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Tage der Träume von Wunderer, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2016
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Tage der Träume

Es ist wie im Märchen: Julia hat die Landwirtschaftsschule mit Auszeichnung abgeschlossen. Sie hofft, nun ihre große Liebe Christian heiraten zu können und Bäuerin von Wildreut zu werden. Doch bald stellt sie fest, dass auf dem ihr früher so vertrauten Hof alles anders geworden ist. Sie und Christian haben immer öfter Streit. Der Bauer hat seltsame Pläne mit seinem Sohn, in die auch die hübsche und vor allem reiche Britta Rasmussen involviert ist, die sehr von Julias Verlobtem angetan ist. Ist Julias Liebe stark genug, um alle Widrigkeiten zu überwinden? Richard Wunderer stammt aus Niederösterreich. Er nahm in Wien in Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik, Philosophie, Psychologie und französischen Philologie auf, das er mit der Promotion abschloss. Seine Liebe zur Landschaft und den Menschen des Alpen- und Voralpenraumes spricht aus den zahlreichen Romanen, die er verfasst hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 428
    Erscheinungsdatum: 30.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475546150
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 1207 kBytes
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Tage der Träume

1.

Die sinkende Sonne ließ die Berge noch einmal flammendrot gegen den rasch dunkler werdenden Abendhimmel aufleuchten. Schloss Forchtenau, hoch über dem Tal gelegen und mit seinen mächtigen Mauern und dem klobigen Bergfried nicht der unwichtigste Bestandteil der malerischen Bergkulisse, wurde vorübergehend ebenfalls in einen roten Lichtschein getaucht, der das alte Gemäuer ein bisschen unheimlich, fast schon gespenstisch wirken ließ.

Die spitzen, zwischendurch sogar gellenden Schreie, die aus der Tiefe des düsteren Gebäudes mit den kleinen, schießschartenartigen Fensteröffnungen drangen, hätten einen ahnungslos vorbeikommenden Wanderer fast glauben lassen können, dass er unversehens in eine ferne Vergangenheit zurückversetzt worden sei, in der noch blutige Folter betrieben wurde - wenn sich in sie nicht noch das Lachen und die übermütigen Scherzworte jugendlicher Stimmen gemischt hätten.

Die Tafel am Eingang zum Schlosshof ließ dagegen auch in einer solch verwunschenen Abendstimmung keinen Zweifel daran, dass die moderne Zeit nicht auf irgendeine geheimnisvolle Weise von diesen alten Mauern abgeprallt war, denn sie ließ Herankommende wissen, wozu die ehrwürdige Stätte inzwischen diente: "Landwirtschaftliche Hochschule Schloss Forchtenau" war darauf zu lesen.

Ob die Folter freilich damit schon als abgeschafft gelten könne, hätte nicht jeder der Studenten ohne Weiteres bestätigt; das galt vor allem für jene, bei denen sich während der schriftlichen Prüfungen größere Wissenslücken herausgestellt hatten, denn gerade die wurden im Mündlichen besonders streng befragt.

Freilich, nun war auch dies überstanden. Am Ende war sogar nicht ein einziger des diesjährigen Prüfungsjahrgangs durchgefallen, sondern alle hatten ihr Diplom entgegennehmen können. Die Anspannung der Prüfungszeit war vom selben Moment an in lärmende Ausgelassenheit umgeschlagen.

Fast alle Studenten hatten die letzten vier Jahre nahezu vollständig in Schloss Forchtenau verbracht, in dessen Mauern auch ein Wohnheim eingerichtet war. Sie waren täglich beisammen gewesen, und das hatte sie zu einer verschworenen Gemeinschaft werden lassen. Nun hieß es, sich wieder voneinander zu trennen: Die einen gingen zurück an ihren durch ihre Geburt vorherbestimmten Platz, etwa auf den Bauernhof ihrer Familie, die anderen waren in einem passenden Betrieb eingestellt worden oder noch auf der Suche nach einem Ort, wo das, was sie gelernt hatten, ihnen zu einem sicheren Einkommen und Ansehen verhelfen würde.

Es gehörte zur Tradition auf Schloss Forchtenau, dass die Absolventen zur Feier des Abschieds noch einmal einen letzten Rundgang durch das historische Gebäude machten, dessen älteste Teile noch aus dem Mittelalter stammten, wenn auch das wehrhafte, fast düstere Erscheinungsbild, das es von außen bot, im Inneren durch zahlreiche Umbauten späterer Jahrhunderte aufgehoben worden war.

Vor allem galt es natürlich, gemeinsam die Folterkammer aufzusuchen. Was sich dort in dunkleren Zeiten an Schrecklichem abgespielt haben mochte, konnte man freilich nur noch erahnen, denn außer ein paar eisernen Ringen an der rauchgeschwärzten Wand befand sich nur noch ein einziges, aber sehr anschauliches Überbleibsel der Vergangenheit dort: eine hölzerne "Strafgeige", ein Instrument, das dem bedauernswerten Delinquenten um den Hals und beide Handgelenke geschlossen wurde. Im Mittelalter hatte man Übeltäter damit bestraft, dass sie in eine solche Strafgeige geschlossen und dann in der Öffentlichkeit zur Schau gestellt wurden, dem Spott der anständigen Leute ausgesetzt.

Die Strafgeige in Schloss Forchtenau war freilich noch keine dreißig Jahre alt, wenn auch immerhin nach historischen Vorlagen gefertigt. Studenten hatten das Instrument als Jux nachgebaut und zum Abschied den Professoren verehrt, die, wie sie bei der feierlichen Übergabe anregten, ein solches Instrument zur Befragung bei der mündlichen Abschlussprüfung wo

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