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Tanz mit dem Schafsmann Roman von Murakami, Haruki (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2011
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Tanz mit dem Schafsmann

Ein großstädtischer Junggesellen-Nomade ist Haruki Murakamis erzählender Held. Sein Leben ist aus der Spur geraten: 34-jährig, geschieden, ein Freund gestorben, von einer Frau ohne Erklärung verlassen. Wiederkehrende Träume und die Erinnerungen an Kiki, die 'professionelle Traumfrau' und mysteriös verschwundene Geliebte, führen von Tokyo nach Sapporo ins Dolphin Hotel, eine ehemals schäbig-schrille Absteige, die zum glitzernden Luxuspalast geworden ist. Hier begann alles, hier wird alles enden - denn verborgen haust hier der Schafsmann: ein weise-orakelnder Alter, Schutzengel und Schatten des Erzählers. Seine sanfte Botschaft lautet: 'Tan, tan, tan'. 'So gut du kannst. Du hast keine andere Wahl.' Auf der Suche nach einem neuen Leben verwickelt sich Haruki Murakamis Erzähler in seltsame Ereignisse. Er lernt die 'Hotelfee' vom Empfang kennen, spürt einen ehemaligen Schulfreund auf, der zum Filmstar geworden, mit Kiki auf der Leinwand zu sehen ist, und zu dessen Luxusleben teure Call-Girls gehören; er wird in ominöse Mordfälle hineingezogen und, zwischen Tokyo und Hawaii, zum Beschützer Erzieher der jungen Yuki, die ein Geheimnis mit ihm teilt. Ein verführerischer Thriller, eine schillernd surreale Erzählung und eine geistreiche Gegenwartssatire: 'Tanzen. Immer weiter tanzen, solange die Musik spielt.' Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 461
    Erscheinungsdatum: 27.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832185954
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Dansu, Dansu, Dansu
    Größe: 2406 kBytes
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Tanz mit dem Schafsmann

1

Ich träume oft vom Hotel Delfin.

Im Traum bin ich ein Teil davon. Und zwar als eine Art Dauerzustand. Der Traum suggeriert das ganz deutlich. Das Hotel Delfin ist verzerrt und schmal wie ein Schlauch. Es wirkt eher wie eine lange, überdachte Brücke. Eine Brücke, die sich von uralten Zeiten bis in die Endzeit des Universums erstreckt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und mittendrin bin ich. Jemand weint. Weint um mich.

Das Hotel umhüllt mich. Ich kann seinen Puls fühlen, seine Temperatur spüren. Im Traum bin ich ein Teil des Hotels.

Das ist mein Traum.

Ich wache auf. Wo bin ich? Ich denke es nicht nur, sondern stelle mir die Frage laut: "Wo bin ich?" Eine sinnlose Frage. Als wüsste ich es nicht: Ich bin hier. Mitten im Leben. In meinem Alltag, mit allen Dingen, die zu mir, einer realen Existenz, gehören. Nicht, dass ich mich daran erinnern könnte, all den Situationen und Ereignissen, bei denen ich eine Rolle gespielt habe, jemals zugestimmt zu haben. Hin und wieder ist da eine Frau, die neben mir schläft. Doch meistens bin ich allein. Es gibt lediglich die Autobahn direkt vor meinem Fenster, ein Glas – mit einem Restschluck Whiskey – an meinem Bett und das feindselige – oder vielleicht auch nur gleichgültige – diesige Morgenlicht. Manchmal regnet es. Dann bleibe ich im Bett und träume vor mich hin. Und kippe den Rest Whiskey. Ich schaue den Regentropfen zu, die von der Traufe rinnen, und denke dabei an das Hotel Delfin. Irgendwann räkele ich mich, langsam und wohlig. Das genügt mir, um mich zu vergewissern, dass ich einfach nur ich bin und nicht Teil von etwas anderem. Aber das Gefühl im Traum hat sich noch nicht verflüchtigt. Es ist so plastisch, dass ich meine Hand danach ausstrecken und es berühren könnte. Dann würde das gesamte Bild, in dem ich mich befinde, in Bewegung geraten. Wenn ich angestrengt lausche, kann ich hören, wie sich langsam eine Reihe von Szenen abzuspielen beginnt. Eine nach der anderen, in Kaskaden. Ich lausche aufmerksam. Höre, wie jemand leise, kaum wahrnehmbar weint, ein Schluchzen irgendwoher aus dunkler Tiefe. Jemand weint um mich.

Das Hotel Delfin existiert wirklich. Es befindet sich in einem unscheinbaren Winkel von Sapporo. Vor einigen Jahren habe ich eine Woche dort übernachtet. Wenn ich mich recht entsinne, war es vor vier Jahren. Nein, vor viereinhalb, um genau zu sein. Ich war noch in den Zwanzigern. Die Woche dort verbrachte ich mit einem Mädchen. Sie war es, die das Hotel ausgesucht hatte. Da übernachten wir. Sie hatte darauf bestanden. Sonst wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, in einem solchen Kasten abzusteigen. Das Hotel war eine schäbige Bruchbude. Während unseres gesamten Aufenthalts haben wir, soweit ich mich erinnere, keinen anderen Gast gesehen. Ein paar Figuren lungerten zwar in der Lobby herum, aber wer weiß, ob sie tatsächlich Gäste waren. Es fehlten immer einige Schlüssel an der Rezeption, was die Vermutung nahe legte, dass außer uns noch andere hier logierten. Falls überhaupt, konnten es nicht viele sein. Wenn irgendwo in der Großstadt ein Schild mit der Aufschrift Hotel aushängt und die Telefonnummer im Branchenbuch steht, sollte man eigentlich davon ausgehen können, dass sich Gäste einfinden. Doch falls es noch andere außer uns gab, dann mussten sie extrem schüchtern und leise sein. Man hörte weder den geringsten Mucks, noch gab es irgendein sichtbares Zeichen ihrer Anwesenheit – außer der täglich wechselnden Anordnung der Schlüssel am Bord. Vielleicht waren es Schattengestalten, die mit angehaltenem Atem an den Korridorwänden entlangschlichen. Gelegentlich hörten wir das quietschende Rumpeln des Aufzug

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