Superpreis für Literatur Die Anthologie von Bukowski, Helene (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.06.2016
  • Verlag: Verbrecher Verlag
eBook (ePUB)
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Superpreis für Literatur

Die These: Literatur ist gut. Der schlagende Beleg: diese Auswahl aus unzähligen Einsendungen für den Superpreis für Literatur. Die hier versammelten zwanzig Texte sind nicht nur gute Literatur im handwerklichen Sinn. Sie bestätigen auch ein Argument, das immer wieder für die Literatur ins Feld geführt wird: Dass sie ein feiner Seismograph für gesellschaftliche Debatten und Entwicklungen sei. Demzufolge dominierten Bewegungen der Migration, Spielarten des Populismus und daraus folgende Visionen gesellschaftlicher Mikro- und Makrozusammenhänge die thematische Bandbreite der Einsendungen. Auch die Texte in dieser Anthologie kreisen teilweise um diese Themen. Sie tun das subtil und überraschend, roh und unversöhnlich.

Elias Kreuzmair ist Wissenschaftler und Autor, Moritz Müller-Schwefe ist Autor und Kritiker, gemeinsam geben sie die Anthologie 'Superpreis für Literatur' in diesem Jahr heraus.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 27.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957322081
    Verlag: Verbrecher Verlag
    Größe: 1178 kBytes
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Superpreis für Literatur

Andreas Reichelsdorfer

Relikt

Karl-Roßmann-Superpreis für subversive Fabelführung

Gefunden wurde das Relikt bereits vor acht Jahren und es hatte sich sofort herausgestellt, dass ihm eine immense Strahlkraft innewohnte, wie sie noch niemals zuvor an einem von Menschenhand oder Menschengeist geschaffenen oder entdeckten Objekt festgestellt oder dokumentiert worden war. Die Wissenschaftler, die mit der Sicherung und ersten Ausforschung des Reliktes beauftragt worden waren, sowie die Regierungsführenden, die diesen Auftrag erteilt hatten, waren sich sogleich uneins über das weitere Vorgehen gewesen und ein langjähriger Streit war die Folge, dessen Konsequenzen Stillstand und einige Zivilprozesse bedeuteten, die meist von Archäologen angestrengt und verloren worden waren. Nach acht Jahren schließlich war das Relikt mittels Beschluss des Kabinetts sowie gestützt durch die Entscheidung eines Gerichts in den Besitz der Allgemeinheit übergegangen und sollte, so der Plan, in die Hauptstadt überführt werden. Dort würde man es dann, unter Aufsicht der angesehensten Wissenschaftler der ganzen Welt, im Detail prüfen , sprich: Proben sollten entnommen, Fotografien sollten angefertigt, experimentelle Tests sollten durchgeführt werden. Schlussendlich würde das Relikt gereinigt und strahlensicher verpackt (eine Formulierung, die einem Regierungsbeamten eingefallen war, was ihm gesondertes Lob seitens der Regierungsführenden beschert hatte), um dann, im repräsentativsten und prachtvollsten Gebäude der Hauptstadt, der Allgemeinheit zur Betrachtung zugänglich gemacht zu werden. Naturgemäß waren die Gegner dieses Vorhabens äußerst zahlreich: Annähernd die Hälfte der Wissenschaftler und sogar Teile der Regierung hatten sich vehement für einen Verbleib des Reliktes unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesprochen. Es solle lieber in Ruhe und über einen ausgedehnten Zeitraum hin erforscht und anschließend an einem von diesem Land möglichst weit entfernten Ort, zum Beispiel am Nordpol, vergraben werden. Dadurch bestünde immerhin die Möglichkeit, einen Schaden an den Menschen zu vermeiden, oder, so er in noch nicht sichtbarer Weise bereits entstanden war, diesen wenigstens gering zu halten. Natürlich entgegneten die Befürwortenden, die von den Regierungsführenden und nach kurzem Zögern auch von der Kirche unterstützt wurden, ein derart außergewöhnlicher Fund dürfe der Menschheit auf keinen Fall vorenthalten werden, denn gerade dessen Strahlkraft mache es unerlässlich, der Allgemeinheit nicht nur Fotografien oder rohe Daten vorzulegen, sondern einen direkten Kontakt zu ermöglichen. Sie waren der Ansicht, dass es sich bei der von dem Relikt ausgehenden Strahlung, deren Intensität und Form noch nicht kategorisiert werden konnten, nicht um eine schädliche, sondern, im Gegenteil, eine dem Körper (und möglicherweise auch dem Geist) zuträgliche handelte. Selbstverständlich würde in eben jener Zeit der detaillierten Prüfung jeder Zweifel beseitigt werden, denn nichts lag der Regierung und den Befürwortenden ferner, als die Verantwortung für etwas zu tragen, das auch nur den kleinsten Schaden an der Allgemeinheit verursachte. Die Gegner warfen ein, man sei außer Stande, mit absoluter Sicherheit zu behaupten, ein solches Objekt wirke, wenn auch nur im Verborgenen, nicht negativ, selbst nach der intensivsten Prüfung blieben unausweichlich immer, wenn auch minimale, Restzweifel. Allerdings entgegneten hier die Befürwortenden, eine solche These wäre nun auf jedes Forschungsvorhaben in allen wissenschaftlichen Arbeiten anwendbar und lasse sich auf sämtliche Theorien, Tests und Experimente im akademischen Bereich und im Endeffekt auf jegliches Handeln und jede noch so kleine Entscheidungsfällung in allen Lebensbereichen der Menschen ausdehnen, was, das sehe man ja wohl ein, unweigerlich zu nichts als zu definitivem Stillstand führe. Das war, so mussten die Gegner kopfschü

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