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Talwasser Roman von Hüppin, Beat (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.02.2016
  • Verlag: Zytglogge Verlag
eBook (ePUB)
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Talwasser

Ein Dorf wird geflutet Das abgelegene Schwyzer Innerthal um 1920, Bauplatz der grössten Gewichtsstaumauer der Welt Bauern aus dem Tal müssen ihre Heimwesen aufgeben Historischer Roman, fiktive Geschichte der Grossfamilie Dobler Innerthal im Jahre 1917: Vater Dobler bringt eines Abends die Nachricht nach Hause, dass es mit der Mauer nun doch ernst werden soll. Die Staumauer, über die zwanzig Jahre lang diskutiert wurde und an deren Bau niemand mehr ernsthaft geglaubt hat, wird tatsächlich gebaut. Im beschaulichen, etwas abgelegenen Voralpental entsteht die damals grösste Gewichtsstaumauer der Welt. Die Kraftwerksgesellschaft baut eine 66 Meter hohe Wand in die Schräh, um danach das ganze Tal zu fluten. Für die Bauern im Talboden des Innerthals bedeutet das, dass sie ihre Heimwesen aufgeben müssen. Beat Hüppin erzählt auf der Grundlage von geschichtlichen Quellen und Zeugnissen die fiktive Geschichte der Bauernfamilie Dobler, deren Mitglieder ganz unterschiedlich auf die drohende Umsiedlung reagieren. Hüppin verfolgt deren Geschicke bis über den Zweiten Weltkrieg hinaus. So ergibt sich ein vielschichtiges Bild einer Gesellschaft und einer Familie im Wandel, eine Geschichte über Heimat und Fremde und letztlich über Leben und Tod. Beat Hüppin Geb. 1976 als Sohn einer finnischen Mutter und eines Schweizer Vaters, Kindheitsjahre und Primarschule in Wangen SZ, Studium der lateinischen und deutschen Literatur und Sprachwissenschaft, langjährige Unterrichtstätigkeit. Heute lebt der Autor wieder in Wangen und arbeitet an der Kantonsschule Ausserschwyz. 'Talwasser' ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 10.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783729620766
    Verlag: Zytglogge Verlag
    Größe: 3134 kBytes
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Talwasser

ERSTER TEIL

1.

Im Tal wütete das Wetter so gotteserbärmlich, dass man keinen Hund hätte nach draussen schicken mögen. Der Regen fiel prasselnd auf die Wiesen, Wege und Dächer, die Dachrinnen vermochten längst nicht mehr alles Wasser zu schlucken, und überall um den Doblerhof bildeten sich grosse Wasser lachen. Der Wind pfiff durch alle Ritzen, so dass man unwillkürlich fröstelte, obwohl es wenige Stunden zuvor noch ein schweisstreibender Sommertag gewesen war. Von den Felswänden, die das Tal umringten, widerhallte der Donner, und jedes Mal erzitterte das ganze Haus, so dass es im morschen Gebälk knarzte.

Die Mamä ging nervös auf und ab. Wo bloss der Dädi mit den Buben steckte? Ganz vorne beim Stockerli hatte er im Holz zu tun gehabt. Dölf und Kari waren als Gehilfen mitgegangen. Das war ein weiter Weg, natürlich, aber hätten sie nicht trotzdem schon längst zurückgekehrt sein müssen? Ob die vom Gewitterregen angeschwollene Aa wieder einmal die gedeckte Brücke weggerissen hatte, so dass sie auf der anderen Seite festsassen, oder ob sie sich beim Einsetzen des Regens schlicht irgendwo am Weg untergestellt hatten?

Da, es blitzte gerade wieder so fürchterlich, ganz
in der Nähe, und ein besonders laut krachender Donner folgte dem Blitz auf dem Fuss. Sofort bekreuzigte sich die Mamä mehrmals in rascher Folge und begann zu beten. Tinäli und der Seppli taten es ihr gleich. Nur Agneysli sass auf der Ofenbank, mit einer kleinen Katze im Arm, der sie seelenruhig gut zu redete. Die anderen wussten genau, dass Agnes für den Herrgott nicht gerade viel übrig hatte, und auch der Pfarrer und der Lehrer waren der Meinung, dass das Mädchen in diesem Fall wohl ein Heidenkind sein müsse.

Tinäli schalt die jüngere Schwester: "Wenn es bei uns wirklich einmal in den Gaden oder ins Haus einschlägt, dann bist allein du schuld mit deinem Unglauben. Erinnerst du dich nicht mehr, letztes Jahr beim alten Mächler Ignaz, als der Blitz direkt in den Gaden eingeschlagen hat? Im ganzen Innerthal hat man damals die Feuersäule gesehen. Der Inderbitzin hat am nächsten Tag in der Schule gesagt, der Mächler Ignaz sei eben einer von denen, die zu wenig beten."

"Ach, der Gufäschnuuz", machte Agneysli mit einer verächtlichen Handbewegung, "der sagt viel, wenn der Tag lang ist."

Agneysli war soeben zwölf Jahre alt geworden und das jüngste Mädchen bei Doblers. Zwei Jahre nach ihr war noch der Seppli geboren worden, der ihr besonderer Liebling war und auf den sie, als die nächstältere Schwester, besonders grossen Einfluss hatte - der strenge Dädi meinte, nicht gerade den besten, denn die beiden jüngsten Geschwister trieben allerhand Unfug miteinander, und im weiten Umkreis waren sie für ihre Streiche bekannt.

Das Gewitter zog unterdessen weiter, man hörte den Donner nur noch aus der Ferne grollen. Bloss der Regen fiel nahezu unvermindert stark. Und immer noch fehlte der Dädi.

Seppli meldete Bedenken an: "Was, wenn der Stockerligeist ihn mit den Brüdern geholt hat?"

"Ha, der Schuhmacher", fuhr Agneysli auf, "wenn der mich holen wollte, dem würde ich schon die Meinung sagen, und zwar deutlich. Seppli, vor dem musst du keine Angst haben. Der hat noch niemanden geholt."

Tinäli kam dem Seppli zu Hilfe: "Spotte doch nicht schon wieder, Agneysli. Was war denn mit dem Bauernknecht, der im Ried in Nuolen erst vor kurzem wieder ein Muättiseyl gesehen hat? Schauerlich soll es aus seinem feurigen Gerippe geschrien haben. Ganz vergelstert sei der Knecht an jenem Abend nach Hause gekommen, sagen sie."

Agneysli verzog das Gesicht zu einer spöttischen Grimasse: "Und wenn schon. So hat sich der Knecht am Feuer wenigstens schön wärmen können. Wenn es nur nicht etwa daran lag, dass er einen Schnaps zu viel gehabt hat."

"Von wegen Schnaps! Du hörst doch auch, wie die Gespenster bei uns im Dach wild durcheinanderfahren und toben. Das bilden wi

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