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Töchter der Lüfte Roman von Jenoff, Pam (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Töchter der Lüfte

Als wir fliegen lernten. Die junge Holländerin Isa hat alles verloren - ihre Familie, ihr Zuhause, ihr Kind. Dann sieht sie die Möglichkeit, ein anderes Baby vor dem sicheren Tod zu retten, und sucht Zuflucht bei einem Zirkus. Doch um unerkannt zu bleiben, muss sie mit der Artistin Astrid zusammenarbeiten - am Trapez. Diese hat selbst ein Geheimnis, das sie um jeden Preis wahren will. Widerwillig nähern sich die beiden Frauen bei dem gefährlichen Training an. Bis Isa sich in einen den Franzosen Luc verliebt und damit alles aufs Spiel setzt... 'Ein Buch, das ich in einem Zug durchlesen musste - die Freundschaft dieser beiden so grundverschiedenen Frauen während des Zweiten Weltkriegs hat mich nicht mehr losgelassen.' Kristina Baker Kline, Autorin von 'Der Zug der Waisen'. Pam Jenoff hat jahrelang in Krakau als Vizekonsul der amerikanischen Botschaft gelebt. Als Expertin für den Holocaust in Polen war sie im Pentagon tätig und wurde für ihre Arbeit von verschiedenen Menschenrechtsorganisationen ausgezeichnet. Ihre Romane sind internationale Bestseller. Heute arbeitet sie als Anwältin und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Philadelphia.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 16.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215161
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: The Orphan's Tale
    Größe: 2131 kBytes
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Töchter der Lüfte

Kapitel 1

Isa

Ich höre ein Geräusch. Es klingt wie das Summen des Bienenschwarms, der meinen Vater einmal über den ganzen Bauernhof getrieben hat. Hinterher lief er eine Woche lang mit rot geschwollenen Händen herum.

Ich lege die Bürste nieder. Der Fußboden, den ich schrubben muss, war einst eine schöne glatte Marmorfläche, doch unter den harten Stiefelschritten ist sie gesprungen. Die Ritzen haben sich mit Schmutz und Asche gefüllt, die sich nicht mehr entfernen lassen. Ich lausche in die Richtung, aus der das Geräusch kommt, und stehe auf. Über mir verkündet ein Schild in fetten schwarzen Lettern Bahnhof Bensheim . Für einen Warteraum mit zwei Toiletten, einem Fahrkartenschalter und einer Wurstbude, die nur öffnet, wenn es Fleisch gibt, ist Bahnhof eine ziemlich hochtrabende Bezeichnung. Ich nehme eine Münze auf, die unter einer Wartebank liegt, und stecke sie in meine Schürzentasche. Ich kann nicht fassen, was die Leute alles vergessen oder fallen lassen.

Ich gehe hinaus und versuche, das Geräusch zu orten. In der kalten Luft des frühen Februarabends steigen aus meinem Mund kleine Atemwolken auf. Der Himmel ist eine Farbcollage aus Elfenbein und Grau, die noch mehr Schnee verheißt. Der Bahnhof liegt in einem Tal, auf drei Seiten umgeben von Hügeln mit dichtem Nadelwald. Von den schneebedeckten Bäumen stechen nur noch die Wipfel grün hervor. In der Luft hängt leichter Brandgeruch. Vor dem Krieg war Bensheim eine kleine unbedeutende Haltestation, die meisten Reisenden fuhren durch, ohne sie überhaupt wahrzunehmen. Doch wie es aussieht, können die Deutschen aus allem etwas machen. Die Abgeschiedenheit des Ortes eignet sich, um Güterzüge unauffällig abzustellen und nachts ohne großes Aufsehen Lokomotiven zu rangieren.

Ich bin seit fast vier Monaten hier. Im Herbst war es noch wärmer und nicht so schlimm wie jetzt. Seit der Zeit, als man mich hinausgeworfen und mir nur für zwei Tage etwas zu essen mit auf den Weg gegeben hat - für drei, wenn man haushalten konnte -, bin ich immer froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Ein Jahr zuvor, als mein Vater erfuhr, dass ich schwanger war, war er es, der mich davonjagte. Einige Tage später landete ich in Deutschland, in einem Heim für ledige Mütter. Aus Gründen der Diskretion war es weit abgelegen. Ich war der Ansicht, nach der Geburt meines Kindes hätte man mich wenigstens bis zur nächsten Stadt fahren können, aber auch da schickte man mich einfach fort. Ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof, bis mir einfiel, dass ich nicht wusste, wohin ich fahren sollte. Mein Geld reichte genau für eine Fahrkarte nach Bensheim, nicht weiter. In den Monaten, die seitdem verstrichen sind, habe ich mehr als einmal daran gedacht, zu meinen Eltern zurückzukehren und sie um Verzeihung zu bitten. Dazu wäre ich nicht zu stolz. Ich würde auf die Knie sinken, wenn ich dächte, dass es etwas nützen würde. Doch an dem Tag, als ich gehen musste, sah ich die Verachtung im Blick meines Vaters und wusste, dass sein Herz sich verhärtet hatte. Und ich würde es nicht ertragen, erneut verstoßen zu werden.

Es war mein Glück, dass man im Bahnhof von Bensheim eine Putzfrau suchte. Ich werfe einen Blick in den Schalterraum. In einer Abstellkammer am hinteren Ende des Raums schlafe ich nachts auf einer dünnen Matratze. Ich trage noch immer das Umstandskleid, das ich an dem Tag anhatte, als ich das Heim für ledige Mütter verließ. Mittlerweile hängt es lose hinab. Aber so wie jetzt wird mein Leben nicht bleiben. Eines Tages werde ich ein richtiges Zuhause haben und eine bessere Anstellung finden - eine, bei der man mir mehr zahlt als ein angeschimmeltes Brot.

Ich sehe mein Spiegelbild im Fenster des Bahnhofs. Ich falle nicht auf - blondes Haar, das in der Sommersonne ausbleicht, und hellblaue Augen. Es gab Zeiten, da hat es mich deprimiert, unscheinbar zu sein, doch jetzt betrachte ich es als Vorteil. Die beiden and

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